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Was Sie bei einer Kündigung tun müssen

Beendet der Arbeitgeber ein Arbeitsverhältnis, müssen Betroffene einiges beachten. Unser Experte erklärt wichtige Schritte.
Von Christoph Treml

Im Falle einer Kündigung sollte der Arbeitnehmer die Meldefrist beachten und eine Beratung in Anspruch nehmen. Foto: picture alliance / dpa
Im Falle einer Kündigung sollte der Arbeitnehmer die Meldefrist beachten und eine Beratung in Anspruch nehmen. Foto: picture alliance / dpa

Cham.Für viele Arbeitnehmer ist die Kündigung durch den Arbeitgeber wohl eines der einschneidendsten Erlebnisse im Arbeitsverhältnis. Für den Arbeitgeber manchmal nur eine fast beiläufige Entscheidung, hat sie für den Arbeitnehmer große Bedeutung. Die Ängste, die mit einer Kündigung einhergehen, sind groß: die Arbeitslosigkeit, der Gang zum Arbeitsamt, Bewerbungen und die Angst, keine neue Arbeit zu finden und dann Arbeitslosengeld II – im Volksmund Harz IV – beantragen zu müssen. Deswegen ist es wichtig, nach dem Erhalt einer Kündigung kühlen Kopf zu bewahren und richtig zu handeln.

Christoph Treml
Christoph Treml

Zunächst sollte man sich bei der zuständigen Stelle der Bundesagentur für Arbeit melden und den Erhalt der Kündigung mitteilen. Dies sollte man äußerst kurzfristig erledigen, da eine gesetzliche unverzügliche Meldepflicht besteht. Für den Fall, dass die Meldung nicht unverzüglich erfolgt, kann – sofern keine ausreichende Entschuldigung für die verspätete Meldung vorliegt – bei dem späteren Arbeitslosengeldbezug seitens der Bundesagentur für Arbeit eine Sperrzeit verhängt werden. Das führt dazu, dass für einen bestimmten Zeitraum keine Leistungen ausbezahlt werden.

Das können Sie gegen die Kündigung tun

Als weiterer Schritt sollte man prüfen oder prüfen lassen, ob die Kündigung rechtmäßig erfolgte und ob die Einreichung einer Kündigungsschutzklage sinnvoll ist. Entscheidend ist dabei, ob auf das Arbeitsverhältnis, und damit auch auf die Kündigung, das Kündigungsschutzgesetz Anwendung findet oder sogar ein Kündigungsverbot bestand. Die Voraussetzungen für die jeweilige Anwendung sind sehr speziell und müssen für jeden Einzelfall gesondert geprüft werden.

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Sofern das der Fall ist, bestehen für den Arbeitnehmer gute Möglichkeiten, sich gegen die Kündigung zur Wehr zu setzten. Beispielhaft ist anzuführen, dass, wenn das Kündigungsschutzgesetz Anwendung findet, und der Arbeitgeber eine betriebsbedingte Kündigung ausspricht, der Arbeitgeber zuvor eine Sozialauswahl durchzuführen hat. Das bedeutet, dass er die sozialen Kriterien aller miteinander vergleichbaren und austauschbaren Arbeitnehmer eines Betriebs prüfen muss und lediglich die am wenigsten schutzwürdigen Arbeitnehmer kündigen darf. Kündigungen, bei denen der Arbeitgeber die Dauer der Betriebszugehörigkeit, das Lebensalter, die Unterhaltspflichten und die Schwerbehinderung des Arbeitnehmers nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt hat, wären unwirksam.

Zum besseren Verständnis ist beispielhaft anzuführen, dass bei Anwendbarkeit des Kündigungsschutzgesetztes der Arbeitnehmer A, der 40 Jahre alt ist, fünf Jahre im Betrieb ist und zwei minderjährige Kinder hat, allgemein schutzwürdiger ist als der Arbeitnehmer B, der der die gleiche Tätigkeit ausführt, aber erst 35 Jahre alt und erst zwei Jahre im Betrieb ist und keine Kinder hat. In diesem Beispiel müsste im Rahmen der Sozialauswahl bei Aussprache nur einer Kündigung die Auswahl auf den Arbeitnehmer B fallen. Eine Kündigung nur des Arbeitnehmer A wäre unwirksam. Bei gerichtlicher Überprüfung der Kündigung müsste der Arbeitgeber diese Sozialauswahl aufzeigen.

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Was, wenn die Kündigung unwirksam ist?

Wenn die Kündigung des Arbeitnehmers unwirksam ist, hat dieser einen Anspruch auf die Fortsetzung seines Arbeitsverhältnisses. Unter bestimmten Umständen, etwa bei Unzumutbarkeit der Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses, kann der Arbeitnehmer auch eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses unter Zahlung einer Abfindung fordern. Im Rahmen einer gerichtlichen Überprüfung ist die Zahlung einer Abfindung zur Beendigung des Rechtsstreits oft der Regelfall.

Unser Experte

  • Autor:

    Rechtsanwalt Christoph Treml ist Partner der Kanzlei T & P Treml und Partner mbB aus Cham.

  • Fachgebiet:

    Christoph Treml ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht sowie Bank- und Kapitalmarktrecht. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt in der Beratung zu arbeitsrechtlichen sowie insolvenzrechtlichen Fragestellungen.

  • Kontakt:

    T & P Treml und Partner mbB, Rosenstraße 8, Cham, (0 99 71) 99 69 90, Mail cham@tp-partner.com , www.tp-partner.com

Wichtigster Punkt ist, dass für die gerichtliche Überprüfung der Kündigung eine Frist besteht. Diese beträgt drei Wochen. Sofern der Arbeitnehmer nicht innerhalb dieser Frist von drei Wochen eine Kündigungsschutzklage erhebt, ist es kaum noch möglich, gegen die Kündigung vorzugehen. Die Thematik der Kündigung kann äußerst kompliziert und einzelfallbezogen sein. Dem gekündigten Arbeitnehmer ist demnach anzuraten, sich im Falle der Kündigung kurzfristig fachmännisch beraten zu lassen.

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