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Dienstag, 24. April 2018 20° 3

Tourismus

Wandern: Unterwegs in unwegsamem Gelände

Wenn ein Fernwanderweg wegen Waldarbeiten schwer passierbar ist, fehlen bisher Regelungen für die Wanderer.
Von Martin Hladik

Der Nurtschweg beginnt in Waldmünchen am Perlsee und endet in Waldsassen. Er ist Teil des großen Europäischen Fernwanderweges E6, der von der Ostsee bis an die Adria führt. Fotos: Hladik

Waldmünchen. Der Nurtschweg ist neben dem Goldsteig einer der großen Fernwanderwege die Waldmünchen streifen. Er ist Teil des Europäischen Fernwanderweges E 6 von der Ostsee bis zur Adria und damit für Wanderer durchaus bedeutend. Allerdings wird der Nurtschweg im Vergleich zum Goldsteig eher wenig genutzt.

Der Nurtschweg ist sehr gut ausgeschildert. Foto: Hladik

Zurzeit ist das Teilstück von Waldmünchen nach Weiding in einem kleinen Bereich schwierig zu begehen. Nach der Überquerung der Kreisstraße nach Untergrafenried führt der Wanderweg ein paar hundert Meter über eine kleine Anhöhe auf einen gut ausgebauten Forstweg oberhalb von Spielberg. Auf diesem Teilstück haben in den Wintertagen Arbeiten des Staatsforstes stattgefunden. Der Wanderweg wurde als Rückegasse eines Harvesters genutzt. Entsprechend ist jetzt die Wegbeschaffenheit. In dem bergaufführenden Teilstück ist die Rückestraße für den Harvester mit Ästen und Streu ausgelegt und noch relativ gut zu begehen, wenn auch kein Naturgenuss. Im oberen, flachen Teilstück wird es dagegen matschig. Der Weg ist von Maschinen aufgewühlt. Mit dem Frost vor Ostern war noch eine Begehung möglich, mittlerweile dürfte man nur mit zentimeterdickem Matsch an den Sohlen weiterkommen.

Was ist bei Sperrungen?

Warum ich das alles erzähle? Ganz einfach, ich bin Wanderer und habe die Etappe von Waldmünchen nach Weiding kürzlich begangen. Ich habe mich gefragt, wie geht man eigentlich in einer Tourismusregion mit einem solchen Nutzungskonflikt um? Wanderer sind für Waldmünchen wichtig, die funktionierende Forstwirtschaft aber ebenfalls. Und die braucht heutzutage Harvester, um effizient und wirtschaftlich sinnvoll zu arbeiten. Stimmen sich Forstwirte und Touristiker miteinander ab? Was ist eigentlich, wenn eine Hauptwanderstrecke wegen Fällarbeiten gesperrt werden muss? Gibt es dann eine Umleitung?

Sigrid Frei vom Tourismusbüro in Waldmünchen ist der Zustand des Weges bislang nicht bekannt gewesen. Sie werde Leute vom Bauhof bitten, sich das einmal anzusehen. Sollte eine Umleitung nötig sein, dann werde sie den Markierungswart des OWV, der für den Nurtschweg zuständig sei, informieren.

Waldarbeiten sind auch an Wanderwegen nötig, auch wenn es danach für Wanderer eher unwegsam wird. Was passiert aber, wenn ein solcher Fernwanderweg gesperrt wird? Gibt es dann Umleitungen für Wanderer? Foto: Hladik

Bei Problemen auf Wanderwegen sei man meist auf „Hinweise von außen“ angewiesen, berichtet Frei. Ein direkter Kontakt zwischen den Forstbetrieben und Touristikern sei eher selten. Dann fällt ihr aber eine Szene vom Winteranfang ein. Da habe sich ein Holz-Fuhrunternehmer gescheut, den „Tiefen Graben“ unterhalb von Althütte zu befahren, weil da schon eine Loipe gespurt war. Schließlich habe man mit Forstleuten gesprochen und geklärt, dass das Abholen der Buchenstämme wichtiger sei als die Loipe.

Kommentar

Den richtigen Weg finden

Als Streckenwanderer sind mir rot-weiße Trassierbänder über Waldwegen ein Graus. Meist bedeutet das lange Umwege, weil die Wanderstrecke wegen Fällarbeiten...

Das mit den Wanderwegen sei nicht so einfach, erklärt der stellvertretende Leiter des Forstbetriebes Roding, Harald Schiller. Es gebe so viele, dass man oft nicht wisse, wer genau dafür zuständig sei. Bei den Hauptstrecken wie dem Goldsteig, aber auch beim hier betroffenen Nurtschweg sei das anders. „Die sind bekannt“. Bei dem betroffenen Teilstück bei Untergrafenried habe tatsächlich der Wanderweg als Rückeweg genutzt werden müssen. Das sei sonst nicht üblich. Die Harvesterfahrer bemühten sich, Wanderwege nur zu queren und nicht direkt zu befahren. „Der Weg wird wieder hergerichtet“, versprach Schiller.

Kein festes Regelwerk

Tatsächlich gebe es aber kein Reglement, was Waldarbeiten an Wanderstrecken betreffe. Der Forst weise zwar über die Presse auf Fällarbeiten hin, wenn sie an Straßen oder in der Nähe von Ortschaften stattfinden würden. Ansonsten sei dies aber nicht der Fall. Es gebe allerdings die Sicherheitsabsperrungen im Wald und bei Goldsteig und Nurtschweg möglichst auch eine Umleitung. Ansonsten versuche man, bei den Forstarbeiten möglichst Rücksicht auf die Wanderwege zu nehmen.

Auf dem betroffenen Teilstück hatte der Sturm mehrere Bäume umgelegt.

Als Wanderer kann ich das zum Teil bestätigen. Man erlebt es heutzutage kaum noch, dass ein Baum mit Wander-Markierung abgesägt wird. Fast immer lassen die Harvesterbediener den Stumpf bis zur Höhe der Markierung stehen. Eine Rücksichtnahme für die man als Wanderer ziemlich dankbar ist. Denn nichts ist nerviger, als ein paar Extrakilometer Umweg.

Albert Seidl vom Tourismusreferat im Landratsamt macht deutlich, dass auf Sperrungen von Wanderwegen regelmäßig im digitalen Kartenangebot des Landkreises hingewiesen werde. Nur erfahren müsse man davon. Bei den großen Fernwanderwegen werde außerdem bei längern Sperrungen versucht, eine Umgehung zu markieren.

Mehr über Waldmünchen lesen Sie unter https://www.mittelbayerische.de/region/cham/gemeinden/waldmuenchen/

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