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Kommune

Weg frei für Ortsumgehung Lederdorn

Für die Umfahrung von Lederdorn gibt es nun kein juristisches Hindernis mehr, der letzte Kläger ist gescheitert.
Von Stefan Weber

Mitglieder der Interessensgemeinschaft stoßen spontan im Garten von Sprecher Alfred Klein (r. stehend) an, dass der Ortsumgehung von Lederdorn nun nichts mehr im Wege steht – den Spaten haben sie schon vorbereitet. Foto: S. Weber

Chamerau.Es ist kurz nach 15 Uhr, als im Garten der Familie Klein die Sektkorken knallen. Die Nachricht, dass die Ortsumgehung von Lederdorn nach über 60 Jahren gebaut werden darf, hat im Dorf schnell die Runde gemacht. „Ein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte mir niemand machen können“, sagt Alfred Klein, Sprecher der Interessensgemeinschaft Pro Ortsumgehung Lederdorn – auch wenn er erst in knapp einer Woche Geburtstag hat.

Der Anlass dieser Freude war die Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes in München. Der hatte in Form eines bestandskräftigen Beschlusses mitgeteilt, dass die vom letzten verbliebenen Kläger gegen den Bau beantragte Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Regensburg vom März 2016 abgelehnt wurde.

Keine Rechtsmittel mehr

Die geplante Ortsumgehung

Somit besteht für die Ortsumgehung Lederdorn endlich Baurecht, da gegen den Beschluss keine Rechtsmittel mehr eingelegt werden können. „Das ist nicht nur für die Lederdorner, sondern für den gesamten Landkreis Cham, insbesondere die Region Bad Kötzting und das gesamte Gebiet bis zum Arber eine Entscheidung von immenser Bedeutung“, zeigte sich Landrat Franz Löffler in einer ersten Reaktion zufrieden. Damit kann nun sofort der für die Baumaßnahme notwendige Grunderwerb angegangen werden. Löffler war es wichtig, dass der Grunderwerb auf der Basis von fairen Verhandlungen möglichst zügig abgewickelt werden kann. Einer der Knackpunkte bleibt, dass sowohl der frühere zweite als auch der verbliebene Kläger Grund für den Bau der Straße hergeben müssen. Doch das macht Chameraus Bürgermeister Stefan Baumgartner keine allzu großen Sorgen. Er sieht den „Quantensprung für die gesamte Region, wenn keiner mehr durch das Nadelöhr in Lederdorn fahren muss“.

Pläne in der Schublade

Das Straßenbauamt werde sich entweder mit den Grundstücksbesitzern einig, oder es gebe eine sogenannte Besitzzuweisung. „Dann wird ein unabhängiges Gutachten erstellt und ein Preis festgelegt“, erklärt der Bürgermeister, der schon einen Schritt weiter denkt. „Es ist gut, dass diese völlig überraschende Entscheidung zu diesem Zeitpunkt kommt, dann haben wir noch bis zum Frühjahr Zeit, um alle Ausschreibungen vorzubereiten.“

Die Ausführungsplanungen für den Bau eines Brückenbauwerkes liegen bereits fertig in der Schublade. Die dazu notwendigen Ausschreibungsunterlagen sind grundsätzlich ebenfalls vorhanden, müssen aber an den aktuellen Stand der Vorschriften angepasst werden. Für die folgenden europaweiten Ausschreibungen sind allerdings die dafür notwendigen Fristen zu beachten.

Nach einem Gespräch zwischen Landrat Löffler und Landtagsabgeordneten Dr. Gerhard Hopp steht einer gesicherten Finanzierung der Maßnahme außerdem nichts im Wege. Wie Dr. Hopp erklärt, sei „für die vorbereitenden Maßnahmen zu einem Baubeginn in diesem Jahr bereits die notwendigen Haushaltsmittel eingestellt“. Somit bestehen berechtigte Hoffnungen, dass noch in diesem Jahr mit den notwendigen Vorarbeiten wie Rodungen und Bohrungen begonnen werden kann.

Landrat Löffler bedankte sich bei allen Beteiligten, besonders bei den Bürgern aus Lederdorn und der Bürgerinitiative vor Ort sowie bei Bürgermeister Baumgartner und der Regierung der Oberpfalz. Regierungspräsident Axel Bartelt und sein Baureferat hätten durch präzise Arbeit vor und während des Klageverfahrens maßgeblich dazu beigetragen, dass der Antrag auf Zulassung der Berufung abgelehnt wurde.

Die IG feiert ein letztes Fest

„Wenn nun auch noch im Juli der Spatenstich für den weiteren Ausbau der B 85 bei Roding erfolgt, erhält die zukunftsgerechte und notwendige Verbesserung der Straßeninfrastruktur im Landkreis Cham erneut einen deutlichen Schub“, so Landrat Franz Löffler.

Mit mehreren Blockaden, wie hier im Juni 2013, machten die Lederdorner auf ihre Situation aufmerksam. Foto: S. Weber

In den Garten der Familie Klein strömen indessen immer mehr Gäste und stoßen mit Sekt, Wein und Bier an. Es wird wohl eines der letzten Feste sein, die die Interessensgemeinschaft Pro Ortsumgehung Lederdorn, die in den vergangenen Jahren immer wieder Versammlungen abgehalten und Straßenblockaden errichtet hatte. Denn ihren Zweck hat sie nun erfüllt, dem Bau der Straße steht nichts mehr im Wege. „Ein letztes Fest werden wir aber noch feiern“, sagt IG-Sprecher Alfred Klein. Denn schließlich sei noch Geld von den verschiedenen Aktionen übriggeblieben. Das soll nun verwendet werden, um gemeinsam noch einmal auf den Spatenstich in diesem Jahr anzustoßen.

Anfang kommenden Jahres soll es losgehen. Bürgermeister Stefan Baumgartner hat auch schon eine ungefähre Vorstellung, wie lange der Bau dauern könnte: Ein bis zwei Jahre, schätzt er. Dann sollte Ruhe einkehren im Dorf Lederdorn.

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