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Geschichte

Tränen auch 30 Jahre danach

Bei den Wahl-Waldmünchnern Kristina und Jürgen Brandt kommen nach Mauerfall immer noch die Emotionen hoch.

Kristina und Jürgen Brandt  Foto: Susanne Nock
Kristina und Jürgen Brandt Foto: Susanne Nock

Waldmünchen.Zu einem Filmabend zum Jubiläum „30 Jahre Mauerfall“ hat die Vhs Waldmünchen-Rötz am Samstagabend ins Mehrgenerationenhaus in Waldmünchen eingeladen. Gezeigt wurde der Film „Ballon“, der von Michael Bully Herbig produziert wurde.

Die Geschichte über die beiden Familien Strelzyk und Wetzel, die mit fast unmenschlicher Anstrengung die Flucht mit einem selbstgebauten Heißluftballon über die ehemalige innerdeutsche Grenze wagten, ließ den zahlreichen Besuchern schier den Atem stocken. Die wahnsinnige Angst vor der Stasi, die den Familien immer dicht auf den Fersen war, war im Film hautnah zu spüren, und so wurde der Film gebannt verfolgt und danach noch rege darüber diskutiert.

Besonders interessant waren die Schilderungen der Zuschauer Kristina und Jürgen Brandt, die bis 1989 in Dresden gelebt hatten. Die beiden waren nach dem Film sichtlich gerührt und konnten die Gefühle der im Film gezeigten Familien absolut nachvollziehen.

Jürgen Brandt und seine Familie hatten im Oktober 1989 eigentlich schon die Zusage für eine geregelte Ausreise in den Westen in der Tasche, die Wohnung war schon aufgelöst, die Koffer gepackt – und dann wurde die Zusage zurückgenommen. Jürgen Brandt machte sich auf nach Prag, kämpfte sich durch Unmengen von Menschen in die Botschaft. Er erzählte von hilfsbereiten Tschechen, vom liegengebliebenen Auto und davon, dass er sogar im Fernsehen zu sehen war, als er mit dem Botschafter durch die Tür ging. Seine Frau Kristina bekam das ganze Chaos in Dresden hautnah mit und berichtete von brennenden Straßenbahnen, von Wasserwerfern, vom Gebet in der Kirche und der Angst um die Zukunft der drei gemeinsamen Kinder.

Am 9. November 1989 waren sie bei Nachbarn und bekamen über das TV-Gerät mit: „Wir sind frei“. Als Kristina Brandt das erzählte, kamen gleich wieder die Tränen. Am 11. November ging es dann mit Kindern und Katze nach Darmstadt, wo eine Cousine eine Wohnung besorgt hatte. „Wir hatten einen Koffer mit Unterwäsche dabei und fingen bei Null an“, berichtete Jürgen Brandt. Schlimm war für sie der Abschied von ihren Eltern und Geschwistern – sie wussten ja nicht, ob sie jemals wieder in die DDR zurückkehren konnten, um sie zu sehen.

Heute ist das Ehepaar glücklich, in Waldmünchen zu sein. Ihre drei Kinder sind mittlerweile wieder in der früheren Heimat, und die Brandts begeistert von den „freundlichen Waldmünchnern“, die den Ausschlag für ihren Zuzug gaben. Ihre Stasi-Akten haben sie mittlerweile auch eingesehen und waren geschockt, als sie von Mitschnitten über Telefonate erfuhren, oder als Kristina Brandt las, dass ihr Ausbilder sie bespitzelte. Einen Groll hat sie aber nicht, sie weiß, dass auch er dazu gezwungen wurde. Der 9. November ist für die beiden ein Feiertag und zum 30. Jubiläum ein ganz besonders emotionaler. (wsi)

Die Familie Brandt

  • Stationen:

    Zunächst kamen die Brandts in Darmstadt unter. Heute sind sie glücklich, in Waldmünchen zu leben.

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