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Menschen

Trenck: Kathis Ära endet bald

Christina Schneider muss nach fünf Jahren im Waldmünchner Festspiel aufhören. Eine zeit, die sie nie vergessen wird.
Von Petra Schoplocher

Nicht ohne diese Haarklammern... Christina Schneider hält die Haarspangen, die ihr Angelika Bauer geschenkt hat, in Ehren. So langsam aber kommt der Abschiedsschmerz, die Zeit als Kathi ist bald vorbei. Fotos: Schoplocher
Nicht ohne diese Haarklammern... Christina Schneider hält die Haarspangen, die ihr Angelika Bauer geschenkt hat, in Ehren. So langsam aber kommt der Abschiedsschmerz, die Zeit als Kathi ist bald vorbei. Fotos: Schoplocher

Waldmünchen.Einen ernsthaften Gedanken mag Christina Schneider immer noch nicht verschwenden. Noch drei Mal. Nur noch drei Mal den Trenck aus seiner unheilbaren Bahn reißen. Drei Mal dem verhafteten Panduren hinterher weinen, drei Mal den Applaus des Publikums genießen. „Aber ich muss wohl...“, sagt die 22-Jährige schwermütig.

Man muss in diesen Moment nicht einmal in Christina Schneiders Augen blicken, um zu spüren, wie gerne sie „Kathi“ war. Ein Kindheitstraum, natürlich, „aber dass es mir dann das Spielen so gut gefällt, hätte ich nicht gedacht.“ So ist sie vor ihrem Auftritt am heutigen Samstag hin- und hergerissen zwischen der (Vor)Freude, dass sie auf die Bühne darf und dem Bewusstsein, dass „der Tag x bald kommt“ – die weiblichen Sprechrollen sind auf fünf Jahre beschränkt.

Bereits die Premiere am 14. Juli stand im Schatten des Abschieds. Mama Andrea konnte ihre Tochter irgendwann nur noch mit einem liebevollen „Geh’ heim und leg’ dich hin“, beruhigen. „Stimmt schon, ich was so nervös, ich bin nur rumgesprungen“, verrät die 22-jährige Bankkauffrau. Auch beim Empfang wurde es nicht besser, vor allem, als die Liste der Ehrengäste immer länger wurde. „Da willst du schließlich eine Leistung zeigen“, beschreibt sie ihr Gefühlsleben.

Verbindung: Zu Werner Zellmer ist die Verbindung besonders. Sie starteten gemeinsam ins Trenck-Abenteuer.
Verbindung: Zu Werner Zellmer ist die Verbindung besonders. Sie starteten gemeinsam ins Trenck-Abenteuer.

Eine ausgesprochene Lieblingsszene im Festspiel hat sie nicht, aber die Passagen, in denen sie „ihren“ Trenck wütend anschreien kann („Nein, niemals, nie! Lieber will ich tot sein als in Eurer Hand!“) liegen ihr besonders. Was sie bisher nicht herausgefunden hat: Wie sie es immer wieder schafft, dem Trenck nach dessen Verhaftung echte Tränen nachzuweinen. Dieser letzte Auftritt sei schwierig, weil sie innerhalb kürzester Zeit von Wut auf Trauer umschalten müsse, erzählt die Untergrafenriederin.

Bildergalerie Trenck Festspiele 2018

Gänsehaut beim Herold-Epilog

Während das „nur“ beim Publikum Gefühle auslöst, schafft es der Herold mit seinem Epilog immer wieder aufs Neue, bei Christina Schwab Gänsehaut zu erzeugen. „Du Schwabenkathi hör...“. Seine letzten Worte hat sie sich in ihrer Wohnung an die Wand malen lassen. „Das ist was für’s Leben“, sagt sie mit Nachdruck.

Applaus: Am 14. August darf sich Kathi beim letzten Saisonspiel das letzte Mal vom Publikum feiern lassen.
Applaus: Am 14. August darf sich Kathi beim letzten Saisonspiel das letzte Mal vom Publikum feiern lassen.

Ihres ohne Kathi sieht erst einmal ein ruhiges Festspieljahr 2019 vor. Als Reitermädchen wird sie gerne dabei sein, andererseits freut sie sich auf einen Sommer ohne Verpflichtungen. Denn neben Proben und Aufführungen gehören zur „Kathi-Rolle“ auch zahlreiche repräsentative Termine für Stadt und Trenckverein. Der schönste? „Schwer zu sagen, ich habe viele tolle Menschen getroffen“. Dann fällt ihr das 2015erSchirmherrnbitten ein, inklusive Filmdreh in der Rhanerbrauerei. „Das war cool“, grinst sie.

„Was mir als Erstes zu Christina einfällt? Ganz klar ihr Perfektionismus!“

Werner Zellmer, Trenck

Wer nun denkt, das Herausfordernste an der Rolle seien einzelne Szenen oder der Monolog am Kreuz, irrt. Zumindest in Christina Schneiders Welt. Das Umziehen zwischen dem Abritt nach Böhmen und der Rückkehr nach Waldmünchen sei Stress, denn es bleibt kaum Zeit für den Kostümwechsel. Sie wird vom Pferd gehoben, und rennt, so schnell es geht, ins Häusl zum Umziehen (wo dann rein zufällig ein paar Panduren vorbeikommen). Dort warten drei Frauen, „alleine wäre das nicht zu schaffen“. Wie o manches, ergänzt sie, dass zwar eine die Kathi spielt, aber viele dahinterstehen. Dankbar ist Schneider nicht nur für die Erfüllung ihres Kindheitstraums – den sie ganz offensiv angegangen ist und sich beim Sprecherworkshop nach Tanja Weichselmanns Abschied „bewarb“.

Wiederbelebte Pferdeliebe

Tierfreundin: Ein Herz für Pferde und die Familienhunde Mimi und Emma sowie Freund-Hund Snert
Tierfreundin: Ein Herz für Pferde und die Familienhunde Mimi und Emma sowie Freund-Hund Snert

Die Rolle habe sie auch zum Reiten zurückgebracht. „Ich war schon immer ein Pferdenarr!“, gibt die 22-Jährige zu. In der sechsten Klasse allerdings wurde ihr das Hobby zuviel, erst mit Zusage für die Hauptrolle schwang sie sich wieder in den Sattel – „ein Glück!“. Das im Schnitt zweimalige wöchentliche Reiten möchte sie nicht missen – wie auch nicht die Zeit in der Natur. „Fernsehen gibt’s im Sommer fast gar nicht“, weil zu Allem auch Mithilfe am elterlichen Hof gefragt ist. Da werde ein Jahr durchschnaufen guttun, meint sie, dann kommt sicher – offen, wie sie ist – „was Neues“.

Als Kathi habe sie – im Wissen, eine gute vor sich (Weichselmann) und eine gute neben sich (Angelika Bauer) zu haben – vom ersten Moment an versucht, ihren Stil zu entwickeln, abkupfern wäre ihr Ding ohnehin nicht (gewesen). So richtig „drin“ in der Rolle fühlt sie sich erst seit einer Hand voll Aufführungen. Vielleicht ist es wirklich so, wie ihr „Trenck“ Michael Aumann mal gesagt habe: Wenn du selber merkst, dass es gut ist, solltest du aufhören. Und es ist gut, sagt ihr Gefühl. Wenn da nicht nur dieser verflixte Abschiedsschmerz wäre...

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