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Sonntag, 22. Juli 2018 22° 6

Justiz

Unfallflucht war reine Aufregung

Eine Seniorin meldete sich nach einem Crash nicht bei der Polizei. Darum musste sie in Cham nun vor Gericht.

Die Seniorin bedauerte ihr Verhalten.. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Die Seniorin bedauerte ihr Verhalten.. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Cham.Zeitdruck und Aufregung seien Schuld gewesen, dass eine ältere Dame nach einem schiefgelaufenen Parkmanöver einfach das Weite suchte, ohne sich um den Schaden zu kümmern. Bei dem durch den Parkrempler geschädigten Auto entstand auf dem Parkplatz im westlichen Landkreis ein Schaden in Höhe von 3271 Euro. Die Dame erklärte vor dem Chamer Amtsgericht, dass sie ihren kranken Mann zum Arzt fahren wollte. Vor lauter Aufregung sei ihr nicht nur das Ausparkmanöver misslungen, unter Zeitdruck stehend habe sie sich kurzerhand dafür entschieden, weiterzufahren und nicht die Polizei zu verständigen. Sie könne sich nur entschuldigen, alles sei der Aufregung geschuldet.

Dass die Angaben der Frau stimmten, belegte ein Nachweis über entsprechenden Arzttermin des Mannes am Unfalltag. Gegen den Strafbefehl hatte sie Einspruch mit Beschränkung auf die Rechtsfolgen eingelegt. Nur dadurch war es erst zur Gerichtsverhandlung gekommen. Angepeilt sei eine Reduzierung der Tagessatzhöhe sowie hauptsächlich eine Verringerung des Fahrverbots. Der Schaden sei inzwischen reguliert worden. Ferner schilderte die Dame, dass sie dringend auf den Führerschein angewiesen sei. Ein etwaiges Fahrverbot hätte drastische Folgen in Bezug auf die Bewältigung des Alltags. Öffentliche Verkehrsmittel seien in ihrem kleinen Heimatort so gut wie nicht vorhanden, auch sonst sei es schwierig einen Fahrer zu finden.

Ohne jegliche Einträge im Bundeszentralregister sah die Staatsanwaltschaft zusätzlich die Emotionalität beim Tatgeschehen. Auch das Geständnis sowie das hohe Alter der Angeklagten sei zu ihren Gunsten gewertet werden. Dem gegenüber stehe allerdings der hohe Sachschaden. Die Verteidigung verwies ergänzend auf die weiße Weste nicht nur im Strafregister, sondern auch im Verkehrsregister. Seit 1972 sei die Dame nicht ein einziges Mal im Straßenverkehr auffällig geworden, was an dieser Stelle auch zu würdigen sei.

Richter Andreas Lecker versuchte im Urteil einen Kompromiss zu finden, konnte aber aufgrund der Gleichbehandlung nicht vollständig auf ein Fahrverbot verzichten. Für die Dauer von zwei Monate muss die Seniorin den Führerschein abgeben. Bei Unfallsachschäden über 2500 Euro sei ein Fahrverbot vom Gesetzgeber zwingend zu verhängen. Es handele sich hier um die Mindeststrafe, man sei im Urteil aber bereits stark entgegengekommen, sagte der Richter. Zusätzlich zu 100 Euro Buße muss die Angeklagte eine Geldstrafe in Höhe von 40 Tagessätzen zu je 20 Euro, insgesamt also 800 Euro entrichten. (cya)

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