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Stadtrat

Was wird aus der Feuerwehr?

Was wird aus der Ortsfeuerwehr, wenn das Auto woanders steht? Der Bedarfsplan für Chams 14 Wehren plant deren Zukunft.
Von Christoph Klöckner

Eine neue Drehleiter für die Chamer FFW ist im Anrollen. Die Abstimmung mit der Feuerwehr Cham ist Ende Mai gelaufen und die europaweite Ausschreibung jetzt in Vorbereitung. Foto: wb
Eine neue Drehleiter für die Chamer FFW ist im Anrollen. Die Abstimmung mit der Feuerwehr Cham ist Ende Mai gelaufen und die europaweite Ausschreibung jetzt in Vorbereitung. Foto: wb

Cham.Während das Feuerwehrauto wegzieht, sollen die Menschen und ihre Feuerwehrvereine dort bleiben, wo sie heute sind. Unverzichtbar seien diese Vereine für die Dörfer, für das Miteinander und den Zusammenhalt, betonte Bürgermeisterin Karin Bucher am Dienstagabend in der Stadtratssitzung. Vorgestellt worden ist dort der Feuerwehrbedarfsplan, der im Auftrag der Stadt vom Fachbüro Andreas Dittlmann erstellt wurde. Detailliert wurden darin Bereiche wie Ausbildung, Fahrzeugkonzept und Feuerwache, Alarmierung oder auch Löschwasserversorgung in dem Gutachten untersucht und Lösungen bei erkennbaren Problemen vorgeschlagen.

Er ist nicht nur optisch ein Schwergewicht mit seinen fast 500 Seiten. Sondern er beinhaltet offensichtlich auch manchen Zündstoff, wie bei der Vorstellung durch Ordnungsamtsleiter Michael Bücherl und Ergänzungen durch die Bürgermeisterin deutlich wurde. Vor allem die Zusammenlegung verschiedener Freiwilliger Feuerwehren könnte ein solcher Knackpunkt sein, denn bisher bestehen in 14 einzelnen Ortsteilen eigene Feuerwehren.

Eine Wache-Ost für die Zukunft?

Das Gutachten schlägt etwa als „absolut notwendig“ für die Zukunft den Neubau einer „Wache-Ost“ vor. Die würde aus der Zusammenlegung der Feuerwehren Chammünster, Chameregg, Gutmaning und Hof gebildet. Da in Chammünster sowieso ein neues Feuerwehrhaus gebaut werden müsse, biete sich eine solche „Wache-Ost“ an, meinte Karin Bucher. Es gebe hierzu „unterschiedliche Ansichten“, so Bücherl, doch seien die Feuerwehren in den Gesprächen durchaus offen und konstruktiv – und „keinesfalls kategorisch ablehnend“ gewesen. Auch, wenn der Bedarfsplan verabschiedet werde, werde er nicht von jetzt auf gleich umgesetzt, erläuterte Karin Bucher. Der Grundgedanke sei die Zukunftssicherung der Hilfeleistung. Die entscheidende Frage sei für die betroffenen Feuerwehren, wo solch eine Wache-Ost hingebaut werden solle.

Stadtrat Martin Stoiber schlug vor, etwa die Internetanbindung der Feuerwehrhäuser vorzuziehen, um sie zeitgemäß auszustatten. Bürgermeisterin Bucher wies darauf hin, dass der Bedarfsplan im Herbst beschlossen werden soll, „doch dann wird nicht gleich ein Auto gekauft!“ Nach und nach würden die Punkte umgesetzt, wie etwa die Empfehlungen zum Führerschein für Feuerwehrler oder die Internetanschlüsse. Sie selbst habe gerade dieses Thema vor zwei oder drei Jahren vorgeschlagen, sei aber damals im Stadtrat damit gescheitert, erinnerte sie.

Eine Zusammenführung bei den Feuerwehren zu versuchen, sei richtig, befand Stadtrat Dr. Herbert Weidacher. Wo es möglich sei, solle man die Strukturen straffen. Das Anliegen der Stadt sei, die Feuerwehren auch künftig gut aufzustellen, so Bucher. Niemand spreche davon, die Feuerwehrvereine wegzubringen. Die leerstehenden Gerätehäuser könnten dann als Vereinsheime genutzt werden. Die Vereine seien auch dann wichtig, wenn es eine Wache-Ost gebe.

Noch ein Extra-Gespräch

Welche Nachteile eine Verringerung der 14 Wehren etwa im Hochwassereinsatz haben könnte, wo bisher alle gemeinsam dezentral losschlagen als Lehre aus dem Hochwasser von 2002, wird aktuell in Feuerwehrkreisen intern diskutiert. Seit Mitte März laufen die Einzelgespräche mit den Ortswehren zu dem Bedarfsplan, der jede einzelne Feuerwehr untersucht hat. Überwiegend habe es Zustimmung zu dem Gutachten gegeben, sagte der Ordnungsamtschef, der daraus schloss, dass die Wehren das weitere Vorgehen und die mögliche Umsetzung des Bedarfsplans konstruktiv begleiten.

Noch ein Extra-Gespräch zwischen dem Experten, der Stadt und der Chamer Feuerwehr werde es noch Ende August, Anfang September geben. Dabei gehe es um das im Plan angedachte Fahrzeugkonzept, wozu die Chamer Feuerwehr eine andere Meinung vertrete.

In den Details wurden mögliche Änderungen bereits offenbart. So empfinden die Feuerwehren die derzeitige Regelung der Kostenübernahme und Bezuschussung von Führerescheinen nicht mehr zeitgemäß, da der so erworbene Führerschein nur bei der FFW genutzt werden könne. In Zukunft könne es deshalb zu Problemen bei der Sicherstellung der Einsatzbereitschaft kommen, wenn Maschinisten fehlen würden. Verschärfen wird sich diese Führerschein-Problematik künftig zudem, wenn größere Autos angeschafft werden, die dann wieder höhere Führerscheinklassen brauchen. Hier soll eine Neuregelung kommen.

Die Alarmierung auf den Dörfern ergeht überwiegend mit Sirene, wobei diese nicht überall zu hören ist. Standorte für neue Sirenen zu finden sei schwierig. Jedoch steht die Umstellung von analoger auf digitaler Alarmierung vor der Türe. Eine entsprechende Ausstattung soll hier angeschafft werden.

Ebenso sollen alle Feuerwehrgerätehäuser Internetanschluss bekommen, wie es auch die Kommandanten im November 2017 per Unterschriftenliste forderten. Die Kosten dafür sollen jetzt in die Haushaltsberatungen für 2019 aufgenommen werden.

Zu wenig Löschwasser

Da Hilfsfristen überschritten wurden, sieht der Bedarfsplan weitere hydraulische Rettungssätze in Vilzing – falls keiner in Traitsching stationiert wird – und Altenmarkt vor. Problematisch ist an manchen Orten die Löschwasserversorgung, hat das Gutachten festgestellt. Hier sollen mit dem Wasserversorger und der Kreisbrandinspektion nach Lösungen gesucht werden.

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Bilanz Sankt Michael

  • Bilanz:

    In der Stadtratssitzung legte die Leiterin des städtischen Seniorenheims St. Michael, Monika Lobmeier, die Bilanz des Hauses vor. Das Heim hat laut Stadtkämmerer Plötz nach Jahren der Verlustzone wieder einen Gewinn von 109 000 Euro erwirtschaftet.

  • Auslastung:

    Es sei ihr Bestreben, immer 100 Prozent Auslastung im Jahr zu erreichen, sagte Monika Lobmeier. 2017 sei das Ziel erreicht worden, 88 Bewohner seien durchgehend im Haus gewesen. 2018 sehe es auch gut aus.

  • Änderungen:

    Was neu sei, sei eine extreme Zunahme in die Kurzzeitpflege, so Lobmeier, vielleicht zurückzuführen auf das Landespflegegeld. 209 solcher Kurzzeitpflegen habe man 2017 gehabt. Ziel sei wohl, die Menschen möglichst lange zu Hause zu behalten.

  • Folgen:

    Die Folge für St. Michael sei, dass die Heimbewohner, die neu einzögen, immer älter und immer kranker und pflegebedürftiger seien. Der jüngste Bewohner sei 73, die ältesten 98. Außerdem nehme die Nachfrage nach einer Dauerpflege ab. Durchschnittlich seien sieben Personen auf der Warteliste.

  • Personal:

    Wie überall in der Pflege kämpft auch das Seniorenheim St. Michael mit dem Pflegenotstand. Man agiere immer knapp über der vorgeschriebenen Personalgrenze. Problematisch werde es bei Krankheit oder Schwangerschaft. Ersatz sei nur schwer zu bekommen. (ck)

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