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Heimatgeschichte

Warum haben die Bäume Narben?

Die letzten Zeugen im Strahlfelder Frost erinnern an einen Beruf, der ausgestorben ist – der Harzer oder Pichler und ihre wirtschaftliche Bedeutung
Von Jakob Moro

  • Förster Rainer Wildfeuer und Heimatforscher Kurt Hornauer bei den Pichelbäumen im Strahlfelder Forst Fotos: rjm
  • Hier wird im Schaukasten gezeigt, wie früher Harz gewonnen wurde
  • Die Narbe bleibt: ein Baum von dem einmal Harz gewonnen wurde

Strahlfeld.Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen ist heute in aller Munde. Dies ist im Grunde nichts Neues. Früher war es eine Selbstverständlichkeit, mit den Ressourcen der Natur vorsichtig umzugehen. Ein Beispiel war die Nutzung des Waldes zur Harzgewinnung, die heute in Vergessenheit geraten ist.

Wie früher der Wald genutzt wurde: Beispiel Harzgewinnung

Die Gewinnung von Roh-Harz ist eine alte Waldnutzung, die schon aus der Steinzeit bekannt ist und in Deutschland bis Mitte des 20. Jahrhunderts ausgeübt wurde. Das Harz wurde als Dichtungsmittel bei Schiffen und Fässern verwendet, war aber auch wichtigstes Ausgangsprodukt bei der Herstellung von Pech, Pech-Öl, Wagenschmiere und Druckerschwärze. Durch weitere chemische Behandlung wurden auch Lacke, Fette, Zelluloid und Linoleum hergestellt.

Nach einer Verletzung versucht die „Waldkiefer“ ihre Wunden mit Harz zu verschließen. Diesen Vorgang machte man sich zunutze und entfernte im zeitigen Frühjahr mittels eines Fassschabers die Borke der Kiefer, so dass die innere rote Borke zutage kam. Diesen Vorgang nannte man Röteln.

Nach diesen Vorarbeiten wurde bei Eintritt des warmen Wetters mit dem Reißhaken im Fischgrätenmuster der Stamm angerissen (Risserverfahren) und eine senkrechte Rille bis zum Rand des Röttelstreifens gezogen.

Dort wurde ein Sammelblech eingeschlagen und das austretende Harz in einem Tontopf aufgefangen. Alle drei bis vier Tage musste neu geschnitten werden, um den Harzfluss erneut anzuregen. Die Risse wurden unmittelbar aneinandergereiht, so dass eine große Wunde entstand, die sogenannte Lachte. Eine gesunde Kiefer konnte so pro Jahr 1,5 bis 5 Kilogramm Harz liefern. Verwendete heimische Bäume waren unter anderem Kiefer und die Lärche. Mit 90 bis 120 Jahren befand sich eine Kiefer/Föhre im günstigsten Alter zur Harzgewinnung. In der DDR wurde noch bis zur Wende in großem Umfang auf diese Weise Harz gewonnen. Durch diese Verletzungen und das „Ausbluten“ des Holzes wurde dieses als Bau- oder Nutzholz weitgehend unbrauchbar. Das war ein Grund, warum zwischen Harzern und Forstleuten „Feindschaft“ herrschte.

Was Harzer, Pechler und Pechsieder gemacht haben

Früher gab es auch bei uns den Beruf des Harzers. Heute ist dieser „ausgestorben“. Die Tätigkeit des Harzens ist weitgehend verschwunden. Es war früher ein eigenständiger Beruf, teils wurde er als Zubrot nebentätig ausgeübt. Harz wurde zur Herstellung von Pech, Teer und Terpentin benötigt.

Ab den 1960ern kam dieses Gewerbe jedoch langsam zum Erliegen. Grund dafür waren vor allem Billigimporte aus den ehemaligen Ostblockländern sowie aus der Türkei, aus Griechenland und aus Portugal. Hinzu kamen noch Fortschritte in der technischen Chemie, die das Harz als Rohstoff in vielen Bereichen überflüssig machten. Der jährliche Bedarf der chemischen Industrie in Deutschland an Naturharzen wird auf 31 000 Tonnen geschätzt. Ein Großteil dieser Naturharze wird importiert. Es wird zur Herstellung von Farben, Lacken und Klebstoffen benötigt.

Der Stoff, der auch in jedem Kaugummi steckte

Das wohl bekannteste natürliche Harzprodukt ist Kolophonium, das vorwiegend aus dem Harz von Kiefern und Fichten gewonnen wird und in vielen Produkten Verwendung findet, zum Beispiel als Klebstoff für Heftpflaster, in Kaugummi und zur Behandlung der Bogenhaare bei Streichinstrumenten. Kolophonium ist der feste Rückstand, der beim Erhitzen von Nadelbaumharz nach Abdestillieren des Terpentinöls anfällt.

An einem Schaukasten auf dem Gelände der Bogenschützen in Unterlintach ist zu sehen, welches Handwerkszeug zur Harzgewinnung früher notwendig war.

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