MyMz
Anzeige

Was Corona mit den Versicherungen macht

Versicherungsexperte Karl Wutz erklärt, welche Auswirkungen die Pandemie auf den Versicherungsschutz hat.
Von Karl Wutz

Wer sich mit Corona infiziert oder seinen Betrieb schließen musste, stellt sich auch die Frage: Was deckt die Versicherung ab?
Wer sich mit Corona infiziert oder seinen Betrieb schließen musste, stellt sich auch die Frage: Was deckt die Versicherung ab? Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Cham.Das Coronavirus dominiert die Medien. So stellten Leser uns in der letzten Zeit auch viele Fragen, die mit dem Versicherungsschutz zusammenhängen. Wir möchten hier kurz auf die wichtigsten Sparten eingehen. Bitte beachten Sie, dass es sich hier nur um eine allgemeine Einschätzung der aktuellen Lage am Versicherungsmarkt handeln kann. Je nach Versicherer und Tarif kann es Abweichungen in den Bedingungen geben.

Betriebshaftpflicht: Es ist ein rein theoretisches Szenario, dass Ihr Betrieb wegen Schadenersatzforderungen angegangen wird, weil Sie oder ein Mitarbeiter im beruflichen Einsatz jemand Dritten infizierten. Bei Missachtung der Sorgfaltspflichten und einer nachgewiesenen Ansteckung durch jemanden aus Ihrem Team, kann grundsätzlich aber wirklich ein Anspruch entstehen, für den Sie geradestehen müssten. Einen Ausschluss bezüglich der Verbreitung von Krankheiten gibt es in der gewerblichen Haftpflicht in aller Regel aber nicht, womit Versicherungsschutz über eine Betriebshaftpflicht bestehen dürfte.

Rechtstipp

Mangelprodukte sind ein Verkaufsrisiko

Unser Experte informiert rund um die kaufrechtliche Mängelhaftung und warum oft kein Versicherungsschutz besteht.

Kein Geld bei Schließung

Karl Wutz
Karl Wutz Foto: Karl Wutz

Betriebsunterbrechungsversicherung: Ihr Ertragsausfall wird in der Regel nicht über die Betriebsunterbrechungsversicherung gedeckt, da hier immer ein Sachschaden vorausgehen muss. Wenn Ihr Betrieb (freiwillig oder behördlich angeordnet) schließt, erfüllt das die Voraussetzung ebenso wenig wie ein Einbruch des Absatzes.

Recht

So können Unternehmen Risiken vorbeugen

Unser Experte rät Unternehmern, sich in puncto möglicher Strafverfahren abzusichern – und gibt Beispiele aus der Praxis.

Betriebsschließungsversicherung: Das ist die „naheliegendste“ Sparte, um das Ausfallrisiko zu versichern. Doch auch in diesem Bereich zeichnet sich ab, dass die Auswirkungen der Corona-Krise von den Versicherern nicht übernommen werden. In gängigen Bedingungswerken gibt es eine namentliche Aufzählung der versicherten Krankheiten. Als neue Erkrankung kann Corona in keiner Aufzählung enthalten sein. Einige wenige Anbieter beziehen sich bei der Aufzählung in ihrem Bedingungswerk zudem auf Paragrafen des Bundesinfektionsgesetzes. Hier kann noch keine klare Aussage getroffen werden, ob Schutz besteht oder nicht. Es finden derzeit branchenweit Gespräche auf oberster Ebene statt. Wichtig: Als Leistungsauslöser ist eine individuelle Schließung aufgrund einer Infektion in der Belegschaft notwendig. Eine allgemeine behördlich angeordnete Schließung, auch regional, genügt in der Regel nicht. Das gilt auch für freiwillige Schließungen. Diese Sparte steht nur einer sehr kleinen Gruppe von Branchen – meist lebensmittelverarbeitende Betriebe – offen. Im Zuge der Corona-Krise zeichnet derzeit kein uns bekannter Versicherer noch Neugeschäft.

Unser Experte

  • Autor:

    Karl Wutz ist Versicherungsmakler und Experte für Gewerbliche und Industrielle Sachversicherung (DMA).

  • Fachgebiete:

    Er betreut überwiegend mittelständische Unternehmen und bietet spezielle Deckungskonzepte über alle Versicherungssparten und Branchen.

  • Kontakt:

    Karl Wutz, Versicherungsmakler GmbH & Co. KG, Chamer Höhe 2, 93455 Traitsching/Wilting, Telefon (0 99 71) 39 29 90 0, E-Mail info@wutz-versicherungsmakler.de

Keine neuen Betriebsausfallversicherungen

Praxis-/Betriebsausfallversicherung: Hier steht primär die versicherte Person, etwa der Inhaber, im Fokus. Diese Ausfalldeckung übernimmt Unterbrechungsschäden, die daraus resultieren, dass die versicherte Person erkrankt oder durch einen Unfall ausfällt. Für den Bereich Quarantäne gibt es jedoch eine Erweiterung auf den Betrieb selbst, für den Fall, dass Maßnahmen oder Verfügungen einer Gesundheitsbehörde oder ihr gleichgestellter Organe, die anlässlich einer Seuche oder Epidemie ergehen und die den Betrieb oder die namentlich genannte, den Betrieb verantwortlich leitende Person betreffen. Auch hier braucht es also den konkreten Infektionsfall wie bei der Betriebsschließungsversicherung. Auch diese Sparte steht aber nur wenigen Branchen offen, in der Regel sind das Heilberufe und Kammerberufe. Auch in dieser Sparte wird seit Corona kein Neugeschäft mehr gezeichnet.

Weitere Beiträge aus unserer Rechtsserie finden Sie hier

Recht

Was tun, wenn die Maschine streikt?

Wenn die Geräte ausfallen, steht der Betrieb still. Unser Rechtsexperte erklärt, wie sich Unternehmer absichern können.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht