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Tschechische Jäger fordern Schutzzone

Erhard Hauptvogel, der Vorsitzende der Kreisgruppe Furth im Wald im Landesjagdverband (stehend) hatte das Treffen organisiert

Furth im Wald. Von der viel gepriesenen „Deutschen Waidgerechtigkeit“ herzlich wenig halten die Jäger im Nachbarland Tschechien. Ihre Vorwürfe: Die deutschen Kollegen locken das Wild durch Kirrungen unmittelbar an der Grenze in den Westen, um dort „alles gnadenlos abzuschießen!“

Offensichtlich ist nun das Maß voll. Die tschechischen Jäger haben bereits die zuständigen Behörden und Miniserien eingeschaltet. Vor diesem Hintergrund unternahm die Kreisgruppe Furth im Wald im Landesjagdverband einen Vorstoß, um beim direkten Gespräch eine Annäherung und Lösungsmöglichkeiten zu finden. Deshalb trafen sich die Waidmänner beiderseits der Grenze beim Müllner-Wirt in Folmava. Mit dabei auch die Bürgermeister Miroslav Mach aus Domazlice und Johannes Müller aus Furth.

Die tschechischen Jäger wollen nicht mehr länger zusehen, wie ihnen das Wild unmittelbar an der Staatsgrenze vor der Nase weggeschossen wird. Sie fordern deshalb eine rund 100 bis 300 Meter breite „jagdfreie Zone“ auf der deutschen Seite.

Ein für die deutschen Jäger nicht hinnehmbarer Vorschlag. Sie seien nämlich gesetzlich verpflichtet, Wildschäden für ihr gesamtes Revier zu ersetzen.Ein Gedanke, wie anlasslich des Treffens festzustellen war, der bereits vor Wochen sowohl auf tschechischer, als auch auf deutscher Seite auf ministerialer und Landkreisebene (Untere Jagdbehörden) angekommen ist und dort behandelt wird. Auch der Bayerische Jagdverband ist bereits in der Sache involviert.zu begleichen. „Schäden von mehreren tausend Euro seien hier durchaus möglich“, beklagte ein deutscher Revierpächter. Als Folge davon wären die Reviere nur noch schwer oder nur noch an finanzkräftige Grünröcke zu verpachten.Darum machten die Further Jäger, bevor das Kind in den Brunnen fällt, jetzt den Vorstoß dieses Problem auf der so genannten Arbeitsebene zu diskutieren, zu regeln und wenn möglich, zu einem einvernehmlichen und praktikablen Abschluss zu bringen.Nach dem obligatorischen Austausch von Hötlichkeitstloskel durch den Leitenden Forstdirektor Jan Benda den Bürgermeistern, den Vorsitzenden der Kreisgruppen und der einhelligen Feststellung, dass Jagd kein Hobby, sondern aktiver Naturschutz sei; Jagd nicht nur das Todschiessen von Wildtieren beinhalte, sondern das der weitaus größere Umfang der jägerischen Tätigkeit aus der Hege und Pflege des ihm anvertrauten Wildes bestehe.

Die Jäger in Form finanzieller und materieller Aufwendungen für Wild und Natur einen hohen Beitrag zum Allgemeinwohl leisten. Hochwertige Lebensmittel in Form von Wildbret in Umlauf bringen und letztlich durch ihre Tätigkeit den Kindern eine artenreiche und gesunde Fauna und Flora erhalten, so Bürgermeister Müller, kam man schnell auf das eigentliche Thema der Versammlung, das da lautete:„Unwaidinännisches Verhalten auf Deutscher Seite“ und daher die Forderung nach Einrichtung einer Schutzzone, wie sie in Tschechien zwischen den einzelnen Revieren üblich sei, zu sprechen.Man glaube aufgrund langjährigcr Erfahrungen, der langen, gemeinsamen Jagdgrenze zu Deutschland, nicht, dass sich in Zukunft etwas am Verhalten der Deutschen ändern werde. Das Ganze daher einer Regelung bedarf die auf höherer Ebene entschieden werden muss. Man sehe in dem heutigen Treffen einen ersten Schritt in die richtige Richtung, um hier eventuelle sofort Abhilfe schaffen zu können, baue aber letztlich auf die möglichen Gesetzesänderungen.Diese Aussagen riefen auf deutscher Seite Betroffenheit, aber auch heftigen Widerspruch hervor. Betroffene Revierinhaber und Hegeringleiter auf deutscher Seite wiesen die Vorwürfe auf das Schärfste zurück, räumten aber auch ein, dass es zu solchen Vorkommnissen, wie sie die tschechischen Jäger beklagen, gekommen sein kann.

Anhand einer Revierkarte, konnten dann im Detail Ross und Reiter genannt werden, Verfehlungen und Übergriffe angesprochen und falls möglich der Versuch unternommen werden diese sofort abzustellen.

Man tauschte Visitenkarten und Telefonnummern aus und vereinbarte künftig enger zusammenzuarbeiten. Verstöße gegen die Waidgerechtigkeit und Jagdethik im eigenen Bereich unmittelbar anzuzeigen und zu ahnden.

Nachdem sich die Wogen, die zum Teil hoch schlugen, wieder etwas geglättet hatten, gab der Kreisgruppenvorsitzende der Domazlicer Jägerschaft und der Leiter der Unteren Jagdbehörde einen Abriss über die Tätigkeit ihrer Jäger/Behörde. In diesem Zusammenhang wurde auch darauf hingewiesen, dass wegen der angesprochenen Vorkommnisse bereits seit Monaten Verhandlungen zwischen Tschechien und dem Landratsamt Cham stattfinden. Eingebunden in diese Verhandlungen seien auch Polizei und Grenzschutz, sowie der Bayerische Jagdverband.Als eine erste Sofortmaßnahme dieser offiziellen Vertretung sei auf tschechischer Seite die Tatsache zu werten, dass eine Auflistung aller betroffenen Revierinhaber mit Anschrift und Personalien erfoglt sei, die an die Deutschen Behörden übermittelt wurde. Dadurch sei die Möglichkeit geschaffen worden bei einer Nachsuche den jeweiligen Revierpächter sofort verständigen zu können.Diese Daten müssen aber auch unbedingt den betroffenen Revierpächtern beidseits der Grenze zugänglich gemacht werden.Die Further Jäger hatten auch hier mitgedacht und Übergaben den tschechischen Behördenvertretem eine Aufstellung der Kreisgruppe Furth im Wald, die den aktuellen Stand der Revierpachter/ Revierflächen aufzeigt.Eine Revierkarte wird folgen.

Als ein spezielles Problem kristallisierte sich in den Gesprächen die Wildfolge und Nachsuche angeschossener Tiere an der Grenze heraus.Anders als in Deutschland sei die Wildfolge/Nachsuche in Tschechien so geregelt, dass der Schütze ein verwundetes Tier über zwei Reviergrenzen hin nachsuchen könne, ohne erst die Erlaubnis der jeweiligen Nachbarrevierpächter einholen zu müssen. Der Schütze habe zudem generell das Recht das beschossene Wild, auch wenn dieses erst im Nachbarrevier zu Tode komme, in Besitz zu nehmen.Ganz anders in Deutschland. Hier ist eine Nachsuche nur mit Billigung und Erlaubnis des jeweiligen Reviernachbarn erlaubt und möglich. Diesem gehört dann auch das dort zu Tode gekommene Stück und nicht wie in Tschechien, dem Schützen. Auch eine Markierung des erlegten Wildes ist in Deutschland nicht erforderlich.

Aufgrund dieser unterschiedlichen Vorschriften sei es daher tschechischen Jägern nicht möglich angeschossenes Wild zu versorgen oder sich anzueignen. Ferner wurde von tschechischer Seite darauf hingewiesen, dass am 28. Januar im Raum Pilsen/Domazlice eine Impfung des Wildes gegen Parasiten mit dem Impfstoff Ivomectin erfolgt. Dieser Impfstoff sei in Deutschland für die parasitäre Wildimmunisierung verboten. Diese Impfaktion zieht eine 28-tägige Quarantänefrist nach sich. Die Verwertung anfallenden Wildbrets ist aus gesundheitlichen Gründen in diesem Zeitraum nicht gestattet.Fine Vorsichtsmassnahme, die auch in Deutschland Beachtung finden sollte, da Wild keine Grenzen kenne.Die betroffenen Kreisgruppen/ die Untere Jagdbehörde werden dafür Sorge tragen- dass der Termin in den jeweiligen Tageszeitungen fristgerecht veröffentlicht wird.Der Leiter der Unteren Jagdbehörde/Domazlice gab dann noch einen kurzen Abriss über die jagdlichen Gegebenheiten im Kreis Domazlice ab und wartete mit folgenden Zahlen auf-.Der Kreis Domazlice beherbergt 1.800 Jäger, die ihrer Tätigkeit auf einer Jagdfläche von 70.000 Hektar in 47 Jagdrevieren nachgehen. Dazu kommen zwei Gatterreviere mit 91 Hektar.Den Jägern stehen annähernd 300 ausgebildete Jagdhunde zur Seite.Jährlich bildet die Kreisgruppe Domazlice 20-30 Jäger aus.Im Jahr 2006 kamen 249 Rotwild, 604 Stück Darnwild, 826 Stück Rehwild, 142 Mufflons, 54 Sikawild, 517 Füchse und 160 Marder und 1026 Stück Schwarzwild zur Strecke. 2004 habe die Schwarzwildstrecke weit über 2000 Stück betragen. Wie sich der Rückgang 2006 erklärt kann nicht gesagt werden, wird aber mit den strengen Wintern in Verbindung gebracht.2007 sei die Schwarzwildstrecke wieder im Steigen begriffen und betrage derzeit ca. 1.500 Stück. Auf die Bejagung von Hasen werde dagegen seit 10 Jahren verzichtet.Tschechische Jagdschutzbeauftragten/Revierpachter sind gehalten sich zweimal im Jahr einer Schulung zu unterziehen, die sie auf den aktuellen Stand der gesetzlichen und waidmannischen Bestimmungen bringt.Man verwies ferner auf die in Tschechien existierenden Hundezwinger, die Jagdhunde aller Art vorhalten. Alle Hunde seien mit den entsprechenden Papieren ausgestattet.Bpim Kauf von Hunde werde weitgehende Unterstützung und Hilfe zugesagSeitens der Tschechen wurden abschließend Einladungen zu Schiesswettbewerben und die Nutzung tschechischer Schiessstande ausgesprochen.Auch das sei eine vertrauensbildende Maßnahme, die das Zusammengehörigkeitsgefühl der Jäger stärken soll.Schließlich sei allen die Jagd ein Anliegen und man sollte hier am gleichen Strang ziehen.Mit einem Ständchen auf der Harmonika wurde das Treffen beendet. Aber nicht, ohne eine neuerliche Zusammenkunft im Februar 2009 in Furth im Wald zu vereinbaren.Pongratz

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