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Bildung

Waldmünchens VHS denkt an ihre Auflösung

Die VHS Waldmünchen-Rötz kann die Vorgaben des Landesverbandes nicht erfüllen. Muss sie jetzt der Landkreis-VHS beitreten?
Von Martin Hladik

Die VHS Waldmünchen hat gute Arbeit geleistet, sagen die 2. Vorsitzende Elisabeth Seebauer, 1. Vorsitzende Susanne Nock und Geschäftsführerin Petra Spachtholz. Foto: Martin Hladik
Die VHS Waldmünchen hat gute Arbeit geleistet, sagen die 2. Vorsitzende Elisabeth Seebauer, 1. Vorsitzende Susanne Nock und Geschäftsführerin Petra Spachtholz. Foto: Martin Hladik

Waldmünchen.Das ist bayernweit einmalig: Die VHS Waldmünchen-Rötz könnte sich 2020 gezwungen sehen, aus dem Bayerischen Volkshochschulverband auszuscheiden. Die nach eigener Darstellung kleinste VHS Bayerns schafft es mit knapp 10000 Teilnehmer Doppelstunden nicht, die Mindestanforderung des Landesverbandes von 30000 Teilnehmer-Doppelstunden zu erreichen. Damit könnte sie nicht mehr Mitglied im Landesverband sein und müsste auf Fördergelder verzichten.

Das geht rund 80 kleinen Volkshochschulen in Bayern genauso, sagt der Direktor des Bayerische Volkshochschulverbandes, Wilhelm F. Lang. Allerdings suchten diese 80 jetzt einen Zusammenschluss mit Partnern. Die VHS Waldmünchen-Rötz sei seiner Kenntnis nach die einzige, die ernsthaft ihr Ausscheiden aus dem Volkshochschulverband in Erwägung zieht.

Nach 2020 ist Schluss

Dass das 2020 der Fall sein könnte, hatte die 1. Vorsitzende Susanne Nock am Donnerstag in der Jahresversammlung der VHS vor rund einem Dutzend Mitgliedern und in Anwesenheit der beiden Bürgermeister von Rötz und Waldmünchen deutlich gemacht. Selbst in besten Zeiten habe die VHS nur 17000 Teilnehmer-Doppelstunden geschafft. Derzeit sind es etwas über 10 000. Mit der Tendenz nach unten, wie Nock einräumte. Ein Grund dafür sei eine Prüfung durch die Regierung der Oberpfalz. Die hatte beispielsweise Kurse mit der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, aber auch Kurse wie das Küchelbacken aus der Zählung gestrichen. Begründung laut Nock: Kinder zählen nicht zur Erwachsenenbildung und Küchelbacken sei ein Hobby. Trotzdem hatte die VHS ein gutes Jahr mit einem breiten Angebot an Sprachkursen, vielen Vorträgen, dabei der jemals am besten besuchte zur Datenschutzgrundverordnung in Rötz. Nock: „Da haben die Stühle nicht gelangt!“ Die zweite Vorsitzende Elisabeth Seebauer stellte dar, dass es am Standort Rötz im wesentlichen Gesundheitskurse und Vorträge gebe.

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Nock skizierte kurz, wie es weitergehen könnte. Da auch 2019 nicht die geforderten Teilnehmerzahlen erreicht würden, könne man ab 2020 nicht mehr Mitglied sein. Dann müsse man sich als Verein auflösen. Bis dahin werde man aber weiter das volle Kursprogramm bieten. Um weiter Erwachsenenbildung vor Ort betreiben zu können, gebe es zwei Möglichkeiten, entweder der Landkreis-VHS beizutreten – dazu habe es schon ein Gespräch gegeben –oder eine „interkommunale Zusammenarbeit zu finden, um die gute Arbeit vor Ort fortzusetzen“. Dafür müsse aber noch die rechtliche und die Fördersituation abgeklärt werden.

Die VHS Waldmünchen-Rötz biete ein „ein passgenau zugeschnittes Angebot“ für die beiden Städte, sagte Bürgermeister Markus Ackermann. Man müsse nicht aufgeben, weil man schlecht gearbeitet habe, sondern weil andere einen unpassenden Rahmen vorgeben. Ackermann versprach die Option „transparent“ zu prüfen. Man werde „zeitnah eine gute Lösung finden“. Die Entscheidung des Landesverbandes bezeichnete er als „zentralistisch“.

„Kein Anhängsel sein“

Deutlich wurde Bürgermeister Ludwig Reger (Rötz): „Wir wollen kein Anhängsel werden, dafür bin ich mir zu schade!“ In einem Gespräch nach der Versammlung machten die Bürgermeister deutlich, dass ihnen eine eigenständige Weiterführung der Erwachsenenbildung am liebsten wäre. Dazu müsse geklärt werden, ob dies ehrenamtlich möglich ist, und ob bei 10000 Teilnehmer-Doppelstunden auch ohne den Landesverband gefördert werden kann. Gleichzeitig müsse mit der Kreis-VHS gesprochen werden, um beide Option zu vergleichen.

Der Vortrag zur Datenschutzgrundverordnung war hervorragend besucht. Foto: Susanne Nock
Der Vortrag zur Datenschutzgrundverordnung war hervorragend besucht. Foto: Susanne Nock

Finanziell fahren Rötz und Waldmünchen nach unseren Recherchen derzeit sehr günstig. Laut Haushalt fördern sie die VHS mit 1800 und Rötz mit 511 Euro. Bei den Volkshochschulen im Landkreis muss jede Gemeinde pro Einwohner 1,25 Euro zahlen. Im Falle von Waldmünchen würde dies rund 8400 Euro und im Fall von Rötz rund 4200 Euro bedeuten.

Bereit Waldmünchen und Rötz in die VHS im Landkreis aufzunehmen wäre die Kreis-VHS, macht ihr Geschäftsführer Winfried Ellwanger deutlich. Entscheiden müssten das zwar die Gremien, aber grundsätzlich sei dies im Sinne einer VHS im Landkreis. Dabei würden die Kursangebote vor Ort erhalten bleiben, ist Ellwanger überzeugt. Zusätzlich gebe es den Mehrwert weiterführender Angebote. „Wir sind offen in alle Richtungen“, sagte Ellwanger.

Der Direktor des Bayerischen Volkshochschulverbandes, Wilhelm Lang, machte deutlich, dass der Wunsch von Mindestzahlen und zu einer hauptberuflichen Führung der Volkshochschulen von den Mitgliedern gekommen sei. Das habe mit gesetzlichen Vorgaben, wie Qualitätszertifizierungen zu tun. Einen „vergleichbaren Fall wie Waldmünchen“ kenne er nicht. Lang bat die Bürgermeister, mit ihm Kontakt aufzunehmen. „Vielleicht gibt es eine Lösung. Wir wollen kein Mitglied verlieren.“ Eine Entscheidung werde es vor 2021 vonseiten des Verbandes her nicht geben.

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