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Dienstag, 22. Mai 2018 24° 2

Musik

T.G. Copperfield mit neuer Musik zurück

Kurz nach seinem Album veröffentlicht der Rocker aus Cham die EP „Tunes for George“. Eine Hommage an seinen toten Vater.
Von Gregor Raab

An nur einem einzigen Studio-Tag spielte T.G. Copperfield die Platte „Tunes for George“ im Studio ein. Fotos: Carmen Wiendl

Cham.Tilo, du hast dieses Minialbum deinem Vater gewidmet. Kannst du uns dazu erzählen, wie das Ganze entstanden ist?

Die Ideen und ganze Songs gibt es teilweise schon seit ein paar Jahren. Die Initialzündung dazu kam aber während meines Urlaubs in Kanada. Das war für mich eine Art spirituelle Reise. Kanada war das Land, in das mein Vater damals seine Hochzeitsreise unternommen hatte. Und irgendwie war in der Weite dieser Landschaften wohl sein Spirit allgegenwärtig. Wir verbrachten ein paar Tage am Meer und auf einer Farm und dort hatte ich Zeit, mir viele Gedanken zu machen. Dabei ist auch der Song „Half the Man“ entstanden. Da war mir klar, ich muss dieses Album machen, weil ich noch etwas zu sagen habe über meinen Vater und ihn damit für mich in bester Weise in Erinnerung halten kann. Das soll aber nicht heißen, dass die Songs komplett melancholisch und traurig sind. Es ist eine gute Mischung aus Old-School-Rock-Nummern und akustischen Songs. Alles komplett mit einer Session-Band eingespielt.

Wer war daran beteiligt?

Am 11. Mai veröffentlicht T.G. Copperfield „Tunes for George“. Fotos: Carmen Wiendl

Max Seelos und Phil Zimmermann haben Drums und Bass übernommen. Tom Schmidbauer die Backing-Vocals. Das sind sehr tolle Musiker, die intuitiv das gespielt haben, was die Songs brauchten. Und das war auch wichtig, weil wir hatten nur einen Tag lang Zeit dafür, alles zu arrangieren und einzuspielen. Wer schon mal ein Album produziert hat weiß, dass das eine sehr harte Deadline ist für sechs Songs. Aber mir war wichtig, dass bei allen Nummern die Magie des Demos und des ersten Takes erhalten bleibt. Es ist ja oft so, dass man einen Song schreibt, zusammen ein Demo macht und dann irgendwann ins Studio geht. Und am Schluss schaut man sich dann an und stellt fest, dass irgendwas fehlt, was beim Demo da war. Sei es eine gewisse Energie oder Dynamik oder ein spezieller Ausdruck, der durch den Prozess dann verlorengegangen ist. Bei „Tunes for George“ wollte ich das auf Tape bringen, was wir alle gespürt haben, als wir die Songs zum ersten Mal gespielt haben. Und das ist mir meines Erachtens sehr gut gelungen. Die Rohheiten blieben zwar drinnen, aber das gehört dazu.

Nun ist dein letztes Album „The Worried Man“ erst vor fünf Monaten veröffentlicht worden. Wieso so schnell wieder eine EP?

Zeitlich lagen die beiden Albumproduktionen sehr eng beieinander. Ich habe „Tunes for George“ irgendwann zwischen der Produktion von „The Worried Man“ eingeschoben, da ich gerade freie Kapazitäten hatte und das Studio nicht belegt war – und vor allem, weil ich die Songs raus aus meinem System bringen musste. Ich hatte eben zu diesem Zeitpunkt eine tiefe Verbundenheit mit dem Thema und da hätte es nicht gepasst, wenn ich beispielsweise noch ein halbes Jahr gewartet hätte mit den Aufnahmen. Ich will also damit sagen, man könnte diese EP als eine Ergänzung zu meinem letzten Longplayer sehen – und deshalb macht es Sinn, das nicht erst später zu veröffentlichen. Außerdem arbeite ich gerade schon sehr intensiv an weiterer Musik und ich möchte das veröffentlichen, solange ich als Songwriter dazu noch eine innige Verbindung habe.

T.G. Copperfield neue Platte

  • Die EP

    Am 11. Mai veröffentlicht T.G. Copperfield eine EP mit sechs brandneuen Songs, die er seinem verstorbenen Vater widmet. Also exakt ein Tag nach dem Vatertag und mit dem bezeichnenden Namen „Tunes for George“.

  • Die Single

    Die erste Single aus der EP Tunes for George“ mit dem Namen „Half the Man“ hat bereits seinen Weg in die Playlist desRadiosenders Bayern 1 gefunden und das bewegende Video dazu ist bereits im Internet auf der Videoplattform Youtube zu sehen.

In letzter Zeit häufen sich die Hiobsbotschaften für Rocker, dass die Gitarre wohl ausgedient hat. Große Hersteller wie Gibson oder PRS haben ernsthafte finanzielle Probleme. Die Rockmusik wurde durch Hip-Hop von Platz 1 der meistverkauften Musik weltweit verdrängt. Was ist deine Meinung dazu?

Sagen wir mal so: Den Beatles wollte man damals keinen Plattenvertrag geben, weil man der Meinung war, dass die große Zeit der Gitarrenbands vorbei ist. In den 90er Jahren wurde der Tod der Gitarre durch Strömungen wie Techno oder House ausgerufen und ich denke, die Geschichte wiederholt sich in dieser Beziehung. Wer selbst Gitarre spielt, der weiß, dass dieses wunderbare Instrument durch nichts zu ersetzen ist. Es verlagert sich gerade Vieles in Richtung akustische Musik. Songwriter wie Ed Sheeran sind sehr populär und die spielen halt keine E-Gitarre, wie die Helden meiner Jugend. Aber mir verdirbt das noch lange nicht die Laune und wenn ich mich danach richten würde, was gerade angesagt ist, oder was der Mehrheit der Leute gefällt, dann könnte ich als Musiker nicht mehr in den Spiegel schauen. Ich liebe halt einfach den schimmernden Klang eines aufgedrehten VOX-Verstärkers in meinen Songs. Gitarren sind mein Leben. Ich will ja auch mit meiner Musik nicht reich werden. Ich habe halt einfach irre Spaß daran, Alben zu produzieren – mit Musikern, die mich selber pushen, damit ich nicht der Gefahr ausgesetzt bin, stehenzubleiben. Stillstand ist der Tod.

Dein letztes Album war thematisch sehr düster, diese EP hat auch eher einen traurigen Hintergrund. Wird das so weitergehen?

Da ich ja mitten im Schreiben von neuen Songs bin, kann ich bestätigen, dass sich meine Stimmung wieder generell aufgehellt hat. Das hängt aber vor allem auch damit zusammen, dass ich wieder aufs Land gezogen bin. Raus aus der Stadt. Das hat ein wenig entschleunigend gewirkt. Es fällt einem wirklich schwer, hier inmitten der wunderschönen Natur den Blues zu haben. Ich arbeite also an etwas „sonnigerem“ Material und das macht auch Spaß. Das hat nichts damit zu tun, dass ich die negativen Seiten verdrängen möchte. Wir leben in einer Welt, die sich ändern muss, denn sonst werden nachfolgende Generationen dafür schwer bezahlen. In erster Linie müssen wir uns selbst ändern, mit Ressourcen sinnvoller umgehen, Verständnis für andere haben, vielfältige Meinungen zulassen, uns weiterentwickeln und den Willen haben, Sachen zu verbessern, statt sich ständig darüber zu ärgern, warum nicht alles so schön sein kann wie früher.

Hast du noch abschließende Worte für unsere Leser?

Ich habe einen Veranstaltungstipp: Am 18. Mai werde ich zusammen mit dem großartigen spanischen Bluesgitarristen Javier Vargas im L.A. Cham spielen. Als Special Guest kommt an diesem Abend John Byron Jagger, der Neffe von Mick Jagger. Ich werde meine Electric Band dabei haben und freue mich schon gewaltig darauf. Da habe ich natürlich auch meine neue EP dabei. Die physischen Exemplare davon sind limitiert. Also schlagt zu, solange der Vorrat reicht.

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