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MZ-Serie

Weltenbummler sind zurück in Europa

Die beiden Rodinger Heike Hornig und Charly Hollinger verbringen die Winters- und Weihnachtszeit im Baltikum.
Von Heike Hornig

Das Wintercamping zaubert Charly Hollinger und Heike Hornig rote Bäckchen ins Gesicht. Auch Hündin Pepsi ist mit auf der Reise. Foto: chn
Das Wintercamping zaubert Charly Hollinger und Heike Hornig rote Bäckchen ins Gesicht. Auch Hündin Pepsi ist mit auf der Reise. Foto: chn

Roding.Anfang November sind wir in Estland – und damit wieder in die EU – eingereist. Nach über einem Jahr, das wir außerhalb der europäischen Grenzen verbracht haben, war es ein komisches Gefühl, plötzlich wieder den Euro in der Hand zu halten und nicht mehr im Kopf umzurechnen, was nun was genau kostet. Seitdem lernen wir das Baltikum – die Staaten Estland, Lettland und Litauen – genauer kennen. Zu Beginn, wie gewohnt mit unserem Klappwohnwagen, denn Wintercamping hat schließlich seinen Reiz.

Für die Zeit über Weihnachten und Neujahr haben wir uns ein kleines, gemütliches Holzhäuschen im litauischen Nordosten, umgeben von Wäldern und Seen gemietet. Dort wollen wir das Jahr ruhig ausklingen lassen. Da haben wir Zeit, um die vielen Eindrücke unserer eineinhalbjährigen Reise „Von Roding in die Mongolei und zurück“ wieder sacken zu lassen.

Spaziergänge an der Ostsee

Beim Wandern über Holzpfaden in estnischen Moorwäldern Foto: chn
Beim Wandern über Holzpfaden in estnischen Moorwäldern Foto: chn

In den drei Ländern des Baltikums leben insgesamt rund sechs Millionen Menschen auf 175 000 Quadratkilometer. Zum Vergleich: In der Metropolregion Berlin-Brandenburg leben auf 30 370 Quadratkilometern ebenfalls rund sechs Millionen Menschen. Die Länder, die wir nun bereisen, sind daher unserem Gefühl nach relativ klein. Auch, weil wir gerade Russland durchquert haben und wir in den Ländern davor, Kasachstan und Mongolei, immer mit einer unendlich scheinenden Weite und Größe konfrontiert waren.

Camping in Litauen Foto: chn
Camping in Litauen Foto: chn

Für uns erweist es sich als Glücksfall, dass wir wieder außerhalb der Saison da sind. So finden wir die Ostseestrände einsam und verlassen vor und auch auf den Holzpfaden, die sich durch die estnischen Moorwälder ziehen, können wir endlose Spaziergänge mit unserer Hündin unternehmen – ohne ständig anderen Wanderern und Vogelbeobachtern zu begegnen. Wir genießen die Ruhe der Natur und erfreuen uns an der Schönheit, die durch Schnee und Eis in die Landschaft gezaubert wird.

Kultur

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Dieser „echte Winter“ war es auch, der bei uns die Vorweihnachts-Stimmung augelöst hat. Beim Anblick von verschneiten Tannen, einem heißen Kakao am Lagerfeuer und dem Knarzen und Knacken der schneebeladenen Bäume fällt es leicht, sich auf Weihnachten einzustimmen. Alles andere, was für uns in Deutschland die Vorweihnachtszeit ausmacht, fällt hier ansonsten weitgehend weg. Obwohl der überwiegende Teil der litauischen Bevölkerung dem katholischen Glauben zugehörig ist und der Heiligabend ebenfalls auf den 24. Dezember fällt, kennt kaum jemand in Litauen den heiligen Nikolaus. Auch die Tradition eines Adventskranzes mit vier Kerzen gibt es nicht, obwohl die Sonntage vor Weihnachten ebenfalls Adventssonntage heißen.

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Und das, was wir am meisten vermissen, sind die Christkindlmärkte, die wir in Deutschland in der Vorweihnachtszeit nur zu gerne besuchen. Ein paar wenige Weihnachtsmärkte in den größeren Städten haben wir zwar entdecken können. Diese waren aber für unseren Geschmack einfach zu kitschig, um echte Stimmung aufkommen zu lassen. Zudem gab es weder Glühwein und Bratwurst, die für uns einfach traditionell dazugehören. Stattdessen waren Buden aufgebaut, in denen hinter Glas Puppen saßen, die offenbar baltische Handwerkskunst präsentierten.

Große kulturelle Unterschiede

Sonnenaufgang am Kap Kolka, Grenze zwischen Ostsee und Bucht von Riga Foto: chn
Sonnenaufgang am Kap Kolka, Grenze zwischen Ostsee und Bucht von Riga Foto: chn

Es wäre aber auch schade, wenn alles überall gleich wäre. Dann hätten wir auf der einen Seite nichts Neues mehr zu entdecken und auf der anderen Seite nichts, auf das wir uns zu Hause besonders freuen können. So bleibt es spannend zu sehen, dass trotz Europäischer Union noch viele unterschiedliche Traditionen und Kulturen in den einzelnen Ländern erhalten geblieben sind. Auch innerhalb des Baltikums gibt es große kulturelle Unterschiede zu entdecken. Wir haben den Eindruck, dass Estland viel mehr durch Skandinavien geprägt ist als Lettland und Litauen. In Lettland spüren wir noch viel deutlicher den russischen Einfluss.

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Alle drei Länder besitzen aber auch etwas ganz Ureigenes und sind es in jedem Fall wert, sich für sie Zeit zu nehmen. Neben den historischen Stadtzentren der Hauptstädte Tallin, Riga und Vilnius können wir eine abwechslungsreiche Natur – von Ostseestränden über Wälder, Seen und Moore sowie beschauliche Dörfer – erkunden.

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