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Infrastruktur

Waldmünchen investiert Millionensumme

Waldmünchens Stadtrat entscheidet, dass Geigants Kläranlage selbstständig bleibt. Auch ihn Straßen und Brücken fließt Geld.
Von Petra Schoplocher

Betrieblich, energetisch und baulich besteht an der Kläranlage Waldmünchen Handlungsbedarf, erklärte Ingenieur Kai Christensen dem Stadtrat. Unter anderem bereitet der Beton am Becken langsam Sorge, wie Günter Gruber, Chef der Kläranlage, erklärt. Foto: Schoplocher
Betrieblich, energetisch und baulich besteht an der Kläranlage Waldmünchen Handlungsbedarf, erklärte Ingenieur Kai Christensen dem Stadtrat. Unter anderem bereitet der Beton am Becken langsam Sorge, wie Günter Gruber, Chef der Kläranlage, erklärt. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Das war eine teure Sitzung: Der Stadtrat hat am Dienstagabend Investitionen von über 2,5 Millionen Euro beschlossen. Den größten Brocken machen die beiden Kläranlagen in Waldmünchen und Geigant aus, in die fast 1,4 Millionen fließen.

Unter diesem Tagesordnungspunkt musste das Gremium zunächst eine Gretchenfrage beantworten: Soll Geigant an Waldmünchen angeschlossen werden?

Nein, empfahl Ingenieur Kai Christensen, der das Sanierungskonzept vorstellte. Das gravierendste Argument: die Kosten. Zum einen die für ein leistungsstarkes Pumpwerk sowie eine fast sechs Kilometer lange Druckleitung, aber auch die, die durch die Mehrbelastung für Waldmünchen und die dortigen Betriebskosten entstünden. Alleine die Anschlusskosten würden mit 1,7 Millionen Euro zu Buche schlagen, rechnete der Fachmann vor.

Ingenieur Kai Christensen erklärte dem Stadtrat, was seiner Meinung nach an den Kläranlagen Waldmünchen und Geigant verbessert werden müsste. Von einem Anschluss Geigants riet der Fachmann ab. Foto: Schoplocher
Ingenieur Kai Christensen erklärte dem Stadtrat, was seiner Meinung nach an den Kläranlagen Waldmünchen und Geigant verbessert werden müsste. Von einem Anschluss Geigants riet der Fachmann ab. Foto: Schoplocher

Christensen erläuterte, welche Maßnahmen in Geigant für rund 500 000 Euro geplant sind. Unter anderem müsse eine Vergrößerung um eine vierte Stufe erfolgen, erforderlich sind zudem ein neuer Rechen und Verbesserungen der Zirkulation im Vorbecken sowie Maßnahmen, um den Stickstoffgehalt zu senken. In Waldmünchen gehe es unter anderem um Strömungsoptimierung, die Erneuerung des Prozessleitsystems und des Pumpwerks in Hocha. Christensen verwies auf eine nötige Zweipunktfällung in den Leitungen, um den Phosphorwert im Griff zu haben. In den veranschlagten Kosten von etwa 855 000 Euro sind zudem energetische Sanierungen der Gebäude und eine Gasfackel enthalten.

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Der Waldmünchener sorgt mit Johann Eiber und Jannik Bücherl dafür, dass die Kläranlage läuft. Das ist richtig kompliziert.

Handlungsbedarf unbestritten

„Dass Handlungsbedarf da ist, ist glasklar und unmissverständlich“, verdeutlichte Bürgermeister Markus Ackermann. Er regte eine zügige Umsetzung an, damit die Stadt in den Genuss der Förderung nach den aktuellen Richtlinien (250 Euro pro angeschlossenem Einwohner, maximal 70 Prozent der Ausgaben) kommt. Voraussetzung dafür ist eine Umsetzung der Maßnahme bis Ende 2021. Der Stadtrat stimmte dem weiteren Vorgehen zu, das eine Entwurfsplanung und die Einreichung des Förderantrags vorsieht.

Was muss der Bürger zahlen?

Manfred Ruhland mahnte, dass die Stadt nicht wisse, was diese Entscheidung finanziell bedeute, zumal noch kein genehmigter Haushalt vorliege. Auch wäre interessant zu wissen, welche Belastung auf die Bürger zukämen. Markus Ackermann entgegnete, das Thema wegzuschieben, sei falsch und verantwortungslos. Die Haushaltssitzung werde zeigen, „dass wir gut aufgestellt sind“.

Nachbetrachtung zum Jahresempfang

  • Unverständnis:

    Nach Meinung von Bürgermeister Markus Ackermann war der Jahresempfang ein voller Erfolg. Mit Unverständnis habe er folglich auf die öffentliche Beschwerde zweier Stadtratsmitglieder reagiert, die moniert hatten, über die Ankündigung von Michael Matt, in Waldmünchen zu investieren, vorab nicht informiert worden zu sein. „Diese Entscheidung wurde kurzfristig, wenige Stunden vorher getroffen“, merkte Ackermann dazu an. Das Projekt werde etwas Besonderes, versprach er.

  • Skepsis:

    Wolfgang Kürzinger stellte gar nicht in Abrede, dass die Ansiedlung ein großer Erfolg für die Stadt sei, blieb aber skeptisch, zumal die Pläne für den Neubau im Gewerbegebiet, die der Bürgermeister zeigte, alle mit Datum aus dem Jahr 2019 versehen waren. „Das war eine Enttäuschung im Sinne der Transparenz“, meinte Kürzinger, „da ist es uns allen gleich gegangen“.

Unter der Strategievorgabe „Am Stück sanieren“ ist als nächstes die Ölbergstraße dran, der Ingenieur Sebastian Riedl ein denkbar schlechtes Zeugnis ausstellte. Eine Entwässerung sei schlicht nicht vorhanden, Schächte seien verdreckt, schadhaft oder undicht, Leitungen zugewachsen. Seinen Planungen und Berechnungen zufolge werden für Straße und Entwässerung 347 000 Euro fällig, die Erneuerung des Mischwasserkanals schlägt mit rund 223 000 Euro zu Buche und die Wasserleitung mit 314 000 Euro. Während es für Kanal und Wasser Fördermittel gibt, bleiben die Kosten für Straße, die Entsorgung des Aushubs sowie die Leerrohre bei der Stadt hängen. Weil „uns allen der Handlungsbedarf klar ist“, beschloss das Gremium die schnellstmögliche Ausschreibung.

Ingenieur Sebastian Riedl vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Furth im Wald stellte umfassende Planungen vor. Foto: Schoplocher
Ingenieur Sebastian Riedl vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Furth im Wald stellte umfassende Planungen vor. Foto: Schoplocher

Die Zeit drängt auch bei der geplanten Oberbauverstärkung der Straße zum Unteren Roßhof, die „schon seit längerer Zeit sanierungsbedürftig ist“. Das Amt für Ländliche Entwicklung fördert die Maßnahme mit etwa 75 Prozent, Voraussetzung ist aber eine Abrechnung bis Oktober. Die Gesamtkosten belaufen sich auf knapp 160 000 Euro, wie Sebastian Riedl erläuterte. Er regte an, zu überlegen, die Strecke zur Autowerkstatt gleich mit instandzusetzen, auch, wenn es dafür keine Zuschüsse gebe.

Nach und nach saniert die Stadt Brücken in der Stadt. Hier begutachtet der Bauausschuss den Neubau über den Ulrichsgrüner Bach. Foto: Schoplocher
Nach und nach saniert die Stadt Brücken in der Stadt. Hier begutachtet der Bauausschuss den Neubau über den Ulrichsgrüner Bach. Foto: Schoplocher

Auch beim Abarbeiten der Prioritätenliste Brückenbau will die Stadt weiterkommen. Saniert werden sollen die Brücken beim Perlseeauslauf und im Ortsteil Hammer. Aus taktischen Gründen – die Nähe zur Brücke in Hammer bedeutet keine eigene Baustelleneinrichtung – schlug die Verwaltung vor, den Durchlass am Triebswerkskanal mit instandsetzen zu lassen. Wolfgang Rohrmüller vom Büro Brandl & Preischl regte eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit an beiden Brücken von 60 auf 50 Stundenkilometer an, um weniger Vorgaben zu haben.

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Neue Brücken braucht die Stadt

Wadlmünchener Bauausschuss machte sich ein Bild von einer abgeschlossenen Maßnahme und sanierungsbedürftigen Bauwerken.

Baulich sollen unter anderem Brückenkappen, Geländer und Abdichtungen erneuert sowie Fugen geschlossen und Löcher im Asphalt ausgebessert werden. Diese Maßnahmen muss die Stadt mangels Förderung komplett aus eigener Tasche zahlen. Der Ingenieur veranschlagte 160 000 (Perlseeauslauf) und 117 000 (Hammer) für die Brücken und rund 20 000 Euro, um am Wasserdurchlauf das Nötigste anzugehen. Mittelfristig schlug der Fachmann aber einen Neubau vor.

Teich oder Behälter?

Löschwasserteich oder -behälter war die Frage in Herzogau. Dort bereite die Löschwasserversorgung schon seit Jahren Schwierigkeiten, verdeutlichte Markus Ackermann. Schnell zeigte sich, dass der Behälter nicht nur rund ein Drittel billiger, sondern auch bedarfsorientierter sei. „Einmal füllen und gut is′.“ Dieser unterirdische, 2,60 Meter breite und 28 Meter lange „Tank“ – aktuell geplant an der Unterhütter Straße und ausgelegt auf einen Entnahmebedarf von 132 Kubikmetern Wasser für zwei Stunden – braucht zudem keinen steten Zulauf und ziehe deutlich weniger Unterhaltskosten nach sich. 95 000 Euro gegenüber 144 000 Euro für einen ähnlich dimensionierten Teich überzeugten das Gremium schließlich.

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