MyMz
Anzeige

Und plötzlich kommt der Heiratsantrag

Im neuen Teil ihrer Kolumne schreibt die an Krebs erkrankte Stefanie Deml aus Kolmberg darüber, auf wen sie sich verlassen kann.
Von Stefanie Deml

Stefanie Deml (37) mit Sohn Bastian (7), Tochter Ronja (28 Monate) und Lebensgefährte Oliver Sulewski (43)
Stefanie Deml (37) mit Sohn Bastian (7), Tochter Ronja (28 Monate) und Lebensgefährte Oliver Sulewski (43) Foto: Klöckner

Waffenbrunn.Oliver hat mir einen Heiratsantrag gemacht. In der schwierigsten Zeit unserer Beziehung fragt er mich, ob ich ihn heiraten möchte. Ich war total baff. Im Herbst 2015 wollen wir heiraten. Ich möchte zuerst wieder gut aussehen. In der Chemo-Zeit war ich wirklich nicht leicht zu ertragen. Durch meine ständigen Schmerzen und die Tatsache, dass ich nicht mehr so fit bin wie vor meiner Krankheit, bin ich nur noch unzufrieden.

Dann sind auch noch Ferien. Ich liebe meine Kinder, aber wenn man sich nicht fit fühlt, geht einem alles nur noch auf die Nerven. Danke, Oliver, dass Du mich in dieser schweren Zeit ertragen hast. Es tut mir leid, wenn ich manchmal schlecht gelaunt und unausstehlich war. Ich liebe Dich. Ich weiß jetzt, dass ich mich hundertprozentig auf Dich verlassen kann. Und so einen Menschen brauche ich in der schwierigen Zeit. In guten wie in schlechten Tagen.

Über bestimmte „Freunde“ kann ich das leider nicht sagen. Ich habe in der letzten Zeit erkannt, wer meine Freunde und wer doch nur Bekannte sind. Einige haben sich von mir abgewandt. Ich glaube, sie können mit der Krankheit nicht umgehen. Eine Psychologin hat mir gesagt, dass manche nicht wissen, was sie sagen sollen. Sie haben vielleicht Angst etwas Falsches zu sagen, oder sie wollen sich mit dem Thema Krebs gar nicht beschäftigen.

Ich möchte auch nicht immer nur über meine Krankheit reden. Ich bin doch auch noch ein Mensch mit anderen Interessen. Ich will auch mal etwas anderes hören. Ich habe erkannt, wer sich ehrlich für mich interessiert und wer eigentlich nur fragt wie es geht – um es wieder weiter zu erzählen. Ja, sowas gibt es leider. Diese Personen können sich gar nicht vorstellen, was sie einem kranken Menschen oder deren Familienmitglieder mit falschem Gerede antun.

Es tut mir im Herzen weh, wenn man so etwas erkennt. Und ich werde diesen Menschen in Zukunft aus dem Weg gehen! Ich möchte mich an dieser Stelle bei Micha und Conni für ihre ehrliche Freundschaft bedanken. Es tut mir gut, wenn ich mit euch zusammen bin. Ich kann mit euch immer lachen und ihr seid ehrlich zu mir. Danke, dass ihr immer für mich da seid.

Die Kolumne und der Dank

  • Gefühle und Erfahrungen

    In ihrer ganz persönlichen Kolumne schildert Stefanie Deml (37) ihr Jahr mit der Diagnose Brustkrebs. Immer wieder hat sie ihre Gefühle und Erfahrungen rund um die Krankheit aufgeschrieben.

  • Mut machen

    Mit der Veröffentlichung will sie Frauen Mut machen, die ähnliches haben und erleben müssen, ebenso für Menschen, die unter Krankheiten leiden.

  • Unterstützung

    Es komme auch auf Unterstützung an, sagt sie. Deshalb dankt die Mutter von zwei Kindern besonders ihrem Lebensgefährten und ihrer Familie für die Hilfe. Geholfen hat ihr auch Roland Saurer, der jetzige Bürgermeister Waffenbrunns, dazu der Kindergarten St. Martin und Pfarrer Reißer.

  • Dank an Evi

    Schließlich gibt es einen weiteren „Engel“, dem sie danken will: der Haushaltshilfe Evi vom Maschinenring, ohne die es nicht gehe. (ck)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht