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Jubiläum

Tiefe Einblicke in Pharmazie

Die Marien-Apotheke Neukirchen b. Hl. Blut feierte ihr Bestehen seit 151 Jahren. Auch der historische Keller öffnete sich.
von Helga Brandl

  • Bernhard Kram begeisterte mit dem Salben-Workshop. Foto: Helga Brandl
  • Die Kunstschule Cham war im Kreativprogramm integriert. Foto: Helga Brandl

Neukirchen b Hl Blut.Grund zum Feiern gab es anlässlich des Jubiläums „151 Jahre Marien-Apotheke“ gleich an drei Tagen. Die Apothekerfamilie Kram tüftelte im Vorfeld ein ansprechendes Programm mit Esprit, Informationen, Workshop, Unterhaltung und Verkostung aus, um ein möglichst breites Publikum anzusprechen und ihre Freude mit allen zu teilen. Am Mittwochnachmittag läutete ein informativer Kräutertag im Klostergarten der Franziskaner den Beginn des Jubiläums ein.

Herrliches Spätsommerwetter begleitete die rund 60 Teilnehmer bei der Führung durch den Apothekergarten, die Seniorchef Dr. Gerhard Kram und sein Sohn Bernhard lebendig und anschaulich gestalteten. Die Besucher erfuhren Wissenswertes über die heimischen Heilpflanzen und deren Haupt-Indikationen, stellten Fragen an die beiden Pharmazeuten, schätzten eine Verkostung verschiedener Arzneitees und nutzten die Möglichkeit, vorzugsweise Proben vom Magen-Darm-Tee, Stress-Tee und Erkältungstee mit nach Hause zu nehmen.

Zuspruch beim Salbenseminar

Das Salbenseminar unter dem Motto „Anmischen eigener Salben im historischen Apothekenkeller und Führung durch die Salbenlabore“ fand am Freitagabend mit mehr als 60 Anmeldungen unerwartet großen Zuspruch. Da jedoch die Platzkapazitäten nicht ausreichten, entschied sich die Apothekerfamilie Kram, zu einem späteren Zeitpunkt die Seminare nochmals in zusätzlichen Terminen anzubieten. Gut verständlich informierte Bernhard Kram erst über die Grundlagen der Salbenherstellung, ehe die Teilnehmer die dazugehörigen Rohstoffe kennenlernten.

Unter seiner Anweisung durfte jeder an einem eigenen Arbeitsplatz eine Erkältungssalbe herstellen. Anschließend mischten die Probanden eine individuelle Creme für trockene Haut mit unterschiedlichen Pflanzenextrakten und eigener Duftstoffmischung zusammen. Hierbei konnte jedermann verschiedene Duftmuster mit ätherischen Ölen nach persönlichen Vorlieben selber aussuchen. Nachdem die fertige Creme abgefüllt und etikettiert war, durfte sie mit nach Hause genommen werden. Ein Blick hinter die Kulissen zeigte den erstaunten Gästen, wie Salben im großen Maßstab in der Marienapotheke hergestellt werden.

Zum Abschluss des Jubiläumsfestes stand am Samstagnachmittag ein interessanter Vortrag zu „Haut und Neurodermitis“ von Dr. Dominic Kram im historischen Apothekenkeller auf dem Programm. Sein Steckenpferd ist die Behandlung von Neurodermitis ohne Kortison, wobei er in seinem Referat die Querverbindungen mit den pflanzlichen Hilfsmitteln in Bezug setzte.

Dabei inspirieren ihn die Pflanzen, wie sein Vater Gerhard sie im Klostergarten erklärte, oder Hibiskus, für den sein Bruder Bernhard ein Faible zeigt. Aus allen einheimischen Heilpflanzen lassen sich klasse pflanzliche Extrakte herstellen, weiß der engagierte junge Apotheker, der den Zuhörern wichtige Details über eine Palette „vom Johanniskraut bis zum Hanf“ aufzeigte, die als Heilkräuter zurzeit fast eine Modewelle darstellen. Die Teilnehmer erfuhren, dass die Cremebasis bei Neurodermitis auf den Hautzustand abgestimmt werden muss und worauf es dabei ankommt.

Dr. Dominic Kram gab den Zuhörern zudem Pflegetipps und eine „to-do-Liste“, was man bei Neurodermitis vermeiden solle. Dabei gestaltete sich der Vortrag durch treffende Ausflüge ins Internet sehr lebendig. Damit wollte der Referent aufzeigen, dass Fachkompetenz unumgänglich sei, um die Beiträge zu reflektieren. Ja und Nein zu „Doktor Google“, denn nicht alles aus dem Internet lasse sich in Kontext bringen.

Verzicht auf Lebensstandard?

Für Erheiterung sorgte die Ansicht mit dem Bild eines Neandertalers, dessen Aussagekraft aber auch zum Nachdenken anregte. Die Aussage, dass der liebe Gott uns Menschen mit allem ausgestattet hat, stimme zwar, aber dann müsse man auf den kompletten Lebensstandard verzichten – und wer möchte das schon?

Daher galt es aufzuklären, wie wir Informationen aus dem Internet zu beurteilen haben, denn Schwarz-Weiß gibt es nie. „Es ist immer ein Zwischending“, nennt es der Pharmazeut und weiß, dass auch bei Kortison die Wahrheit in der Mitte liegt.

Für akute Situationen wie Insektenstiche mit allergischen Reaktionen könne Kortison Leben retten. Bei Neurodermitis beispielsweise kann es bei langer Anwendung jedoch Schaden anrichten. „Gott sei Dank gibt es dafür Alternativen“, bekräftigt Dr. Kram, der die „sanfte Tour“ bevorzugt.

Im Anschluss an den Vortrag konnten die Zuhörer einen Blick in die Produktionsstätten der Marien-Apotheke werfen und auch das beachtliche Salbenlabor besichtigen, ehe der historische Apothekenkeller beim „Tag der offenen Tür“ für die Öffentlichkeit zugänglich war. Dies nutzten alle Altersgruppen, Einheimische und Feriengäste sowie Kollegen aus der Fachwelt.

Ein bunt gemischtes Publikum amüsierte sich bei Grillspezialitäten und leckerem Naschwerk, während die „Rittsteiger Lumpen“ für die musikalische Unterhaltung sorgten. Besonders ansprechend war das Kreativprogramm für Kinder der Kunstschule Cham, wobei sich der Nachwuchs auch beim Kinderschminken oder in der großen Hüpfburg beschäftigen konnte. Der Erlös der Jubiläums-Party geht an den Kindergarten in Neukirchen b. Hl. Blut.

Salben mischen

  • Arznei:

    Unter der Anleitung des Apothekers durfte jeder an einem eigenen Arbeitsplatz eine Erkältungssalbe herstellen. Anschließend mischten die Probanden eine individuelle Creme für trockene Haut. Hierbei konnte jedermann verschiedene Duftmuster mit ätherischen Ölen nach persönlichen Vorlieben selber aussuchen. (kbr)

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