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Region Cham
Montag, 20. August 2018 27° 2

Vorsorge

Versichert ins nächste Unwetter

Chams Landrat Franz Löffler und die vom Hagelsturm betroffenen Bürgermeister raten Bürgern zu Vorsorge-Überlegungen.
Von Johannes Schiedermeier

Fassungslosigkeit herrschte noch in den Tagen nach dem Hagel über den Umfang der Schäden in den Gemeinden rund um Furth im Wald, Waldmünchen und Eschlkam. Dann stellte sich die Frage: Was davon ist versichert? Foto: wb
Fassungslosigkeit herrschte noch in den Tagen nach dem Hagel über den Umfang der Schäden in den Gemeinden rund um Furth im Wald, Waldmünchen und Eschlkam. Dann stellte sich die Frage: Was davon ist versichert? Foto: wb

Cham.Vom Hagelschlag zum Schicksalsschlag ist es nur ein kleiner Schritt. So manchem Hausbesitzer rund um die Gemeinden Furth im Wald, Waldmünchen und Eschlkam hat das Unwetter am 11. Juni auch die private Bilanz verhagelt. Nun appellierten die Bürgermeister Sandro Bauer, Markus Ackermann und Josef Kammermeier gemeinsam mit Landrat Franz Löffler an die Bürger im Landkreis.

Landrat Franz Löffler erinnert daran, dass sich Sturzregen und Hagelschläge häufen. Er möchte, dass sich jeder genau überlegt, ob er eine Versicherung abschließt. „Am Ende muss jeder selber wissen, wofür er sich entscheidet und die Konsequenzen tragen.“ Foto: Landratsamt
Landrat Franz Löffler erinnert daran, dass sich Sturzregen und Hagelschläge häufen. Er möchte, dass sich jeder genau überlegt, ob er eine Versicherung abschließt. „Am Ende muss jeder selber wissen, wofür er sich entscheidet und die Konsequenzen tragen.“ Foto: Landratsamt

„Versichert Euch!“, lautete die Kernnachricht einer Pressekonferenz am Montagnachmittag im Landratsamt. Der Landrat relativiert es noch etwas: „Jeder muss selber wissen, wie er sich entscheidet. Aber er muss auch die Konsequenzen seiner Entscheidung dann tragen. Denn unter dem Strich der Schadensbilanz steht die Erkenntnis, dass rund 50 Prozent der Bürger ihre Schäden selber begleichen mussten. Das hat viele an ihre Grenzen gebracht, aber offensichtlich nicht darüber hinaus. Denn der Freistaat hat sich trotz einer entsprechenden initiative des Landrates in München bisher niemanden als existenzbedroht eingestuft und Gelder ausbezahlt.

Kein Geld vom Staat

Löffler erklärt das Dilemma: „Die Hürden für eine solche Einstufung sind hoch. Da muss es schon gar keine Möglichkeit geben, wieder auf die Beine zu kommen. Und dann steht da noch die Frage im Raum, warum der Betreffende nicht versichert war.“ Auch der Landrat selbst steht unter Beobachtung: „Natürlich haben da auch Leute angerufen und gesagt: Wenn die Geld kriegen, dann ist das eine Sauerei. Wir haben unsere Versicherungsprämien auch zahlen müssen!“ Der Landrat stellt die Gretchenfrage: „Wenn der Staat für sowas aufkommt, wer versichert sich dann noch?“ Bayern liege mit einer Versichertenrate bei der Elementarversicherung von 33 Prozent im Bundesdurchschnitt weit hinten.

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Sind Sie gegen Unwetter versichert?

Spielt der Himmel verrückt, dann ist die Not groß. Schon für einzelne Hausbesitzer können die Schäden von Hochwassern oder Hagelstürmen ganz leicht in die Zehntausende gehen. Doch sind Sie gegen Unwetter-Schäden versichert?

Bürgermeister Markus Ackermann hat insbesondere in den Gemeinden Schäferei und Kümmersmühle vier abgedeckte und zwölf teilweise abgedeckte Häuser. „Obwohl wir kleine Hagelkörner hatten als Furth“, sagt er. Die Schadenshöhe sei noch nicht abschätzbar. Foto:ps
Bürgermeister Markus Ackermann hat insbesondere in den Gemeinden Schäferei und Kümmersmühle vier abgedeckte und zwölf teilweise abgedeckte Häuser. „Obwohl wir kleine Hagelkörner hatten als Furth“, sagt er. Die Schadenshöhe sei noch nicht abschätzbar. Foto:ps

Der Staat habe viel getan für den Hochwasserschutz, insbesondere am Regen bei Cham und Roding. Dazu sei der Drachensee gebaut und an Flussoberläufen neuer Stauraum geschaffen worden. „Aber die neuen Dimensionen der Unwetter bleiben unvorhersehbar. Da muss jeder selber vorsorgen“, sagt Löffler. Inzwischen seien auch Hanglagen nicht mehr sicher, wie die vollgelaufenen Keller nach einem Sturzregen in Arrach beweisen.

Bürgermeister Sandro Bauer bilanziert eine zweistellige Millionensumme als Schaden und eine 500 Meter breite Schneise der Verwüstung mit zerstörten Autos, Fassaden und Dächern sowie die komplette Zerstörung von Ernten in diesem Bereich Foto: wb
Bürgermeister Sandro Bauer bilanziert eine zweistellige Millionensumme als Schaden und eine 500 Meter breite Schneise der Verwüstung mit zerstörten Autos, Fassaden und Dächern sowie die komplette Zerstörung von Ernten in diesem Bereich Foto: wb

Die drei Bürgermeister Sandro Bauer (Furth im Wald), Josef Kammermeier /(Eschlkam) und Markus Ackermann (Waldmünchen) pflichten ihm bei. Sie berichten übereinstimmend von Millionenschäden und eine Situation, die nur durch die Schlagkraft der Feuerwehren und eine ganz neue Dimension der Nachbarschaftshilfe zu überstehen gewesen sei.

Lesen Sie hier: Fischerdorf und Furth – Freunde in Not

Tipps zur Versicherung

Wer zahlt das? – Das war eine der Preisfragen nach dem Hagelsturm. Wir hatten den Chamer Versicherungsmakler Karl Wutz gefragt. Die wichtigsten Infos: Das Auto steht mit Totalschaden vor der Türe. Wer zahlt? Die normale Haftpflicht nicht. Die Teilkasko übernimmt solche Schäden. Wutz baut eine Eselsbrücke: „Die Teilkasko ist die Ich-kann-nix-dafür-Versicherung. Die zahlt für Hagel, Sturm und das Reh ...“ Natürlich zahlt auch die Vollkasko. „Das ist die „Ich-bin-selber-schuld-Versicherung. Die zahlt auch, wenn man einen Schaden ganz alleine gekonnt hat.“ Also: Wohl dem, der eine Kaskoversicherung hat.

Bürgermeister Josef Kammermeier beklagt ebenfalls Schaden von mehreren 100 000 Euro in seiner Gemeinde. Auf dem eigenen Haus sind 123 Ziegel kaputt. „Das sieht man erst, wenn man raufsteigt“, rät er seinen Bürgern zum genauen Hinsehen. Foto:ps
Bürgermeister Josef Kammermeier beklagt ebenfalls Schaden von mehreren 100 000 Euro in seiner Gemeinde. Auf dem eigenen Haus sind 123 Ziegel kaputt. „Das sieht man erst, wenn man raufsteigt“, rät er seinen Bürgern zum genauen Hinsehen. Foto:ps

Wie ist das aber, wenn das Haus verwüstet wird? Wutz rät jedem Häuslebauer zu einer Mindestabsicherung: Feuer, Leitungswasser, Hagel, Sturm. Wer das hat, ist schon auf einer ziemlich sicheren Seite. Zusätzlich möglich in der Wohngebäudeversicherung: Elementarschäden (Überschwemmung, Schneedruck, Erdbeben, Vulkanausbrüche, Lawinen, Erdsenkungen). Und dann gibt es noch die sogenannte „All-Risks-Versicherung“. Das ist ein Rundum-sorglos-Paket - zum entsprechenden Preis - das alle Risiken versichert, bis auf das, was im Vertrag ausdrücklich ausgeschlossen wird. Extra möglich ist auch eine Elementarschadens-Versicherung. Darin enthalten sind Erdbeben, Vulkanausbrüche, Lawinen, Überschwemmungen und Rückstau, Schneedruck, Erdrutsch und Erdsenkung.

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