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Projekt

„Vergeben, nicht vergessen“

Maristen-Realschule und Gymnasium Klattau beteiligten sich an Schüleraktionstagen zur Gestaltung einer besseren Zukunft.

Die Projektteilnehmer vor dem Schloss Sokolov, wo sie über die Befreiung des KZ-Außenlagers Falkenau informiert wurden  Foto: Christl Hastreiter
Die Projektteilnehmer vor dem Schloss Sokolov, wo sie über die Befreiung des KZ-Außenlagers Falkenau informiert wurden Foto: Christl Hastreiter

Cham.Die Klasse 9b der Maristen-Realschule durfte sich vor kurzem an einem ganz besonderen Geschichtsprojekt beteiligen. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Klattau nahm sie das Angebot des Evangelischen Jugendwerks im Dekanat Weiden wahr (siehe Info).

Voraussetzung für die Teilnahme an dem Projekt „Vergeben, nicht vergessen“ war, eine tschechische Partnerschule zu finden, die ebenfalls Interesse an der Erforschung der jüngeren deutsch-tschechischen Geschichte hatte. Dank ihrer guten Kontakte zu Klattau fand die Geschichtslehrerin Christl Hastreiter in Lehrer Daniel Kadlec schon bald einen hochmotivierten Ansprechpartner.

Die erste, vorsichtige Kontaktaufnahme mit den elf Schülerinnen und drei Schülern aus Klatovy begann auf dem Chamer Schulberg. Dort stiegen die Maristenschüler mit ihren Lehrkräften Christl Hastreiter und Markus Karl in den Bus aus Klatovy ein, um sich zu ihrer vorübergehenden Unterkunft in Altglashütte bei Bärnau bringen zu lassen. Nach circa eineinhalb Stunden Fahrzeit und dem Beziehen der Zimmer begann das Teambuilding.

Unter der Regie der temperamentvollen Sprachanimatorin Veronika Krizkova musste so mancher Marist seine Hemmungen überwinden, um bei den Kennenlernspielen mitzumachen. Dazu gehörte auch das Erlernen der ersten tschechischen Wörter. Alle Teilnehmer bekamen ein deutsch-tschechisches Wörterbuch geschenkt.

Nach einem inhaltlichen Einstieg in das viertägige Geschichtsprojekt ging es zur deutsch-tschechischen Grenze. Dort erklärte Michal Urban, der das Projekt mitgestaltete und die Aufgabe eines Dolmetschers übernahm, wie diese Grenze vor dem Fall des Eisernen Vorhangs ausgesehen hatte. Im Anschluss an das erste gemeinsame Abendessen hatten die Jugendlichen viel Spaß beim bayerisch-tschechischen Abend.

Spuren der Geschichte erkundet

Am nächsten Morgen fuhr man nach Domazlice, um dort Spuren der gemeinsamen Geschichte zu erkunden. Das frühere Taus war die einzige große Stadt im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet, die nicht zum Sudetenland, sondern zum Protektorat Böhmen und Mähren gehörte. Die deutsch-tschechischen Teams bekamen den Auftrag, auf alten Fotos dargestellte Plätze ausfindig zu machen und Passanten nach den tschechischen Widerstandskämpfern Stasek und Smudek zu befragen.

Auf der Rückfahrt nach Altglashütte machte der Bus einen kurzen Stopp in Drazenov, fünf Kilometer nordwestlich von Domazlice. Dort hatte man ein Massengrab mit 54 Leichen gefunden, die bei Kriegsende von tschechischen Partisanen getötet worden waren. Michal Urban bedauert, dass bis heute kein Denkmal an dieses Ereignis erinnert.

Am nächsten Tag stand der Besuch der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg auf dem Programm. Zu den 84 000 Männern und 16 000 Frauen, die im KZ Flossenbürg und seinen Außenlagern inhaftiert waren, gehörten circa 4200 tschechische Staatsbürger. Auch in den Außenlagern auf tschechischer Seite wurden Menschen schikaniert, gefoltert und ermordet, so z.B. im KZ-Außenlager Falkenau (jetzt Sokolov), das am 8. Mai 1945 von US-Soldaten befreit worden war. Im Bezirksmuseum von Sokolov wurden die Schüler mit Bildern über den Zustand des Lagers, so wie es die Amerikaner vorgefunden haben, konfrontiert.

Das Frauenlager Zwodau (heute Svatava) war die letzte Station an diesem Tag. Mindestens 16 Frauen gelang es von November 1943 bis Mai 1945, aus diesem Lager zu fliehen, unter ihnen die Französin Janina Bollack-Lesnard, die im November 1944 wegen Verdachts auf Typhus ins Krankenhaus nach Sokolov gebracht wurde.

Rassismus ist aktuell

Von dem Frauenlager Zwodau existiert nur noch ein Mahnmal.

Dort stellte jedes deutsch-tschechische Team nach einer Schweigeminute ein Grablicht auf. Mit dieser Geste wollte das Organisationsteam daran erinnern, welche schrecklichen Folgen Nationalismus und Rassismus haben können. Wie aktuell dieses Thema ist, zeigte sich noch am selben Abend. Ein 43-Jähriger tötete in Hanau zehn Menschen; das Motiv: Rassismus.

Am nächsten Vormittag stand die Präsentation der Gruppenergebnisse auf dem Programm. Fazit: Die vier Tage waren für die Maristenschüler sehr wertvoll. Sie hatten erstmals die Gelegenheit, Gleichaltrige aus Tschechien kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen – egal, ob auf Deutsch, Tschechisch oder Englisch. Durch die Arbeit in den gemischten Teams wurden Barrieren abgebaut, am Ende sogar Adressen ausgetauscht. Das ist gelebte Völkerverständigung.

Jugendarbeit über Grenzen hinweg

  • Leitung:

    Geleitet wurden die Studientage von Gisela Baur-Pajak, die ein interessantes Programm mit einem sehr engagierten Team zusammengestellt hatte.

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