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Geschichte(n)

Vom „Zuckerl“ zum Klassiker

Ende des Monats erscheint der Waldmünchner Heimatbote. Uns haben die Verantwortlichen verraten, warum sich das Lesen lohnt.
Von Petra Schoplocher

Vorfreude gemischt mit Stolz: von rechts Museumsvereinsvorsitzender Jürgen Lampatzer, Vize Hans Fickerl, Schriftleiter Peter Leopold und Kassier Franz Danzer, passend zur Heimatgeschichte im Museum und der Abteilung „Grenze“ Foto: Schoplocher
Vorfreude gemischt mit Stolz: von rechts Museumsvereinsvorsitzender Jürgen Lampatzer, Vize Hans Fickerl, Schriftleiter Peter Leopold und Kassier Franz Danzer, passend zur Heimatgeschichte im Museum und der Abteilung „Grenze“ Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Sie sind stolz – die Macher des Heimatboten. Stolz auf das neueste Werk, das am 29. November erscheint und das mit Prädikaten und Vorschusslorbeeren ins Rennen geht: wieder in Farbe, wieder dicker als die anvisierten 150 Seiten und wieder mit hervorragenden Beiträgen.

Finden jedenfalls Jürgen Lampatzer, Hans Fickerl, Peter Leopold und Franz Danzer vom herausgebenden Museumsverein.

Stolz sind die Waldmünchner aber auch darauf, dass sie auf einen altgedienten, treuen Stamm an Autoren zurückgreifen können, sich zugleich aber immer wieder Neue finden lassen. Und zwar aus dem gesamten Altlandkreis. „Es ist uns wichtig, die Nachbargemeinden mit im Boot zu haben“, unterstreicht Schriftleiter Peter Leopold, der den Heimatboten als Gemeinschaftswerk für eben diesen Altlandkreis sieht.

Der neue Heimatbote

  • Vorstellung:

    Das 26. Jahrbuch des Museumsvereins wird am Freitag, 29. November, um 19 Uhr im Gasthaus Weber Max vorgestellt. Ab Samstag ist es dann erhältlich, unter anderem bei der Druckerei Leopold und anderen Waldmünchner Geschäften.

  • Fakten:

    Der neue Heimatbote kostet 9,50 Euro, Mitglieder bezahlen einen Euro weniger. Die Auflage wurde im Vergleich zum Vorjahr noch einmal erhöht auf 600. Die 184 Seiten sind komplett in Farbe.

  • Schmankerl:

    Das Rätsel, wie immer von Elisabeth Ruhland gestaltet, ist eine Besonderheit „und trägt enorm zur Attraktivität bei“, betont Jürgen Lampatzer. Vor allem für die hochwertigen Preise gab es bisher immer eine Menge Lob.

„Urgestein“ und Kassier Franz Danzer, der einen Tag nach der offiziellen Vereinsgründung beigetreten ist („An dem Tag selber hatte ich keine Zeit“, sagt er und schmunzelt), steht es zu, von logischem Stolz zu sprechen. Denn der Heimatbote hatte so manche Durststrecke zu durchleben.

Danzer hat eine nette Formulierung parat, wenn es um die Entstehungsgeschichte des längst zum Klassiker avancierten Buches geht. „Des wor halt es Hudala“; gemeint „Zuckerl“.

Das Legendenspiel beim 75-jährigen Jubiläum 1995: die Kämpen des TV (auf der linken Seite) gegen eine Auswahl des Altlandkreises Foto: Hans Fickerl
Das Legendenspiel beim 75-jährigen Jubiläum 1995: die Kämpen des TV (auf der linken Seite) gegen eine Auswahl des Altlandkreises Foto: Hans Fickerl

Erklärung: Als sich in den Jahren nach der Vereinsgründung 1977 - die ja ausdrücklich die Verwirklichung eines Museums zum Ziel hatte - nichts tat, überlegten die Verantwortlichen, wie die Mitglieder bei der Stange gehalten werden könnten. Der Heimatbote war geboren.

Der älteste im Landkreis

Der ist mittlerweile das älteste im Landkreis Cham erscheinende Jahrbuch, betont Vorsitzender Jürgen Lampatzer. Und mit 9,50 Euro unschlagbar günstig, rührt er augenzwinkernd die Werbetrommel.

Dabei scheint das gar nicht nötig, der Jubiläumsheimatbote aus dem Vorjahr ist so gut wie vergriffen - mit ein Grund, warum sich die Verantwortlichen entschlossen haben, die Auflage zu erhöhen.

Wie beliebt und nachgefragt aber auch alte Ausgaben sind, davon kann Peter Leopold ein Lied singen. Ein Neubürger hat erst kürzlich bei ihm zehn Ausgaben geordert, erzählt er.

In einem Raum im Museum haben die "alten" Heimatboten eine Bleibe gefunden. Nicht selten kommt es vor, dass Schriftleiter Peter Leopold die ein oder andere Ausgabe aus dem Archiv holen muss. Foto: Schoplocher
In einem Raum im Museum haben die "alten" Heimatboten eine Bleibe gefunden. Nicht selten kommt es vor, dass Schriftleiter Peter Leopold die ein oder andere Ausgabe aus dem Archiv holen muss. Foto: Schoplocher

Doch ins Lager im Museum muss er auch für andere Kunden. Manche stellen fest, dass sie über Jahre hinweg ihre (via Abonnement bestellten) Heimatboten nicht abgeholt haben. „Dann geh‘ ich halt mal wieder“, sagt er und schmunzelt.

Erst in diesem Jahr wollte ein Leser, der jahrelang im Ausland gelebt hat, seine Sammlung vervollständigen. Was nicht immer geht, es gibt Bände - in der Anfangszeit erschienen zwei pro Jahr - die vergriffen sind. „Deswegen sind wir immer dankbar, wenn wie aus Nachlässen, Wohnungsauflösungen oder dergleichen alte Hefte angeboten werden“, ergänzt der Vorsitzende.

Er selbst ist da bis vor kurzem keine Ausnahme gewesen: „Vier haben mir gefehlt, die hab‘ ich aber mittlerweile gelesen“, berichtet er.

Grenzöffnung 1990: Die 2. Mannschaft des TV auf dem Weg zum ersten Freundschaftsspiel nach Nemanice (Wassersuppen) Foto: Hans Feiner
Grenzöffnung 1990: Die 2. Mannschaft des TV auf dem Weg zum ersten Freundschaftsspiel nach Nemanice (Wassersuppen) Foto: Hans Feiner

Lesen, genau. Warum sollte man den Heimatboten eigentlich (kaufen und) lesen? „Weil er so breit gefächert ist“ - Hans Fickerl ist mit der Antwort am schnellsten, scheint den Nagel aber dennoch auf den Kopf zu treffen. Alleine die Zeitspanne der Beiträge umfasst 200 Jahre, weiß Peter Leopold.

Damals so schön wie heute: Jubel am Spielfeldrand Foto: Hans Fickerl
Damals so schön wie heute: Jubel am Spielfeldrand Foto: Hans Fickerl

Franz Danzer formuliert es etwas flapsiger: „Da ist einfach interessantes Zeug dabei“. Er erinnert sich etwa an einen Beitrag, der die Hausnummern der Böhmerstraße zum Inhalt hatte und die Geschichten der Gebäude und ihrer Bewohner erzählte.

„Ein Luxusproblem“

In die Themen mischt sich das Redaktionsteam traditionell nicht ein, wohl wissend, dass man über manche Abhandlung streiten könnte. „Wir überlassen das Urteil dem Leser“, erklärt Jürgen Lampatzer.

Weil sie sie Autoren nicht beschränken wollen, bringt es der neue Heimatbote auf 184 Seiten und ist der zweitstärkste nach der Jubiläumsausgabe 2018. „Eigentlich ein Luxusproblem.“ Es gab schon Zeiten, da haben drei, vier Autoren das Büchlein über Wasser gehalten, finanziell ging es ebenso „mehr schlecht als recht“.

Das ist vorbei, geht aber nicht ohne Anzeigenkunden. Vor allem vor dem Hintergrund des Farbdrucks. Der steht aber mittlerweile außer Frage. „Das hat was mit Qualität zu tun, das sind wir unseren Autoren und Lesern schuldig“, verdeutlicht es der Vorsitzende. Und auch den Vorgängern, deren Durchhaltewillen alle unisono herausstreichen.

Es gab Ausgaben, die drei oder vier Autoren alleine gewuppt haben – und das über Jahre hinweg. Entsprechend war es auch finanziell „immer wieder mal eng“. Aber das ist vorbei.

100 Jahre TV-Fußballer Waldmünchen: So wurden in den 1950ern Spiele angekündigt... Foto: Hans Fickerl
100 Jahre TV-Fußballer Waldmünchen: So wurden in den 1950ern Spiele angekündigt... Foto: Hans Fickerl

Dass „jeder etwas findet“ (laut Jürgen Lampatzer das Erfolgsgeheimnis), davon ist er auch für Jahrbuch Nummer 26 überzeugt. Ohne einen der Autoren hervorheben zu wollen („Uns sind alle gleich viel wert“): Ein Thema ist nach Meinung des Quartetts so stark, dass es heraussticht und den neuen Heimatboten noch unentbehrlicher macht. Hans Feiner hat einen Beitrag zu „100 Jahre TV-Fußballer“ verfasst und mit alten Bildern dekoriert. Prädikat: Muss man gelesen haben.

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