MyMz
Anzeige

Festspiel

Trenckfestspiel feiert 70. Geburtstag

In Waldmünchen lud die Trenckfamilie zum Festakt. Eine große Würdigung bekam das Stück vom Bezirksheimatpfleger.
Von Petra Schoplocher

70 Jahre Trenckverein, 70 Jahre Mitgliedschaft: Für Festspielpräsident Franz Löffler (rechts) hätte es keinen besseren Rahmen geben können als den Festabend, um Christl Herbrich zum Ehrenmitglied zu ernennen. Mit ihr freuten sich die Vorsitzenden Martin Frank (Mitte) und Andreas Eisenhart. Foto: Schoplocher
70 Jahre Trenckverein, 70 Jahre Mitgliedschaft: Für Festspielpräsident Franz Löffler (rechts) hätte es keinen besseren Rahmen geben können als den Festabend, um Christl Herbrich zum Ehrenmitglied zu ernennen. Mit ihr freuten sich die Vorsitzenden Martin Frank (Mitte) und Andreas Eisenhart. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Das Trenckfestspiel mag im Laufe seiner nunmehr 70 Jahre schon viele Bezeichnungen erfahren und Prädikate verliehen bekommen haben. Seit Samstag wissen wir aus berufenem Munde: Es ist ein Schatz. Ein Schatz, der nicht nur im Ganzen ein Schatz ist, sondern sich zusammensetzt aus vielen kleinen Schätzen und Kostbarkeiten. Wertvollen Mosaiksteinen, die am Ehrenabend zu sehen und zu spüren waren.

Den großen Schatz zutage förderte Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl, dessen Festrede einer der Höhepunkte eines glanzvollen Abends war. Einer, an dem einfach alles passte: Die festlich geschmückte TV-Halle - stilecht mit Requisiten und Kostümen sowie historischen Stichen an den Wänden - ebenso wie die Stimmung der rund 200 Besucher.

Die Fanfarenbläser würdigten den Anlass mit einem Aufzug in den drei verschiedenen Gewändern. Foto: Schoplocher
Die Fanfarenbläser würdigten den Anlass mit einem Aufzug in den drei verschiedenen Gewändern. Foto: Schoplocher

Der perfekte Rahmen, sich vor all denen zu verneigen, die „Trenck, der Pandur vor Waldmünchen“ über Jahre und Jahrzehnte hinweg zu eben jenem Schatz gemacht haben. Für den Verein, aber auch für die Stadt und die Region. Einer von ihnen: Gründungsmitglied Christl Herbrich, die unter langanhaltendem Beifall zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Der Treck ist identitätsstiftend

Hielt eine fesselnde Rede: Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl Foto: Schoplocher
Hielt eine fesselnde Rede: Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl Foto: Schoplocher

Auf ganz eigene Weise kam sogar Senator Heinrich Eiber ins Spiel. Der hatte nämlich bei seiner Rede als damaliger Festspielpräsident zu „50 Jahren Festspiel“ augenzwinkernd verlauten lassen, dass den Festvortrag eigentlich ein Geschichtsprofessor, ein Minister(präsident) oder der Bezirksheimatpfleger halten müsse.

So stand er da, Dr. Tobias Appl, und gab in Originalworten aus dem Stück zu, dass er „erst wieder gut schlafen kann, wenn er weg ist, der Trenck-(Vortrag)“. Appl begeisterte mit seinen humorvollen Hinweisen ebenso wie mit seinem historischen Wissen und der Analyse, warum das Festspiel „bis heute nichts an Energie verloren hat“.

Das Publikum dankte mit lang anhaltendem, herzlichem Beifall, Vorstandsmitglied Julia Bacherl mit einem Geschenk. Foto: Schoplocher
Das Publikum dankte mit lang anhaltendem, herzlichem Beifall, Vorstandsmitglied Julia Bacherl mit einem Geschenk. Foto: Schoplocher

Das sei zum einen das Stück selbst, dessen Handlung fessele und das alle menschlichen Gefühlszustände aufgreife. Die Bühne würde man „neudeutsch“ als Top-Location bezeichnen, Pferde und echte Fackeln versprühten große Intensität. Zum Erfolg trage auch die Kombination zwischen Tourismus und Kultur bei, der Treck sei zudem identitätsstiftend.

Ehrung für Christl Herbrich

  • Werdegang:

    „Einmalig“, kommentierte Landrat und Festspielpräsident Franz Löffler das Engagement von Christl Herbrich. Seit 1950 ist sie ununterbrochen dabei, begann als Sechsjährige im Volk. Später spielte sie die Mariuzza und war sich nicht zu schade als Platzeinweiserin. Bis heute ist sie im Verkaufsstand zu finden.

  • Rückhalt:

    Ihr Mann Heinz war 27 Jahre Spielleiter. 27 Jahre, in denen sie sein Engagement stärkte und ihm den Rücken frei hielt. „Du hast dazu beigetragen, das Spiel stabil und großartig zu halten“, lobte Löffler. Dafür sei der Verein mit großer Dankbarkeit erfüllt.

  • Würdigung:

    „Wir haben unwahrscheinliches Glück, so einen Menschen bei uns zu haben“, betonte der Festsspielpräsident, als er Christl Herbrich auf die Bühne bat. Die Trenckfamilie bestätigte diese Aussage mit langanhaltendem, warmem Beifall.

„Wenn man in Ostbayern von der Trenckstadt spricht, weiß jeder, dass Waldmünchen gemeint ist“, ist Appl überzeugt. Die feste Verankerung des Festspiels in der Bürgerschaft sei ein weiterer Faktor, der bedeutendste aber das Engagement der Frauen und Männer, die sich mit größter Leidenschaft einbringen. Sie erscheinen als leistungsfähiges, starkes Kollektiv und seien der beste Beweis, dass kulturell Hochwertiges „auf dem flachen Land“ möglich sei.

Der Trenck schenkt ein: Werner Zellmer erfüllte nur allzu gerne die Wünsche der Gäste. Foto: Schoplocher
Der Trenck schenkt ein: Werner Zellmer erfüllte nur allzu gerne die Wünsche der Gäste. Foto: Schoplocher

Freilichttheater sei ein wunderbarer Gegenpol zur Digitalisierung, weil der Zuschauer Teil des Ereignisses werde und sich die Energie von der Bühne auf das Publikum übertrage. Zudem könne die Pflege des historischen Erbes der Region gar nicht hoch genug geschätzt werden, betonte der Heimatpfleger.

Appl wünschte, dass sich wie in den vergangenen Jahrzehnten jede Generation die Aufgabe Festspiel zu ihrer eigenen mache. Ehrliche Debatten und kleine Verbesserungen würden das Stück nicht nur lebendig halten, sondern dazu beitragen, dass der Schatz noch ein wenig mehr strahlen und glänzen werde.

Was die Trenckstadt ausmacht

Sepp Liegl hatte sich wahnsinnige Mühe gemacht und aus 40 Jahren Festspiel einen „Best of“-Film zusammengeschnitten. Die Trenckfamilie war begeistert, bewegt und lachte Tränen. Foto: Schoplocher
Sepp Liegl hatte sich wahnsinnige Mühe gemacht und aus 40 Jahren Festspiel einen „Best of“-Film zusammengeschnitten. Die Trenckfamilie war begeistert, bewegt und lachte Tränen. Foto: Schoplocher

Zweimal an diesem Abend wurde den Trenckianern bewusst, wie viele der Altvorderen schon nicht mehr da sind. Im Gottesdienst, mit dem der Verein laut Martin Frank ganz bewusst den Jubiläumsabend beginnen wollte, und auch in den Filmszenen von Sepp Liegl.

Abschluss

Eine Trenck-Saison zum Strahlen

Die 70. Spielzeit in Waldmünchen endete würdig mit einem Trenckkranzl. Dort wurde auch das Schirmherrnduo 2020 vorgestellt.

Dieser hatte sich in unglaublicher Kleinarbeit 40 Jahre Festspiele angesehen und einen Film „Best of“ zusammengeschnitten. Was das Publikum da zu sehen bekam, waren Raritäten, die zum Lachen animierten - aber eben auch zum Nachdenken. Liegls Produktion ist gleichermaßen ein Schatz, für viele (der Jüngeren) waren Szenenanordnungen, Kostüme oder auch das Sich-Geben der Darsteller eine Offenbarung.

Vorgeschmack auf ein besonderes Geburtstagsgeschenk: Bürgermeister Markus Ackermann hatte die Miniaturausgabe des Gemäldes von Künstlerin Gertraud Kilgert dabei. Noch hängt es im Museum, aber bald beim Trenckverein. Foto: Schoplocher
Vorgeschmack auf ein besonderes Geburtstagsgeschenk: Bürgermeister Markus Ackermann hatte die Miniaturausgabe des Gemäldes von Künstlerin Gertraud Kilgert dabei. Noch hängt es im Museum, aber bald beim Trenckverein. Foto: Schoplocher

Bürgermeister Markus Ackermann war voll Lob und Dankbarkeit: „Ihr formt die Marke ,Trenckstadt‘“. Eine weitere Meisterleistung des Vereins seien die spektakulären Aktionen sowie die vielen Veranstaltungen, die das gesellschaftliche Leben der Stadt prägten. „Da ist es als Bürgermeister leicht, mit stolzgeschwellter Brust auf der Bühne zu stehen.“

Auf dein Wohl, Festspiel! Nicht nur hier wurde deutlich, was Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl mit „Generationenprojekt“ meinte. Foto: Schoplocher
Auf dein Wohl, Festspiel! Nicht nur hier wurde deutlich, was Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl mit „Generationenprojekt“ meinte. Foto: Schoplocher

Die beste Außenwirkung, die Markus Ackermann bescheinigte, ergänzte Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler um die Feststellung, dass das Image „Waldmünchen = Trenck“ mit Geld nicht aufzuwiegen sei.

Nach all dem, was er im Laufe des Abends gesehen und gehört habe, werde man ganz demütig, weil einem bewusst werde, was hinter den Festspielen stecke. „Das Festspiel ist nicht gestern, sondern auch heute. Und an uns liegt das Morgen.“

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über den Facebook Messenger, Telegram und Notify direkt auf das Smartphone

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht