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Vielfalt im Gewerbepark

Es blüht und summt auf 2000 Quadratmetern Wiese in Chamerau. Familie Ellmann unterstützt die Aktion „Rettet die Bienen“.
Von Hermann Schropp

Die „Ellmann-Blumenwiese“ ist ein Paradebeispiel für naturnahe Gärten und dafür, wie man etwas gegen das Insektensterben tun kann.
Die „Ellmann-Blumenwiese“ ist ein Paradebeispiel für naturnahe Gärten und dafür, wie man etwas gegen das Insektensterben tun kann. Foto: Hermann Schropp/Hermann Schropp

Chamerau.Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ war nicht der Anlass dafür, dass die Familie Ellmann im Jahr 2019 eine Blumenwiese angelegt hat – - auch nicht, dass sie sich das Mähen sparen wollte. Solch eine Wiese entwickelt sich nicht in zwölf Monaten. Dafür braucht es Jahre. Diese Zeit haben die Ellmanns ihrem Grundstück gegeben. „Ein gänzlicher Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel ist dabei oberstes Gebot“, betonen Franz und Sieglinde Ellmann, die beide bereits seit über 40 Jahren Mitglieder im hiesigen Obst und Gartenbauverein sind. Die Aussaat der „Bienenweide“ rentiert sich um ein Vielfaches. Sie hilft, starke und leistungsfähige Bienenvölker aufzubauen, die im Gegenzug Obstbäume, Beerensträucher und viele Nutzpflanzen bestäuben und nebenbei einen aromatischen Honig erzeugen.

2019 wurde die gut 2000 Quadratmeter große Wiese vom Landwirt Manfred Wanninger aus Wölsting gefräst und mit der Wiesenegge eingeebnet. Die Samenmischung „Veitshöchheimer Bienenweide“, eine fünfjährige Blumenwiese, die eigens entwickelt wurde, hat das Landratsamt auf Initiative von Landrat Löffler in einer großangelegten Aktion kostenlos zur Verfügung gestellt. Fachmännisch von Hand gesät hat Hans-Jürgen Laumer, der jetzige Bürgermeister der Gemeinde Zandt, der ein Freund der Familie Ellmann ist und für Nachhaltigkeit, Natur und Ökologie bekannt ist, mit Unterstützung von Franz Ellmann. Die große Artenvielfalt dieser Bienenweide fördere nicht nur Honigbienen, sondern auch Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge. Pflege braucht die Fläche in der Regel keine, es sollten nur Wildkräuter und unerwünschte Gräser, die drohen überhandzunehmen, entfernt werden. Ab dem fünften Jahr könne abschnittsweise umgebrochen und neu eingesät werden.

Futterquelle für Bienen

Die Familie Ellmann kann sich nun jedes Jahr über eine Magerwiese freuen, die ihresgleichen sucht. Es wachsen viele Margeriten, aber unter anderem auch Glockenblumen, rote Lichtnelken, Taubenkropfleimkräuter, Gänseblümchen, Vergissmeinnicht, Kleines Habichtskraut und die Schwarze Teufelskralle. Die mehr als 40 verschiedenen Blumenarten mit Blütezeiten von Mai bis Oktober haben eine Wuchshöhe von maximal 60 cm. Wichtig ist, dass neben prächtigen, gefüllten Blüten auch einfach blühende Blumen wachsen, denn nur diese produzieren Pollen und Nektar. Daran erfreuen sich auch Insekten wie Schmetterlinge und natürlich die Bienen. Durch die Kombination von Wildblumen, Kräutern und Gräsern schafft man mit ihnen für Hummeln, Bienen und Co. ein kleines Paradies. Es gibt circa 560 Bienenarten; rund 350 Arten davon kommen bei uns vor. In den letzten 30 Jahren war ein Rückgang der Bienen um 75 Prozent zu verzeichnen.

Die Erhaltung der Artenvielfalt wird nicht nur auf landwirtschaftlichen Flächen entschieden; Gartenflächen seien demgegenüber eben rein rechnerisch verschwindend gering. Und dennoch: „Jeder kann seinen Beitrag dazu leisten, wie im Gewerbepark in Chamerau geschehen“. „Gärten und brachliegende Felder prägen die Lebensqualität entscheidend und leisten einen wirkungsvollen Beitrag zur ökologischen Vernetzung im gesamten Siedlungsbereich von Dörfern. Jeder Naturfreund kann dazu beitragen, der bedrohten Natur zu helfen“.

Wichtige Verbindung zur Natur

Gärten sind als grüne Elemente im Wohnumfeld für viele Menschen die wichtigste Verbindung zur Natur. Naturnahe und erlebnisreiche Gärten erhalten eine immer größere Bedeutung zur sinnvollen Betätigung des Menschen. Die Beschäftigung mit Pflanzen fördert die Lebensfreude und das körperliche Wohlbefinden. Gärten naturnah gestalten heißt, die Natur in den Garten zurückzuholen. Jede Versiegelung, jedes neue Gebäude bedeuten einen Verlust an Natur. Der Mensch sollte seine Verantwortung gegenüber der Schöpfung erkennen, und den nachfolgenden Generationen eine intakte Tier- und Pflanzenwelt hinterlassen. Alles in allem wird zudem ein übertriebener Sauberkeitswahn in den Gärten angewendet. Auf einer grünen Rasenfläche gibt es nicht viel für Insekten. Hingegen auf einer Blühfläche leben viele verschiedene Insekten und Vogelarten. Die Vielfalt macht es aus.

Am Rand beobachtet

  • Begeisterung:

    Bienen, Hummeln, Käfer und Schmetterlinge finden dort im Moment ein vielfältiges Angebot an unbelastetem Nektar und Pollen. „Hier wurde der Natur mit wenig Aufwand sehr geholfen”, sagte eine Radfahrerin. (che)

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