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Historie

Viele Einblicke in die Geschichte

Heimatkundler Ludwig Baumann und Kirchenkenner Haymo Richter berichteten bei einer Führung durch Bad Kötzting über berühmte Männer der Stadt.
Von Rainer N. Heinrich

  • Haymo Richter (im grünen Hemd) und Ludwig Baumann (l.) nahmen die Zuhörer mit auf einen Rundgang durch die Historia durch die Stadt.
  • Diese Falknerin war in Bad Kötzting.
  • Auch ein Adler war zur Historischen Nacht „eingeflogen“. Fotos: Heinrich
  • Der Feuerspucker erhellte die Nacht in der Kurstadt.
  • Kinder ließen sich nicht schrecken.
  • Ein Stück weit Akrobatik–die Zuschauer hatten ihre Freude.
  • In historischen Gewändern

BAD KÖTZTING.Die historische Nacht war ein voller Erfolg (wir berichteten). Unzählige gemütlich feiernde Menschen genossen den Sommerabend und erfüllten die gesamte Marktstraße und auch der oberen Teil der Müllerstraße mit Leben. Auch die historische Stadtführung mit Heimatkundler Ludwig Baumann und Kirchen- und Heiligen-Kenner Haymo Richter im Wechsel kam bei den Gästen sehr gut an. 20 Personen hatten sich angemeldet, doch als Richter die Türe zur St. Veitskirche, dem Auspunkt der Führung, aufsperrte, waren es ihrer 40.

Für die Behauptung, die Veitskirche sei die alte Kötztinger Pfarrkirche stehe das Patrozinium. Veitskirchen wurden um das Jahr 900 bis 1000 gebaut, erzählte Baumann zur Geschichte des Gotteshauses. Als Gegenargument führte er das Fehlen eines Friedhofs an. Bei keiner Grabung im Umfeld der Kirche seien Gebeine gefunden worden. Dennoch war und ist den Kötztingern ihre Kirche lieb. Mehrfach ganz oder teilweise abgebrannt wurde sie immer wieder aufgebaut, wenn auch mit verändertem Äußeren.

Das jetztge Aussehen erhielt sie nach dem Stadtbrand von 1867, bei dem die Zwiebelkuppel des Turmes zerstört worden war. Dem Abbruchbefehl während der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts widersetzten sich die Bürger ebenso wie dem Vorhaben des Kötztinger Landrichters Schatte, an der Stelle der Kirche ein Schulhaus zu bauen. Das Schutzmantelbild über dem Außenaltar wurde 1730 vom Kötztinger Maler Georg Josef Hueber neu gemalt. Das Altarbild schuf Johann Egerdacher aus Pilsen. Es wurde 1871 von Heinrich Oesterer aus Kötzting restauriert. Die Herkunft der Pieta auf der rechten Seite ist ungeklärt. Dem Taufkreuz (links) schrieb man seuchenabwehrende Kräfte zu. Die Kopie des Klattauer Gnadenbildes brachten böhmische Wallfahrer im Jahr 1993 nach Weißenregen, wo es einige Jahre in der Wallfahrtskirche hing. Pfarrer Max Heitzer ließ es von dort in die Veitskirche bringen.

Philosophie und Theologie

In der Gehringstraße steht das Geburtshaus von Benedikt Stattler, Professor für Philosophie und Theologie (1728 – 1797). Sein Vater war Prokurator (Rechtsanwalt) in Kötzting und Hofmarksrichter in Miltach. Stattler trat in den Jesuitenorden ein, studierte Theologie und lehrte in München, Innsbruck, der Schweiz und in Ingolstadt, wo der spätere Regensburger Bischof Johann Michael Sailer zu seinen Schülern gehörte. Durch Intrigen verdrängt, ging er als Pfarrer nach Kemnath. Hier nahm er sich des Schulwesens an. Er veröffentlichte viele Bücher und schrieb gegen den großen Philosophen Immanuel Kant, was ihm den Beinamen „Anti-Kant“ einbrachte. Drei seiner Bücher wurden auf den Index gesetzt, weil er die Unfehlbarkeit des Papstes, damals noch kein Dogma, anzweifelte. Das Bad Kötztinger Gymnasium trägt seinen Namen.

Dr. Otto Schaffners Geburtshaus

Ein paar Schritte weiter erfolgte beim Geburtshaus von Dr. Otto Schaffner (1913 – 1978) der nächste Halt. Schaffner, Sohn eines Bürstenbinders, war Professor an der Hochschule Passau und von 1972 bis 1976 deren Rektor. Er beteiligte sich an der Seelsorge in St. Nikola sowie im Heilig-Geist-Spital. An einer schweren Krankheit leidend verstarb er 1978 in Tübingen und wurde in Passau auf dem Severinfriedhof beerdigt. Auf dem alten Kötztinger Friedhof erinnert auf dem Stein des Familiengrabes sein Name an ihn. Dr. Schaffner war ein sehr guter Freund der Familie Richter und so wusste Haymo Richter, der ihn als unscheinbaren bescheidenen Mann sowie fesselnden Prediger beschrieb, viele Episoden aus seinem Leben zu berichten.

Auch August Philipp Henneberger (1902 – 1980) war ein guter Bekannter von Haymo Richter. In seiner Heimatstadt, in der Henneberger von 1952 bis 1960 als Markt- und Stadtrat tätig war, hat er eine Reihe beachtlicher Werke geschaffen. Die Ausgestaltung der Kreisberufsschule, die Gestaltung der Außenfassade der Landwirtschaftsschule, von der nur noch der „Henneberger-Turm“ steht, sind sein Werk. Sein Wirken wurde mit der Verleihung des Kulturpreises der Energieversorgung Ostbayern, des Kulturpreises des Bayerischen Wald-Vereins sowie der Ehrenbürgerrechte der Stadt Kötzting gewürdigt.

Karl Peter Obermaier (1773 – 1850), im Pfeffergraben als Sohn eines Schneiders und Musikers geboren, war Augustinerchorherr in St. Nikola, Passau) und Pädagoge. Nach der Säkularisation 1803 erhielt er Erlaubnis zur Fortbildung beim Schweizer Pädagogen Pestalozzi, wo er Bildung des ganzen Menschen mit „Kopf, Herz, Hand“ erfuhr. In Passau stieg er später zum Scholarch (Regierungsschulrat) auf. Zu seinen Verdiensten gehören die Gründung der ersten niederbayerischen Berufsschule und der ersten Taubstummenanstalt. Sein Name lebt fort in der Gewerbeschule Passau und der Mittelschule Bad Kötzting.

Karl B. Krämers Leben

Viel zu früh, auf dem Höhepunkt seines Schaffens, starb Karl B. Krämer (1924 – 1971), erzählte Richter über seinen väterlichen Freund und Mentor. Er hatte sich der Heimatforschung und Heimatpflege verschrieben, was in seiner Tätigkeit als Kreisheimatpfleger des Landkreises Kötzting zum Ausdruck kam. Viele Jahre war er Vorsitzender des Kultur- und Presseausschusses des Bayerischen Waldvereins und Schriftleiter der Vereinszeitschrift „Der Bayerwald“. Als Feuerwehrkommandant von Kötzting nahm er 1955 das erste Tanklöschfahrzeug der Kötztinger Feuerwehr in Empfang.

In der Herrenstraße, unweit der Kirchenburg, steht das Mesnerhaus. Hier wurden die Brüder Prälisauer geboren. Sie erhielten von den Benediktinern im gegenüberliegenden Priorat frühe schulische Bildung und musikalische Förderung. Jeder wurde Ordensmann und Priester, jeder war im Hauptberuf Musiker. Anton war Jesuit, Organist bei St. Michael in München (Neuhauserstr.), dann Domorganist und Domkapellmeister in Augsburg. Pater Coelestin, Benediktiner in Tegernsee, komponierte geistliche Schauspiele und Kirchenmusik; seine „Johannespassion“ wurde vom Kötztinger Kirchenchor aufgeführt.

Andreas, Kanonikus im Augustinerchorherrenstift Polling, war maßgeblich an der damals neuen Figuralmusik beteiligt und wird als Musikpädagoge besonders gerühmt. Pater Columban, Benediktiner in Rott, erforschte alte musikalische Handschriften und Geschichte des gregorianischen Chorals, komponiert Festmusik für das Kloster Tegernsee.

Pater Robert, Benediktiner im schwäbischen Ochsenhausen, war Chorregent. Seine Orgelwerke wurden als Prachtausgabe in Faksimile vor einigen Jahren nachgedruckt. Aus diesem Orgelbuch spielte Wolfgang Riegraf zum Abschluss der Führung, die in der Stadtpfarrkirche endete, ein Stück auf der dafür gebauten Orgel.

Joseph Ludwig Graf von Armansperg (1787 – 1853) wurde im Kötztinger Pflegschloss geboren. 1815 vertrat er das Land Bayern auf dem Wierner Kongress. 1826 wurde er Staatsminister für Auswärtige Angelegenheiten, später Innen- und Finanzminister. Wegen seiner Knauserigkeit wurde er spöttischerweise „Sparmannsberg“ geheißen.

In der Stadtpfarrkirche endete die Führung und schloss sich zugleich der Kreis um das Klattauer Gnadenbild. Als 1687 der Hochaltar neu gestaltet wurde, fertigte der Kötztinger Bildhauer Joachim Khaltenbacher einen Rahmen, in den eine Bildtafel mit der Klattauer Muttergottes gesetzt wurde. Dieses stand nun in Konkurrenz zur Gnadenbildkopie von Neukirchen, die schon seit 1645 in der Kirche stand. Das Klattauer Bild konnte sich nicht durchsetzen. Nach etwa fünf Jahren wurde das Klattauer Tafelbild aus dem Rahmen genommen und das Neukirchner Schnitzbild hinter das Glas gestellt. Da steht es noch heute.

Bedeutendster Bildhauer

Zu der reichen Ausstattung der Kirche hat der wohl bedeutendste Bildhauer der Region Johannes Paul Hager, in der Kötztinger Marktstraße geboren war und dort auch seine Werkstatt hatte, viel beigetragen. Die Figuren im Langhaus und die beiden Assistenzfiguren am Hochaltar sind sein Werk. Sein Hauptwerk jedoch, die Fischerkanzel, kann in der Wallfahrtskirche Weißenregen bewundert werden.

Thomas Passauer (1666 – 1743), in der Marktstraße geboren, brachte es in der Bischofsstadt Freising als Dr. der Theologie und beider Rechte und als Stiftsdekan von St. Andrä zu Ansehen. Er schenkte der Pfarrkirche einen Kelch aus der Werkstatt des Augsburger Goldschmieds Franz Thaddäus Lang. Pfarrer Herbert Mader hatte das wertvolle Kirchengerät zur Ansicht auf dem Volksaltar ausgestellt.

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