mz_logo

Region Cham
Dienstag, 17. Juli 2018 27° 3

Entwicklung

Was die Stadt Roding von „Walter“ lernt

Bürgermeister Reichold erzählt beim Neujahrsempfang eine Überlebensgeschichte. Das Signal darin lautet Mut – auch für Roding.
Von Rupert Schlecht

Hände schütteln, immer wieder Hände schütteln: Bürgermeister Franz Reichold und seine Frau Roswitha heißen zusammen mit dem Kommandeur des Versorgungsbataillons 4, Jörg Witoschek, die Gäste des Neujahrempfangs 2018 in der Rodinger Stadthalle willkommen. Foto: R. Schlecht
Hände schütteln, immer wieder Hände schütteln: Bürgermeister Franz Reichold und seine Frau Roswitha heißen zusammen mit dem Kommandeur des Versorgungsbataillons 4, Jörg Witoschek, die Gäste des Neujahrempfangs 2018 in der Rodinger Stadthalle willkommen. Foto: R. Schlecht

Roding.„Manchmal erlebt man Situationen, in denen man sehr, sehr nachdenklich wird.“ So ist es Bürgermeister Franz Reichold nach eigenem Bekunden „bei vielen Themen“ gegangen, die 2017 passiert sind. „Manchmal wollte ich schon zurückstecken.“ Reichold sei dann aber eine schier unglaubliche Geschichte in den Sinn gekommen. Genau die hat er beim Neujahrsempfang von Stadt und Versorgungsbataillon 4 in der Stadthalle am Donnerstagabend Hunderten Gästen nicht vorenthalten.

„Mein Freund Walter hatte einen schweren Motorradunfall. Dabei verlor er die Finger seiner linken Hand.“ Davon unbeirrt lernte er, ein Flugzeug zu steuern, ehe er sich bei einem Absturz stark verletzte. Schließlich traf er die Frau seines Lebens auf einem Behindertenkongress, erfand ein System für digitales Schreiben und schrieb sich hoch zum erfolgreichen Buchautor. Reichold meint: Dazu passe das Zitat des Philosophen Epiktet: „Was uns nicht umbringt, macht uns stärker.“

„Was man daraus macht“

Walters Geschichte rege freilich zum Reflektieren an: Der eine oder andere, „und ich bin sicher, es sind nicht wenige“, habe voriges Jahr ebenfalls manch schmerzlichen Momente erlebt. „Vielleicht“, sagt Reichold, „weil sie geschäftlich und beruflich Rückschläge hinnehmen mussten, oder, weil sie einen geliebten Menschen verloren haben.“ Oder es habe jemand dies befunden: „Du bist zu alt, ich kann dich für die neue Aufgabe nicht mehr brauchen.“ In solchen Momenten sollte man an jenen Walter denken: „Nichts, was passiert, ist wirklich wichtig. Wichtig ist, was man daraus macht.“

Das Bestreben, sich weiterzuentwickeln, gelte auch für Roding. Gemäß dieser Maxime lege der Stadtrat unter anderem Wert darauf, dass die Einrichtungen „für unsere Kinder sowie Schülerinnen und Schüler optimal in Schuss sind“. In Mitterdorf sei zwischen Frühjahr und Dezember die Kinderkrippe fertiggestellt worden. In der Kaserne gebe es die „Wilde 13“, eine Kinderbetreuungs-Einrichtung für die Kinder der Soldatinnen und Soldaten.

Lob gelte den Vereinen: Sie würden dazu beitragen, dass Feste, Jubiläen und Veranstaltungen abgehalten werden. Und dank politischer Unterstützung sei der überregionale Straßenbau seit der Tieferlegung der B 85 in Wetterfeld so richtig in Schwung gekommen. Im unmittelbaren Anschluss der Fertigstellung dieser Untertunnelung sei der Spatenstich für den Weiterbau zwischen Piendling und östlich Altenkreiths auf den Weg gebracht worden. Die Ortsumgehung von Neubäu am See stehe kurz vor der Fertigstellung.

„Erfreulicherweise haben wir immer wieder Neuansiedlungen und erhebliche Betriebserweiterungen, so dass wir auch bei der Ausweisung von Gewerbegebieten keinen Stillstand haben dürfen.“

Franz Reichold

Ohne Moos, nichts los, oder mit Reicholds Worten: „In unserem kommunalen Haushalt ist die Gewerbe- und Einkommenssteuer eine wichtige Säule dieser Einnahmen – Sie beträgt bei der Gewerbesteuer immerhin 37 Prozent und bei der Einkommensteuer 26 Prozent.“ Deshalb sei es im Stadtrat eine wichtige Aufgabe, Infrastruktur, sei es bei Straßen, Kanälen und Wasserleitungen, zu erhalten. Die Breitbandversorgung könne, „so wie es aussieht“, 2019 für den gesamten Stadtbereich abgeschlossen werden. Die vielen Einpendler, „die wir in der Stadt haben“, müssten zu Einwohnern gemacht werden. „Deshalb brauchen wir Baugebiete. Erfreulicherweise haben wir immer wieder Neuansiedlungen und erhebliche Betriebserweiterungen, so dass wir auch bei der Ausweisung von Gewerbegebieten keinen Stillstand haben dürfen.“ Und ein weiteres Muss: „Auch wenn der ökologische Ausgleich für unsere Gewerbegebiete in die Hunderttausende Euros geht, müssen wir bestehende Industriegebiete deutlich erweitern.“ Er sei kein Pessimist, aber die lineare Fortschreibung einer aktuell schwierigen Gegebenheit decke sich meist nicht mit der dann tatsächlich stattfindenden Entwicklung. Um es flapsig zu formulieren: „Gestern standen wir am Rande des Abgrundes, heute sind wir schon einen Schritt weiter“ – bedeutet, „dass wir nicht in den Abgrund gefallen sind, sondern dass wir einen anderen Weg finden werden“. Unterstützt werde Roding von Landrat Löffler samt Behörde und der Regierung der Oberpfalz mit Präsident Bartelt. „Die wissen auch, dass ohne Mehrwert, der in der Fabrik oder im Handwerk erarbeitet wird, der hohe Standard, den wir uns zum Beispiel im Umweltschutz leisten, nicht finanziert werden könnte.“

Die Stadt braucht Wohnbauland

„Wir haben jetzt bereits fast 9000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze bei uns in der Stadt und eine Arbeitslosenquote, die deutlich unter zwei Prozent liegt.“ Reicholds Worten nach leben „bei uns“ Bürger aus über 80 Nationen. Die Kommune müsse also auch Wohnbauland ausweisen. Allergrößten Wert lege die Stadt darauf, dass es auch künftig eine stationäre Krankenversorgung vor Ort gibt. Sana müsse es gelingen, ein neues Konzept vorzulegen, das die Zukunftsfähigkeit des Rodinger Krankenhauses sichert.

Alfons Fischer engagiert sich unter anderem für die Natur. Fotos: R. Schlecht
Alfons Fischer engagiert sich unter anderem für die Natur. Fotos: R. Schlecht

Zurück zur Geschichte über Walter. Dieser habe konstatiert: „Vor meiner Querschnittslähmung konnte ich eine Million verschiedene Dinge tun; nun kann ich nur noch 990 000 Dinge tun.“ Aber, welcher Mensch von Verstand würde sich wohl grämen über 10 000 Dinge, die er nicht mehr machen kann, wenn ihm noch 990 000 bleiben? – In diesem Kontext trifft der Satz des griechischen Philosophen Epiktet per se selbst auf Roding zu: „Was uns nicht umbringt, macht uns stärker.“

Nach den Reden stand ein Höhepunkt des Neujahrsempfanges an: Bürgermeister Reichold verlieh die Verdienstmedaille der Stadt an zwei verdiente Bürger. In seiner Laudatio würdigte er Gerd Lehner und Alfons Fischer.

Alfons Fischer, Jahrgang 1949, stammt aus einer Landwirtschaft, hat eine Lehre zum Metallfacharbeiter bei der Firma Vaillant abgeschlossen und war dort bis zu seiner Rente beschäftigt. Ehrenamtlich engagiert sich Fischer seit Jahren für die Natur und trägt damit direkt zum Umweltschutz bei. Er ist seit 1984 bei der Naturschutzwacht des Landkreises Cham tätig, betreut die Weißstörche bei Wetterfeld und sorgt dafür, dass bei der jährlichen Amphibien-Wanderung diese Tiere durch entsprechende Zäune abgehalten werden. Fischer hat zudem Kartierungsarbeiten zum Bayerischen und Deutschen Brutvogelatlas erstellt. Mit Peter Zach erfasste er in der Regentalaue die Vogelwelt. Für diese Tätigkeiten hat Fischer 1991 den Umweltschutzpreis des Landkreises erhalten, und 2004 wurde ihm ob seiner Verdienste für den Naturschutz die Bayerische Staatsmedaille verliehen.

Er engagiert sich auch in anderen Vereinen, wie dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern seit 1970, in der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern seit 1978, im Verein zum Schutze für bedrohte Lebensräume in der Oberpfalz. Zudem ist er Mitglied der Feuerwehr Obertrübenbach.

Dem Naturschutz verschrieben

Seine Hobbys liegen auch im Feld der ehrenamtlichen Tätigkeit. Neben Naturschutz begeistert er sich für die Geschichte der Kulturlandschaft und die Naturgeschichte. Auch interessiert ihn die Entwicklung der Landwirtschaft.

Gerhard Lehner hat sehr oft bewiesen, dass ein Ehrenamtler vielseitig ist. Foto: R. Schlecht
Gerhard Lehner hat sehr oft bewiesen, dass ein Ehrenamtler vielseitig ist. Foto: R. Schlecht

Gerhard Lehner, Jahrgang 1941, hat eine erfolgreiche Beamtenlaufbahn im Landkreis Roding und später im Landkreis Cham hinter sich. Zunächst als Beamter im Mittleren Dienst stieg er bis zur Endstufe des Gehobenen Dienstes auf. Er ging als Oberamtsrat im Januar 2007 in Pension und hatte während seiner Tätigkeit im Landratsamt Positionen inne, die Menschen schon alleine beruflich sehr fordern. Er war zuständig für den Sitzungsdienst, Leiter des Personalbüros, Mitarbeiter im Bereich der Geschäftsleitung und zuletzt Leiter des Kreisrechnungsprüfungsamtes.

Trotz der beruflich hohen Anforderungen war Lehner nach seiner sportlichen Karriere als Fußballer beim TB 03 Roding bereits früh – von 1961 bis 1962 – als Schriftführer tätig. In der Fußball-Abteilung des TB war er von 1968 bis 1970 Leiter, dann wieder bis 1974 Schriftführer und seit 1974 übt er das Amt des Kassiers aus. Ohne leistungsfähigen Kassier geht in einem Verein fast gar nichts, so Reichold. Noch dazu in einem Sportverein, der Jahr für Jahr erhebliche finanzielle Mittel abwickelt. Dabei gehe es nicht nur darum, Einnahmen und Ausgaben zu buchen und gegenüberzustellen, sondern die Geldmittel des Vereins zusammen mit der Vorstandschaft zu verwalten und dafür zu sorgen, dass keine Schuldenberge entstehen. „Gerd Lehner tut dies seit Jahrzehnten gewissenhaft und zum Wohle der Fußballabteilung des TB 03 Roding“, sagte er.

Mitglied in zahlreichen Vereinen

Wegen seiner großartigen ehrenamtlichen Leistungen hat er vom TB 1965 die Vereinsehrennadel in Silber und 1976 die Vereinsehrennadel in Gold erhalten. 2003 wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. 1991 bekam Lehner das Verbandsehrenzeichen in Gold des Bayerischen Fußballverbands und 2014 vom BLSV die Verdienstnadel in Gold mit Brillanten und Kranz.

Lehner ist auch anderen Bereichen engagiert und zeigt, dass ein Ehrenamtler vielseitig ist. Egal ob beim BRK, der Feuerwehr, der CSU, der KAB, beim OGV, beim MSC, beim Förderkreis Heilbrünnl, beim Verein für Heimatgeschichte, bei den Burschen, beim Naturparkverein und beim FCN-Fanclub.

Mehr Nachrichten aus der Region Roding lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht