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Wirtschaft

Textilfirma Senbert plant den Verkauf

2010 begann in Bad Kötzting der Wandel von Mode zu Hightech-Strickwaren. Trotz guter Lage will sich der Inhaber verändern.
Von Stefan Weber

Landrat Franz Löffler informierte sich bei der Firma Senbert über die Produktion. S. Weber
Landrat Franz Löffler informierte sich bei der Firma Senbert über die Produktion. S. Weber

Bad Kötzting.Es hätte auch eine ganz normale Betriebsbesichtigung sein können, wie sie Politiker wie Landrat Franz Löffler häufig vornehmen – vor allem, wenn Wahlkampf ist. Aber bei der Firma Senbert Textilentwicklung und -herstellung in Bad Kötzting erlebte nicht nur der Landrat am Donnerstagvormittag gleich zwei Überraschungen: Denn wer Senbert noch immer mit gestrickter Kleidung gleichsetzt, der irrt gewaltig – und mit der Nachricht, dass er bereits intensiv über den Verkauf des Unternehmens verhandle, überraschten Inhaber Erhard Senbert und seine Frau Eva-Maria den Landrat und Isabella Bauer von der Wirtschaftsförderung des Landkreises gleich noch mehr.

Erhard Senbert mit Landrat Franz Löffler in der Produktion am Standort in Bad Kötzting, mit dabei war auch Isabella Bauer von der Wirtschaftsförderung des Landkreises. S. Weber
Erhard Senbert mit Landrat Franz Löffler in der Produktion am Standort in Bad Kötzting, mit dabei war auch Isabella Bauer von der Wirtschaftsförderung des Landkreises. S. Weber

Vielleicht ein Tag, den Landrat Löffler nicht so schnell vergisst – für Erhard Senbert ist es wohl der 24. April 2014. An diesem Tag endete zunächst der Start des Unternehmens in eine neue Ära, und zwar beim Arbeitsgespräch mit Mitarbeitern von Adidas in Herzogenaurach. Gemeinsam mit dem Global-Player hatte das Bad Kötztinger Unternehmen den ersten gestrickten Sportschuh von Adidas entwickelt, doch an diesem Tag stoppte das Unternehmen das Projekt. Keine schöne Erfahrung, wie Erhard Senbert dem Landrat erklärte, und doch sei es der Aufbruch in völlig neue Märkte gewesen.

Ein Beruf im Wandel

Während der Unternehmer und der Politiker im obersten Stock des Firmensitzes sprechen, arbeiten in den Stockwerken darunter die Maschinen – und die mehr als 30 Mitarbeiter natürlich. Ebenfalls ein Thema, um das es im Büro des Chefs geht: Mitarbeiter. Denn schon längst sei es nicht mehr so wie zu seiner Lehrzeit, als er den Beruf des Strickers erlernt habe. Heute brauche es vor allem Produktions- und Textil-Mechaniker, Berufe, die auch gut bezahlt würden.

Das Unternehmen Senbert

  • Gründung:

    Seit 1951 produziert die Senbert GmbH hochwertige Strickwaren am Standort in Kötzting in der Böhmerwaldstraße, damals hatte das Unternehmen sieben Mitarbeiter.

  • Entwicklung:

    1986 wurden bereits 120 Mitarbeiter beschäftigt; 1988 wurde mit dem Bau einer neuen Halle im Gewerbegebiet an der Arnbrucker Straße begonnen.

  • Wandel:

    1993 wurde die Halle an die Behindertenwerkstätten verkauft und ein Zweigwerk in Tschechien unweit von Brünn eröffnet.

  • Mitarbeiter heute:

    In Bad Kötzting sind 33 Mitarbeiter beschäftigt, in Tschechien 45.

Denn auch wenn die ersten Erfahrungen mit Adidas, die mit ersten Gesprächen vor zehn Jahren begonnen hatten, nicht positiv geendet hätten, so seien sie doch der Beginn eines tiefgreifenden Wandels im Unternehmen gewesen, wie Eva-Maria und Erhard Senbert dem Landrat an diesem Tag erzählen. Mode werde zwar noch immer hergestellt, nicht zuletzt im Werk in Tschechien – aber das größere Standbein sei mittlerweile ein ganz anderer Geschäftszweig. So fertige Senbert als Zulieferer gestrickte Barfußschuhe für die Firma Leguano etwa. Oder auch, und das bereits seit 14 Jahren, Bezüge für Fahrzeugsitze in Meterware. Dazu kämen noch hochwertige gestrickte Rückenlehnen für Büromöbel etwa oder auch Schnittschutz-Kleidung, in die Glasfaser so verarbeitet werde, dass sie höchsten Ansprüchen genüge und bequem zu tragen sei.

Lob vom Landrat

Der Wandel eines Unternehmens durch ständige Innovation – Erhard Senbert plant nach eigener Aussage bereits die Erweiterung der Unternehmensfelder um den Reise-Sektor –, das ist natürlich genau das, was Landrat Franz Löffler freut. „Was Sie hier geschafft haben, verdient höchsten Respekt“, versichert er. „Denn wer nicht mit der Zeit gehen kann und durch Innovation sowie Qualität besticht, der ist irgendwann weg vom Fenster“, versichert er.

Landrat Franz Löffler informierte sich bei der Firma Senbert über die Produktion - hier mit dem Produkt, das die Firma am längsten herstellt - seit über 14 Jahren: Sitzbezüge, wie sie etwa für Baumaschinen verwendet werden. S. Weber
Landrat Franz Löffler informierte sich bei der Firma Senbert über die Produktion - hier mit dem Produkt, das die Firma am längsten herstellt - seit über 14 Jahren: Sitzbezüge, wie sie etwa für Baumaschinen verwendet werden. S. Weber

Kurz überrascht zeigt sich Löffler dann allerdings am Schluss des Gespräches, als ihm Erhard Senbert davon berichtet, dass er gerade dabei sei, sein Unternehmen zu verkaufen. Der Grund sei nicht die wirtschaftliche Lage – im Gegenteil, das Unternehmen habe im vergangenen Jahr am Standort Bad Kötzting erst zehn weitere Mitarbeiter eingestellt – sondern, dass er selbst bald im Rentenalter sei. Die beiden Söhne hätten andere Berufe gewählt, und so sei er vor einiger Zeit auf die Suche nach einem Käufer gegangen. Ein Unternehmen in der Textilbranche zu verkaufen, sei zwar nicht ganz einfach, erklärt Senbert, aber er sei positiv gestimmt, ein Unternehmen gefunden zu haben, das das Potenzial bei Senbert erkannt habe.

Es soll sich nichts ändern

Wenn alles so kommen sollte, wie er es sich vorgestellt habe, dann könnte das Geschäft schon in wenigen Wochen perfekt sein, erklärt er dem Landrat. Der ist dann wieder beruhigt, als ihm der Firmeninhaber erklärt, dass das Geschäft so weitergehen soll wie bisher und sogar noch ausgebaut werden wird – und das an denselben Standorten wie bisher. So bleibe die Firma wie in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in Bad Kötzting und damit in der Region. Damit sind es dann doch richtig gute Wirtschafts-Nachrichten, die Landrat Franz Löffler mit zu seinem nächsten Termin an diesem Tag nimmt. Denn nach allem, was er von der Firma Senbert an diesem Tag erfahren hatte, hätte ihm wohl eine Firma wie diese künftig gefehlt im Landkreis.

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