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Stadthalle

Verantwortliche gehen gegen Gerüchte vor

Zu teuer? Von wegen, sagt die Chamer Stadthallenmanagerin. Andere Hallenbetreiber verlangten oft das Doppelte an Raummiete.
Von Tanja Fenzl

Die Verantwortlichen räumen mit den Gerüchten auf, die im Umlauf sind - dass die Miete für die Stadthalle Cham überhöht sei. Foto: Archiv/Klöckner
Die Verantwortlichen räumen mit den Gerüchten auf, die im Umlauf sind - dass die Miete für die Stadthalle Cham überhöht sei. Foto: Archiv/Klöckner

Cham.Da baut man eine schöne neue Stadthalle, und dann reden sie alle madig. Technische Probleme, Garderobenzwänge - und auch die Miete soll viel zu teuer sein. Bürgermeisterin Karin Bucher klingt ziemlich gefrustet beim extra anberaumten Pressegespräch am Donnerstagnachmittag in eben jener Halle, die 2018 in Betrieb genommen wurde.

„Einer setzt ein Gerücht in die Welt, der sich geärgert hat, und es hält sich hartnäckig“, begründet sie, warum sämtliche Verantwortlichen im Seminarraum im ersten Stock versammelt sind, um einmal die Fakten, sprich die Preise, auf den Tisch zu legen. Die im Übrigen auch online ganz öffentlich einsehbar seien.

Tarif für Vereine und Schulen

Und ebendort, also online, wie auch im Verlauf des Nachmittags, wird jedem schnell klar, dass es stimmt, wenn Stadthallenmanagerin Sandra Ofenbeck vorrechnet: Ein Schulball kann theoretisch bereits ab 900 Euro im neuen Chamer Wohnzimmer stattfinden. Ohne Brimborium, inklusive Bestuhlung, Licht und Ton in einfacher Ausführung.

Ofenbeck macht eine weitere Rechnung auf: Schulball, 650 Leute, erst kürzlich stattgefunden, 1600 Euro. 400 Euro der große Saal, 90 Euro Miete Foyer, 20 Euro Garderobe, Lichtanlage und Technik 150 Euro, Energiepauschale 150 Euro, Sonderreinigung Konfetti 43 Euro, Toilettendienst 150 Euro, Veranstaltungstechniker (Stundenlohn 35 Euro) 490 Euro. „Das kostet woanders locker 2500 Euro aufwärts.“

„Für den einen sind 500 Euro viel Geld, für den anderen nicht.“

Karin Bucher, Bürgermeisterin

Der Grund: Nicht überall gebe es für Vereine und Organisatoren wie Schulen Sondertarife, in Cham gewähre man dafür 50 Prozent Nachlass. „Wir haben uns lange Gedanken gemacht, welche Tarife wir anbieten“, erinnert Bucher. In Deggendorf etwa gebe es erst seit kurzem einen Sondertarif für Vereine, in anderen vergleichbaren Hallen gar nicht.

Gastronomie

Neue Pächter für Chamer Stadthalle

Die Ammer-Brüder verlassen die Stadthalle Cham samt Restaurant. Nun übernehmen die derzeitigen beiden Küchen-Chefs.

„Für den einen sind 500 Euro viel Geld, für den anderen nicht.“ Bucher erinnert in diesem Zusammenhang auch an den Grund für den Bau der neuen Stadthalle: „Der Stadtrat hat von Anfang an gesagt, wir wollen keine Konkurrenz zu bestehenden Veranstaltungsorten wie dem Randsberger Hof, dem Kolpinghaus oder anderen Wirtshäusern. Kleinere Anlässe bis 100 Personen wollten wir auf gar keinen Fall anderen Veranstaltern wegnehmen.“

Daher verstehe sie auch die aktuell wieder angestoßene Diskussion nicht, die Stadthalle sei für Vereine und Verbände zu teuer. „Für die üblichen Versammlungen und Treffen ist die Halle nicht gedacht.“

Aufreger Fraunhofer-Ball: „Da hat sich jemand geärgert, der gerade für die Organisation zuständig war, das war ja nicht einmal die Schulleitung, mit der wir keinerlei Problem haben, und derjenige hat geplappert“, ärgert sich Bucher. Das sei ärgerlich, weil bei den Gerüchten, die über die angeblich überteuerten Preise in Umlauf seien, meistens die Fakten nicht stimmten. Und im Übrigen: „Jede Veranstaltung ist anders.“ Cham sei aber weitum am günstigsten.

Modernstes Equipment

Man habe mit der Stadthalle einen Ort schaffen wollen für Veranstaltungen, für die sonst in Cham kein Platz gewesen wäre: hochwertige Tagungen, für die bestimmtes technisches Equipment nachgefragt wird, größere Bälle, Konzerte für deutlich mehr als hundert Besucher und Indoor-Messen wie die Baufachtage am kommenden Wochenende.

Apropos Equipment: Der neue Cheftechniker Bastian Jell macht deutlich, dass in der Chamer Stadthalle nur die allerneueste Technik verbaut worden sei. Von Deggendorf bis Straubing und Regensburg seien andere Veranstalter neidisch. Alleine die verlegte Kabelstrecke suche ihresgleichen.

Stadthalle

  • Haushalt:

    2020 sind im Haushalt der Stadt Cham für die Chamer Stadthalle 1,2 Millionen Euro eingerechnet. Pro Jahr rechnet man mit 350 000 Euro Verlust. „Das ist im anvisierten Rahmen“, sagt Kämmerer Christian Plötz.

  • Veranstaltungen:

    Mit 200 bis 250 Veranstaltungen rechnet Managerin Sandra Ofenbeck für dieses Jahr. Besonders gut gebucht seien in den letzten Monaten Tagungen und Tagungsreihen. Im Übrigen dürfe man das Publikum nicht überbedienen. „Das ist auch im Sinne der Veranstalter. Wenn zu oft ähnliche Veranstaltungen stattfinden, dann kommen weniger Besucher.“

Ofenbeck ergänzt: Viele Leistungen, die woanders separat zugebucht werden müssten, seien in Cham im Grundpreis inklusive. Das wüssten fast alle Chamer Schulen zu schätzen, die schon in kurzer Zeit mit Abschluss- und Tanzkursabschlussbällen Stammgäste in der Stadthalle geworden seien. Reservierungen bis ins Jahr 2022 sprächen für sich.

Modulares Baukastensystem

Ein großes Plus macht Veranstaltungsorganisatorin Vanessa Simbeck deutlich: „Wir haben ein modulares Baukastensystem.“ Verschiedene Seminarräume und Abtrennungen im großen Saal böten für die verschiedenen Anlässe die geeignete Raumgröße. Bucher betont zudem: „Wir haben 166 barrierefreie Stellplätze. Das gibt es sonst nirgends.“

Kämmerer Christian Plötz weist auf die Besonderheit hin, dass die Stadthalle als kostenrechnende Einrichtung schon rein haushaltsrechtlich nur gegen Entgelt genutzt werden darf. „Leider meinen die Bürger, dass Einrichtungen von Kommunen umsonst sein sollten.“ Heruntergerechnet auf die Besucher einer Veranstaltung, koste die Halle etwa so viel wie ein Getränk pro Gast. „Da muss sich dann jeder selbst fragen, ist es mir das wert?“

Übrigens: Die Pressekonferenz im Seminarraum 1 hat gerade 80 Euro gekostet.

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