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Viele Grenz-Pendler wollen bleiben

Tschechen trotzen den Neuregelungen an der Grenze. Landrat Löffler empfiehlt der Bevölkerung, vermehrt Mundschutz zu tragen.
Von Anna Jopp

Ab Donnerstag müssen tschechische Berufspendler in Quarantäne, sobald sie nach Hause zurückkehren. Foto: Gruber
Ab Donnerstag müssen tschechische Berufspendler in Quarantäne, sobald sie nach Hause zurückkehren. Foto: Gruber

Cham.Es ist ein harter Einschnitt: Ab Donnerstag, 26. März, dürfen tschechische Berufspendler bis mindestens Mitte April nicht mehr wie bisher täglich zwischen Bayern und Tschechien hin- und herreisen.

Stattdessen muss sich jeder Pendler nach der Rückkehr ins Heimatland für zwei Wochen in häusliche Quarantäne begeben. Das hatte die tschechische Regierung am Montag als Reaktion auf die Corona-Krise beschlossen.

Tschechen, die im Landkreis Cham arbeiten, dürfen angesichts der neuen Regelung allerdings offenbar nur teilweise auf Unterstützung durch deutsches Kurzarbeiter-Geld hoffen. Das teilte der Chamer Landrat Franz Löffler am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IHK-Chef Richard Brunner und Markus Meinke, dem Leiter der Stabsstelle Europaregion Donau-Moldau, mit.

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Nur für Zeit in Deutschland gibt es Hilfen

Während sich die tschechischen Arbeitnehmer in Deutschland aufhalten und hierzulande arbeiten – empfohlen wird ein Zeitraum von jeweils drei aufeinanderfolgenden Wochen – qualifizieren sie sich demnach für ein gegebenenfalls auszuzahlendes Kurzarbeitergeld.

Das bestätigte Landrat Löffler nach Rücksprache mit der Bundesagentur für Arbeit. „Die tschechischen Mitarbeiter befinden sich in diesem Zeitraum in einem deutschen Arbeitsverhältnis, welches sie unverschuldet unterbrechen müssen, das sie aber jederzeit wieder aufnehmen könnten.“

Insbesondere letztere Bedingung sei während der Quarantäne nach der Rückkehr nach Tschechien aber nur bedingt erfüllt. „Die Arbeitnehmer würden dann zwar vielleicht gerne weiterarbeiten, sobald die Bedingungen es erlauben. Es kann aber sein, dass sie durch die Quarantäne-Bestimmungen daran gehindert werden“, erklärte Löffler. Nach aktuellem Stand könnten die Arbeiter in diesem Zeitraum also nicht auf staatliche Unterstützung hoffen.

Die neuen Grenzregeln

  • Bisherige Regel:

    Seit Mitte März ist die tschechische Grenze grundsätzlich geschlossen. Berufspendler waren von den Regelungen bisher aber ausgenommen. Ab Donnerstag dürfen jedoch auch tägliche Pendler nicht mehr in das Land einreisen. Die Maßnahme betrifft insgesamt rund 50 000 Menschen, davon 4500, die im Landkreis Cham arbeiten.

  • Ausnahme:

    Deutsche Landwirte dürfen, so Markus Meinke, ihre in Tschechien gelegenen Flächen auch weiterhin bewirtschaften. An der Grenze sollten sie jedoch Nachweise, etwa einen Grundbuchauszug oder einen Pachtvertrag sowie idealerweise eine Bestätigung des zuständigen tschechischen Bürgermeisters vorweisen können.

  • Information:

    Unternehmer, die Fragen zu den neuen Regelungen haben, können sich unter ihk-regensburg.de/corona über den aktuellen Sachstand auf dem Laufenden halten.

4500 Menschen sind betroffen

Aus zahlreichen Telefonaten mit Unternehmern, die Gespräche mit ihren Mitarbeitern geführt hätten, wusste Richard Brunner zu berichten, dass „erstaunlich viele“ der insgesamt etwa 4500 tschechischen Arbeitnehmer im Landkreis Cham sich jedoch grundsätzlich vorstellen könnten, trotz der neuen Regelungen weiter in Deutschland zu arbeiten.

Sowohl Landrat Löffler als auch IHK-Chef Brunner sprachen ihnen dafür höchsten Respekt aus: „Wir empfinden allergrößte Wertschätzung für diese Menschen.“ Es sei beeindruckend, was die tschechischen Arbeitskräfte in den vergangenen Wochen bereits auf sich genommen hätten. Wer zudem bereit sei, sogar die anstengenden neuen Maßnahmen zu ertragen, beweise damit außergewöhnliche Loyalität zum Unternehmen.

„Es wird auch eine Zeit nach der Krise geben.“

Landrat Franz Löffler

Löffler betonte in diesem Zusammenhang, wie wichtig es sei, auch in Zukunft eng mit dem Nachbarland zusammenzuarbeiten. „Es wird auch eine Zeit nach der Krise geben. Der gemeinsame Arbeitsmarkt ist ein sehr hohes Gut, das wir unbedingt weiterführen und aufrecht erhalten wollen.“

Betroffen seien vor allem Pflegeeinrichtungen, produzierende Betriebe und Logistikunternehmen, die ihre tschechischen Mitarbeiter oft schon über Jahre hinweg beschäftigten.

Betten gesucht

Die IHK bemüht sich derzeit gemeinsam mit dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband darum, geeignete Unterkünfte für die tschechischen Fachkräfte zu finden. Es stehe bereits eine Liste mit Hotels und Pensionen bereit, die nun an die Betriebe weitergegeben werde.

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Angesichts der fortschreitenden Coronakrise (aktueller Stand am 24. März um 13 Uhr: 74 Infizierte im Landkreis Cham, darunter kein klinischer Fall) dankte Landrat Löffler der Bevölkerung dafür, dass ein Großteil der Menschen sich strikt an die Ausgangsbeschränkung halte. „Das ist wirklich deutlich zu spüren“, sagte Löffler. Über die aktuellen Regelungen hinaus wolle er der Landkreisbevölkerung zudem nahelegen, dem tschechischen Vorbild zu folgen und vermehrt Mundschutz zu tragen: „Das ist ein einfacher Beitrag dazu, den Infekt weniger leicht zu übertragen.“

Da die entsprechende Ausstattung derzeit allerorten ausverkauft sei, bemühe sich der Landkreis derzeit darum, im Gespräch mit Herstellern aus der Region eine lokale Zusatzversorgung anzuleiern. „Die Coronakrise wird nicht in zwei Wochen vorbei sein und auch nicht in vier“, sagte der Landrat. Es gelte daher, so gut es gehe vorzusorgen, um zukünftige Wellen abzufedern.

Dazu gehöre auch, sagte Löffler, Physiotherapeuten und Krankenpflegeschüler für den Notfall in einem Schnellkurs nachzuqualifizieren, um im Ernstfall gerüstet zu sein. Schon jetzt gelte sein Dank all denjenigen Menschen im Landkreis, die dafür sorgten, dass das tägliche Leben in allen wichtigen Bereichen aufrechterhalten bleibe.

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