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„Trotzbaum“ statt Maibaum

Alle Maifeste mussten in diesem Jahr abgesagt werden. Eine Familie aus Niederrunding hat trotzdem die Tradition bewahrt.
Von Heidi Meier

Die jüngsten Familienmitglieder, Julia und Ronja, halfen begeistert beim Schmücken. Foto: Andreas Bauer
Die jüngsten Familienmitglieder, Julia und Ronja, halfen begeistert beim Schmücken. Foto: Andreas Bauer

Runding.Eigentlich hätten der Donnerstag und Freitag in vielen Orten Bayerns ganz im Zeichen der Tradition des Maibaumaufstellens stehen sollen.

Doch in Zeiten von Corona ist auch im Freistaat alles anders. Ausgangsbeschränkung und Kontaktverbot haben den schönen Brauch in diesem Jahr verhindert. Doch die Niederrundinger müssen trotzdem nicht auf ihren Maibaum verzichten. Das haben sie der Familie Bauer zu verdanken.

Für die Dorfbewohner bietet die Aktion etwas Normalität. Foto: Heidi Meier
Für die Dorfbewohner bietet die Aktion etwas Normalität. Foto: Heidi Meier

Für gewöhnlich hätte sich die Dorfgemeinschaft am Donnerstagabend getroffen. Gemeinsam hätte man den geschmückten Baum –nur mit Muskelkraft – in die Höhe gehievt. Bei einer Verlosung wäre dann der Gewinner des Maibaums ermittelt worden, die Kinder hätten sich in der Hüpfburg vergnügt, im Feuerwehrhaus wäre gefeiert worden und die Jugend hätte bis in die Morgenstunden am Lagerfeuer Nachtwache gehalten.

Das Anwesen der Familie Bauer grenzt an den Gemeindegrund, auf dem der Baum normalerweise steht. Die „Lutz´n“, so ihr Hausname, sind bekannt für ihr Engagement in der Dorfgemeinschaft und der örtlichen Feuerwehr. Andreas Bauer ist zweiter Kommandant, seine Frau Margarete Schriftführerin und Vater Ludwig Bauer wirkte oft im Festausschuss mit. Ihre Halle, in der Gemeinde als „Lutz´n-Halle“ bekannt, stellten sie immer wieder als Veranstaltungsort zur Verfügung.

Anpassung

Corona bricht mit Chamer Mai-Traditionen

Ob Maibaum, Maikundgebung oder Freinachtsbräuche: Der Feiertag wird im Landkreis Cham dieses Jahr ziemlich anders als sonst.

Für Andreas Bauer war schon zu Beginn der Corona-Krise klar: „Wenn es tatsächlich soweit kommt, dass kein Maibaum aufgestellt werden kann, dann stellen wir eben auf unserem Grund selber einen auf, trotz Corona – eben einen „Corona-Trotzbaum“. Drei Generationen leben bei den Bauers unter einem Dach. Sie alle halfen am Mittwoch, als die 12,60 Meter lange Fichte aus dem eigenen Wald geschmückt wurde.

Allen voran hatten die jüngsten Familienmitglieder ihre Freude: Ronja ist sechs Jahre und ihre Schwester Julia vier Jahre alt. Die ganze Aktion bot für die beiden Mädchen, die ihre Freunde im Kindergarten schon seit Wochen nicht besuchen durften, ein wenig Abwechslung. Der Gipfel des Baumes wurde von ihnen mit weißen und blauen Bändern verziert, außerdem wurde der traditionelle Kranz angebracht.

Hintergrund

  • Idee

    : Der Baum soll vor allem als Zeichen der Hoffnung gelten – schon bald werde wieder zusammen gefeiert. Bis dahin soll der Baum all die erfreuen, die gerne bei dem Fest zum 1. Mai dabei gewesen wären.

  • Baum

    : Der „Trotzbaum“ wurde von Familie Bauer aus Niederrunding eigenhändig auf ihrem Grundstück aufgestellt. Dabei haben drei Generationen geholfen, die 12,60 Meter hohe Fichte aus dem eigenen Wald zu holen, zu bearbeiten, zu schmücken und schließlich aufzustellen.

Derweil musste ein metertiefes Loch auf dem Grund der Familie, unweit des gewöhnlichen Standortes des Niederrundinger Maibaumes, gegraben werden. Ganze zwei Stunden war Andreas Bauer mit dem Handbagger zu Gange, um einen sicheren Stand des Baumes zu gewährleisten.

Da aufgrund der Sicherheitsbestimmungen niemand außer der Familie mithelfen durfte, wurde die Fichte mittels eines Rückewagens aufgestellt und erfreut seitdem nicht nur die Niederrundinger. Von überall her ernten die „Lutz´n“ für ihre Aktion begeisterten Zuspruch, auch wenn dieser momentan nur virtuell übermittelt werden kann.

So grüßt nun der „Corona-Trotzbaum“ alle Passanten in Niederrunding und soll auch als Zeichen der Hoffnung dafür stehen, dass es irgendwann eine Zeit geben wird, in der man bayrische Traditionen wieder gemeinsam mit Freunden und Bekannten ausleben kann – ganz ohne Abstandsvorschriften. Etwas, das viele in den letzten Jahren als selbstverständlich erachteten und künftig vielleicht umso mehr wertschätzen werden.

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