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Jahresempfang

Ulf Merbolds Blick von oben auf uns

Astronaut Dr. Ulf Merbold war Gastredner in Roding. Er war drei Mal im All und appelliert, die Erde zu schützen.
Von Monika Kammermeier

Astronaut Dr. Ulf Merbold trägt sich beim Jahresempfang ins Gästebuch ein.  Fotos: Simon Tschannerl
Astronaut Dr. Ulf Merbold trägt sich beim Jahresempfang ins Gästebuch ein. Fotos: Simon Tschannerl

Roding.Im All, da ist es rabenschwarz, da funkeln keine Sterne! „Die Sonne sieht man in einer tiefen Finsternis, nur die Erde leuchtet königsblau“ – Dr. Ulf Dietrich Merbold, deutscher Physiker und ehemaliger Astronaut war am Freitag zum Jahresempfang des Landkreises und der Sparkasse in der Stadthalle Roding als Gastredner geladen und faszinierte die 700 Zuhörer.

1983 war er der erste Westdeutsche und zweite Deutsche im All. Sein Thema für den Abend lautete: „Wissenschaft im Weltraum – Der Blick von oben“. Er sprach frei, ohne Skript und zeigte tolle Bilder der Erde aus dem All.

Merbold ist bisher als einziger Deutscher dreimal im All gewesen. Er arbeitete und forschte zusammen mit dem Raumfahrtteam in dem von der ESA gebauten Raumlabor an Bord des amerikanischen Space Shuttle. 1988 wurde Merbold als einer der Kandidaten für eine weitere Spacelab-Mission aufgestellt. Einen Monat lang arbeitete er als erster ESA-Astronaut auf der russischen Raumstation Mir.

Zwei Stunden Bedenkzeit

Die Big Band der Landkreismusikschule kündigte den Festredner mit dem Song „To the Moon“ an. Gleich zu Beginn seines Vortrags stimmte der Astronaut Landrat Franz Löfflers Aussage zu, dass man in guten Zeiten lebe. „In einem goldenen Zeitalter“, sagte Merbold. Kein Zeitfenster in der Historie sei so groß wie das aktuelle ohne Krieg. Das brachte ihm den ersten großen Applaus in der Stadthalle ein. Er habe 26 Jahre der europäischen Raumfahrt gedient, erzählte er. Vor dem Start ins All, nach jahrelangem Training, hätten sie zwei Stunden Zeit gehabt, über ihre Situation nachzudenken. Dann seien sie in zwei Tonnen „brennbares Material“ gesteigen: „Die Einstiegshelfer brachten sich sieben Kilometer weit entfernt in Sicherheit.“ Mit 7000 Tonnen Schubkraft unterm Hintern, so Merbolds Worte, seien sie ins All geschossen worden. In vier Sekunden gestartet, hatten sie nach 50 Sekunden Schallgeschwindigkeit. Mit unglaublicher Wucht in den Sitz gedrückt, war dies damit mit einem Schlag abgeschaltet: Es herrschte Schwerelosigkeit. „Da komme einem der Fußboden entgegen“ – sie hätten gleich alle Hände voll zu tun gehabt.

So lief der Landkreisempfang in Roding

„Raketentreibstoff ist Sauerstoff-Wasserstoff, flüssiges Helium das Kühlmittel. Das Abfallprodukt davon, Wasser, haben wir getrunken.“ Ginge das aus, müsse gelandet werden. Alltägliche Verrichtungen seien völlig verändert. Ihre Experimente führten sie in aller Hektik und rund um die Uhr durch. Das Spacelab, ein wiederverwendbares Raumlabor zur Durchführung wissenschaftlicher Experimente und Beobachtungen in der Schwerelosigkeit, hätten Europäer bezahlt, und sei heute in einem Amerikanischen Museum. Seit 2001 sei man im Orbit bemannt unterwegs. Die russische Mir fliege in etwa 400 Kilometern Höhe. So bekomme man Signale der Sterne, wie auch Röntgenstrahlen mit. Diese und auch Sonnenstrahlen seien ungesund da oben. Ein Blick aus dem Fenster zur Erde belohne für alles.

Die Probleme dort unten

Doch unten würden die Probleme warten: Über sieben Milliarden Menschen bewohnten die Erde und verbrauchten immer mehr Ressourcen. Man sehe die Felder, könne Rückschlüsse auf ihre Beschaffenheit, ihre „Gesundheit“ schließen, sehe die schmelzenden Gletscher, Täler, Berge, Vulkane, Meteoriteneinschläge, den Mississippi, Alaska, das Rote Meer, die Halbinsel Sinai oder das Nildelta und trockene Gebiete, wo Menschen zu leben hätten. Sie sahen auch, wie drastisch wichtig Wasser ist und wie unverzichtbar für das Überleben. Erkenntnisse gebe man an die Regierungen weiter.

Astronaut Merbold

  • Sein Leben:

    Dr. Ulf Dietrich Merbold, am 20. Juni 1941 in Greiz geboren ist deutscher Physiker und ehemaliger Astronaut. Ausgewählt 1978 war er 1983 der zweite Deutsche im All. Er war als einziger Deutscher dreimal im All – mit dem Space Shuttle und auf der Mir.

  • Zeit:

    Insgesamt verbrachte er dort fast 50 Tage. 26 Jahre habe er der europäischen Raumfahrt gedient. Er arbeitete mit den Teams in dem von der ESA gebauten Raumlabor, das in Amerika im Museum stehe.

In 90 Minuten sei die Erde umrundet. Dr. Merbold berichtete von dem Einschlagkrater in Kanada mit dem ringförmigen See. Er sagte, dass man die ehemalige Grenze durch unser Land noch immer sehe, zwischen DDR und BRD, wegen der völlig anderen Agrarstruktur und auch die Grenze zwischen Israel und Sinai. Er sprach von spektakulären Gewittern, denen er künftig ausweichen wolle, so groß seien diese. Viel Demut empfand er oben, seine Liebsten da unten zu wissen, so der Astronaut. „Man muss sich anstrengen, diese Erde für die Nachkommen gut zu gestalten, um sie zu erhalten, denn wir haben für sieben Milliarden Menschen nur dieses eine, wundervolle Raumschiff“, so Merbold. Ihre leuchtend blaue Schicht der Luft sehe dünn und zerbrechlich aus: „Wir pflegen einen zu arglosen Umgang mit ihr!“

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