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Was darf im Arbeitszeugnis stehen?

Im Arbeitszeugnis wird eine besondere Sprache verwendet. Unser Rechts-Experte klärt auf, was dahintersteckt.
Von Christoph Treml

Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein durchschnittliches, wohlwollendes Arbeitszeugnis, sagt die Rechtsprechung. Foto: Jens Büttner/dpa

Cham.Das Arbeitszeugnis ist eine Bescheinigung des Arbeitgebers über die Arbeitstätigkeit des Arbeitnehmers. Es wird üblicherweise als End-Arbeitszeugnis nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses ausgestellt und kann zusätzlich währenddessen als Zwischen-Arbeitszeugnis erteilt werden, wenn hierfür ein Grund besteht. Generell hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch darauf. Das Arbeitszeugnis muss in einer sauberen Form auf dem Briefpapier des Arbeitgebers abgefasst sein und darf keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler enthalten.

Zu unterscheiden ist das einfache Arbeitszeugnis von dem qualifizierten Arbeitszeugnis. In einem einfachen Arbeitszeugnis wird lediglich das Arbeitsverhältnis selbst bestätigt, also wie lange das Arbeitsverhältnis dauerte und welche Tätigkeiten im Einzelnen vom Arbeitnehmer ausgeführt wurden. Der Arbeitnehmer und dessen Arbeitsleistung an sich werden hierbei nicht bewertet.

Die klassische Notenskala

Christoph Treml

In einem qualifizierten Arbeitszeugnis hingegen werden neben der Bestätigung des Arbeitsverhältnisses auch das Fachwissen des Arbeitnehmers, seine Leistungsbereitschaft, Arbeitsweise, Arbeitsqualität, Belastungsfähigkeit und sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern bewertet. Die Bewertung der Teilbereiche erfolgt üblicherweise anhand der klassischen Notenskala 1-6. Leider geschieht es des Öfteren, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer ein schlechtes Arbeitszeugnis ausstellt, ohne dass der Arbeitnehmer dies auf Anhieb erkennt. Dies liegt daran, dass im Arbeitszeugnis eine besondere Zeugnissprache verwendet wird.

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Auch eine schlechte Bewertung des Arbeitnehmers kann sich in einem Arbeitszeugnis auf den ersten Blick positiv anhören. Erst auf den zweiten Blick lässt sich erkennen, was der Arbeitgeber wirklich meint. Wenn er beispielsweise davon spricht, dass der Arbeitnehmer die ihm übertragenen Aufgaben „stets zu seiner vollsten“ Zufriedenheit erledigt hat, entspricht dies einer sehr guten Leistung (Note 1). Sofern die Aufgaben nur „zu seiner vollsten“ Zufriedenheit erledigt wurden, stellt dies nur noch eine gute Leistung (Note 2) dar. Die Bewertung „zur vollen Zufriedenheit“ lässt nur noch eine befriedigende Leistung (3) erkennen.

Unser Experte

  • Autor

    Rechtsanwalt Christoph Treml ist Partner der Kanzlei T & P Treml und Partner mbB aus Cham.

  • Fachgebiet

    Christoph Treml ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht sowie Bank- und Kapitalmarktrecht. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt in der Beratung zu arbeitsrechtlichen sowie insolvenzrechtlichen Fragestellungen.

  • Kontakt

    T & P Treml und Partner mbB, Rosenstraße 8, Cham, (0 99 71) 99 69 90, Mail cham@tp-partner.com , www.tp-partner.com

Wohlwollende Formulierungen

An diesem Beispiel ist aufgezeigt, welcher Wert auf die genaue Wortwahl in einem Arbeitszeugnis gelegt wird und dass bereits eine kleine Wortänderung von „vollsten“ zu „vollen“ eine um eine Notenstufe schlechtere Bewertung darstellen kann. Diese besondere Zeugnissprache hat ihren Ursprung darin, dass von Seiten des Gesetzgebers und der Rechtsprechung gefordert wird, dass ein Arbeitszeugnis stets wohlwollend formuliert sein muss. Dem Arbeitnehmer ist zu raten, den Inhalt seines Arbeitszeugnisses genau zu prüfen.

Weiterhin sollte er auf die Form des Arbeitszeugnisses achten, da dies auch indirekt über den Arbeitnehmer und dessen Arbeitsleistung etwas aussagen kann. Eine unsaubere Form, ein schiefer Briefkopf oder ein deutlich erkennbarer Knick können eine indirekte schlechte Bewertung des Arbeitnehmers bedeuten.

Beim gerichtlichen Streit über das Arbeitszeugnis wird es von der Rechtsprechung so gesehen, dass jeder Arbeitnehmer grundsätzlich Anspruch auf ein durchschnittliches, wohlwollendes Arbeitszeugnis hat.

Wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer schlechter bewerten will, muss er hierfür Gründe haben und diese nachweisen können. Umgekehrt gilt jedoch auch, dass der Arbeitnehmer, der eine überdurchschnittliche Bewertung begehrt, nachweisen muss, dass er auch eine überdurchschnittliche Leistung erbracht hat. Im Zweifelsfall sollte der Arbeitnehmer das Zeugnis von einem Fachanwalt überprüfen lassen, da die Feinheiten oft schwer zu erkennen sind.

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