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Heimatgeschichte

Von der Schlosskapelle zur Marienkirche

Seit 620 Jahren gibt es ein Gotteshaus in Zandt. Zwei Vorgängerbauten wurden durch Brände zerstört. An Maria Himmelfahrt ist Patrozinium.

  • Die Marienkirche in Zandt Foto: Rosi Stelzl
  • Der Hochaltar Foto: Rosi Stelzl

Am Donnerstag feiern die Zandter das Patrozinium ihrer Marienkirche mit einem Gottesdienst um 10 Uhr und das Pfarrfest beim Pfarrheim St. Josef schließt sich an. Nachweislich hat Zandt seit 1399, also bereits seit 620 Jahren, eine Kirche. Damals saß das mächtige und reiche Adelsgeschlecht der Sattelbogner auf „Sitz, Dorf und Hofmarch auf Zandt“. Ein Cunrad der Sattelbogner, Domherr in Regensburg und seine Mutter Anna, erbauten 1399 eine Kapelle in Zandt, damit wurde Zandt eine Filiale von Moosbach. Die Kirche wurde der Mutter Gottes und den Allerheiligen geweiht. Die Kirche, größtenteils aus Holz, war zweifellos im gotischen Stil gebaut. Über die Größe ist nichts bekannt. Jedenfalls war sie viel kleiner als die Jetzige.

Diese Kirche wurde 1657 „wegen Baufälligkeit, weil sie auf sumpfigen Grund stand und deshalb nicht mehr zu reparieren war“, abgebrochen. Die Nachfolgerin war entsprechend der Vermehrung der Bevölkerung größer. 1949 wurde die alte Grundmauer von 1399 gefunden. Die Kirche in Zandt war auf keinen Fall die Schlosskirche. Im Schloss gab es schon vor der Erbauung der Kirche einen Betraum, in dem auch Messen gelesen wurden. Sicher ist, dass die „Burgpfaffen“, wie sie damals fast in jeder Burg lebten, seelsorgerische Dienste für die Schlossherrschaft und dessen Untertanen leisteten. Sie galten in den Augen der Adeligen oft als Dienstboten. In der Regel hatten sie die religiöse Erziehung der Kinder zu leiten, Andachten vorzubeten und als Schreiber zu dienen.

Kirche am „Sauanger“

Die allererste Kirche in Zandt stand ohne Zweifel dort, wo die jetzige steht. Der Platz hatte noch bis in die neuere Zeit herein die Bezeichnung „Sauanger“. Dort steht die jetzige Kirche. Wie lange stand nun die erste Kapelle? Alois Oberpriller, der Zandter Benefiziat, hatte sich sehr mit Geschichte von Zandt und deren Kirche befasst und nachgeforscht.

Es ist geschichtlich, dass die gefährlichsten Feinde des Bayerischen Waldes im Mittelalter die Hussiten waren. Besonders schlimm war das Jahr 1429 für die hiesige Gegend. Vieles spricht dafür, dass Zandt von dieser Heimsuchung verschont geblieben ist. 200 Jahre später hauste wieder ein schlimmer Feind – die Schweden und ihre Verbündeten. Es wird vermutet, dass die Kapelle in Zandt im Dreißigjährigen Krieg zugrunde gegangen ist. Forscher wie Schuegraf und Brunner erklärten, dass Zandt zweimal niederbrannte, einmal 1633, als die Truppen von Bernhard von Weimar unter Tupadell von Regensburg kommend die Gegend um Cham besetzten. Beweise aber gebe es nicht.

Die 1399 erbaute Kirche wurde 1657 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Zandt kam 1653 an eine Seitenlinie der Gleißenthaler, an Johann Ludwig von Gleißenthal auf Frankenoe, und Gutmanning ging in andere Hände über. Die neue Kirche wurde ein echtes Schmuckstück. Ein alter Kataster besagt, dass die Kirche einen Turm auf dem Sattel hatte. Diesmal wurde die Kirche aus Stein erbaut, aber immer noch mit dem zeitgemäßen Schindeldach. Die 1657 „an jetziger Stelle mit den vorhandenen Mitteln und Beihilfe der Gutsherrschaft, welch letztere sich und ihre Erben verpflichtet hat, jeden Mangel an Unterhalt so lange zu ersetzen, bis die Kapelle wieder zu ausreichenden Mitteln kommen möchte“ erbaute Kirche brannte am 20. März 1800. Das Feuer aus der benachbarten Schmiede zerstörte das Kirchen- und Turmdach.

Die Glocken schmolzen, die Sakristei brannte aus und die Mauer und das Gewölbe wurden stark beschädigt (Diözesan-Archiv). Der Turm wurde zunächst nicht mehr aufgebaut und das Gewölbe durch eine Balkendecke ersetzt. Die Baukosten wurden bestritten aus den vorhandenen Mitteln der Kirche, mit Beihilfe der Herrschaft und mit unentgeltlichen Hand-und Spanndiensten der Bevölkerung. Der Turm wurde erst 1833 bis 1835 angebaut, so wie er jetzt noch steht, ohne Beihilfe der Gutsherrschaft. Es ist auffällig, dass von 1800 an die Adeligen nicht mehr in der Kirche in Zandt, sondern am Friedhof Harrling beerdigt wurden. Noch 1799 wurde der letzte „große“ Gleißenthaler in der Kirche Zandt beerdigt. Die adeligen Zandter sind urkundengemäß in Regensburg beerdigt. Die Sattelbogner in der Kirche von Reichenbach, in Sattelbogen, in Oberaltaich und anderen Orten.

Benefiziat Haßlöcher schrieb am 16. 3. 1863 an das Ordinariat: „Der Hochaltar der Kirche in Zandt ist schadhaft und trägt überdies die Gebrechen, daß nicht ein Teil desselben zum anderen paßt, dass er geschmacklos ist und unpassend zum celebrieren!“ Die Neuerrichtung eines Hochaltares wurde oberhirtlich genehmigt. Beim Abbruch zeigte sich auf dem Hochaltaraufsatz eine Tafel mit der Inschrift, dass der Altar privilegiert war und ein toties-quoties Ablass am Feste des hl. Johannes Nepomuc zu gewinnen war.

Großbrand in Zandt

Am 19. 9. 1872 um 23 Uhr brach Feuer beim „Schneiderbauern“ aus und verheerte das untere Dorf (1892 brannte das obere Dorf ab). Dabei ging der Westwind so stark, dass er die brennende Kuppel der Kirche abhob und über die Häuser nach Süden trug. Gerettet wurden die Kelche, das Ciborium und der größte Teil der Paramente. Ein alter Mann, der Mirtl Hansl, der dies miterlebt hatte, berichtete dem Chronisten von diesem Schreckenstag: Die Seitenaltäre seien in der Kirche zur Aufstellung bereitgelegen, da brannten sie über Nacht ab. Zandt brauchte unbedingt wieder eine neue Kirche. Wer aber sollte die Baukosten tragen? Da griff der Staat ein. Da die Brandentschädigungssumme zur Verfügung stand, und die Gemeinde Zandt sich verpflichtete, Hand- und Spanndienste unentgeltlich zu leisten, bezahlte den Rest der Staat. Bis die Verhandlungen so weit waren, vergingen acht Jahre, nämlich von 1872 bis 1880.

Endlich entstand unter den Ruinen der alten Kirche eine Notkirche, wirklich eine ‚notige Kirche‘, wenn man dem Benefiziaten Haßlöcher glauben darf. Bald weigerte er sich, in dieser Kirche die Messe zu lesen, weil es so zugig sei und so seine Gesundheit und die der Gläubigen in Gefahr komme. Die Decke sei so schlecht geschalt, dass sie drohe, herunter zu stürzen. Die Leute halten sich lieber im nahen Wirtshaus auf, weil das Gotteshaus viel zu klein sei. Dies schrieb er auch an das Bischöfliche Ordinariat. Darauf befahl das Ordinariat, das Allerheiligste in die Kirche nach Harrling zu tragen, zum großen Schmerz der Gläubigen. Benefiziat Haßlöcher aber wurde nach Wunsch nach Altrandsberg übersiedelt.

Endlich wurde 1880 an dem Bau der Kirche zügig weitergearbeitet. Am 23. 3. 1881 wurde die Kirche von Coperator Bürger benediziert und der erste Gottesdienst darin gehalten. Am 10. 6. 1886 gab der Pfarrer um Consecration ein.

Der H.H.Herr von Senestrey, Bischof von Regensburg, soll nach Erinnerung der alten Leute beim Anblick des Turmes gesagt haben, schade, dass der nicht beim Brand ‚mitgegangen‘ sei. Es wäre dann ein schönerer und größerer Neubau möglich gewesen. Doch die Kirche ist gefällig, stilrein, luftig und hell. 1954 wurde das Patroziniumfest im Zeichen der drei goldenen 5 (555-Jahrfeier) gefeiert. Benefiziat Alois Oberpriller, der damals bereits 24 Jahre in Zandt wirkte, gestaltete diesen Tag sehr festlich. Nach ihm betreute Benefiziat Hans Höß, dann Sebastian Berndl und jetzt Pater John Nirapell von Harrling aus die Zandter.

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