MyMz
Anzeige

Bildung

Wasser verdrängt Chlorgas nur

Gefahrgut-Fachberater Bernd Hatzinger erklärte Feuerwehrleuten, wie sie bei einem Chlorgasaustritt richtig handeln.
Von Heinz Pletl

Bernd Hatzinger schulte die Feuerwehrleute aus Grafenwiesen, Rimbach und Voggendorf. Foto: Pletl
Bernd Hatzinger schulte die Feuerwehrleute aus Grafenwiesen, Rimbach und Voggendorf. Foto: Pletl

Grafenwiesen.Am Freitagabend trafen sich die Aktiven der Feuerwehren aus Grafenwiesen, Rimbach und Voggendorf am Freibad in Grafenwiesen zu einer Schulung an der Chlorgasanlage. Kommandant Michael Haimerl verwies auf den aktuellen Anlass der Schulung. Kürzlich hatte es einen Einsatz im Freibad wegen Chlorgas gegeben.

Der Fachberater für Gefahrgut, Bernd Hatzinger, führte durch die einzelnen Gerätschaften der Chlorgasanlage. Er erläuterte, dass nach Auslösung der Chlorgaswarnanlage der Raum von der Feuerwehr nur unter Vollschutz betreten werden darf. Chlor sei nur schwer wasserlöslich. Mit Wasser werde das Chlorgas in der Regel nur verdrängt, aber nicht gebunden. Trotzdem sei der Einsatz großvolumiger Strahlrohre bei Bedarf empfehlenswert, um das Chlorgas in die richtige Richtung zu lenken. Dabei sollte nicht auf die Leckstelle oder den Behälter gesprüht werden, da sonst der Chloraustritt beschleunigt werde. Die Ausbreitung erfolge in Windrichtung, bei Windstille in alle Richtungen. Falls ein Chlorraum vorhanden sei, der, wie in Grafenwiesen, mit einer Wassersprinkleranlage ausgestattet ist, werde nur ein nennenswerter Teil des Chlors gebunden, wenn das Wasser in der Anlage mit Natriumthiosulfat versetzt wird. Andernfalls werde der größte Teil des ausgetretenen Chlors beim Öffnen des Chlorraums austreten, sagte Hatzinger. Hat die Sprinkleranlage des Chlorgasraums bei Eintreffen der Feuerwehr noch nicht ausgelöst, sei eine manuelle Auslösung nicht empfehlenswert. Der mit Abstand häufigste Einsatz sind laut Hatzinger undichte Flaschenventile. In der Regel werden Havariesets für diesen Fall am Einsatzort vorgehalten.

Chlorgas könne mit Wasser zu einer sehr starken Säure, der Salzsäure, reagieren. Ob bei Salzsäure Verdünnen mit Wasser auf eine ungefährliche Konzentration eine Einsatzoption sei, hänge von der ausgetretenen Menge und deren pH-Wert sowie dem an der Einsatzstelle zur Verfügung stehenden Wasser und der möglichen Ausbreitung des Wasser-Säure-Gemischs ab, sagte der Fachmann. Zudem sei die Maßnahme mit dem zuständigen Klärwärter abzusprechen, falls das Säure-Wasser-Gemisch über die Kanalisation in Richtung Kläranlage gespült wird.

Bürgermeister Josef Dachs ergänzte die Expertise des Fachberaters fachmännisch. Michael Haimerl zeigte die einzelnen Komponenten der Anlage und die Reaktion derselben nach Auslösen eines Alarms. (khp)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht