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„Wenig Interesse am Kirchenbauverein“

Expositus Karl Holzgartner berichtet über das Leben in Miltach im Jahr 1920. Vor 100 Jahren kostete ein Ei auch schon 60 Pfennige.

  • Die Mariahilf-Kapelle in einem Gemälde Foto/Repro: Erwin Vogl
  • Das Anwesen Engl vor dem Miltacher Schloss (1917) Foto/Repro: Erwin Vogl

Miltach.Der heutige Rückblick gilt der Zeit vor 100 Jahren. Wie lebten die Menschen in Miltach und was bewegte sie? Als authentische Quelle bieten sich die handschriftlichen Aufzeichnungen von Expositus Karl Holzgartner an, der als leidenschaftlicher Heimat- und Volkskundler viel dokumentierte, was das Leben im Dorf am Regen prägte. Der Geistliche betreute die Expositur Miltach seelsorgerisch vom 16. Juni 1916 bis 26. März 1924:

12. April 1920: In der letzten Ausgabe der Zeitschrift „Bayerland“ ist ein Artikel über Miltach enthalten, der von mir stammt. Die Bilder sind teils von meiner Cousine Sophie, teils von Spitalpfarrer Oberschmied.

Am 11. April 1920 hielt ich die Generalversammlung des Kirchenbauvereins St. Martin. Dieselbe fand beinahe mit Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nur zirka 25 Personen hatten sich im Gasthaus Brunner eingefunden. Wie immer – wenig Interesse!

25. April 1920: Heute Bauernbund-Versammlung

1. Mai 1920: Wetter. Im vergangenen April herrschte durchgehend herrliches Wetter, wie seit Menschengedenken nicht mehr. Warm und sonnenreich, nur am Ostermontag und einige Tage zum Schluss des Monats hat es geregnet, aber warm. Auch Kälte blieb aus. Die Saaten stehen prächtig. Heute, 1. Mai, war ein sehr warmer, wolkenloser Frühlingstag. AD 1762 soll es ähnlich gewesen sein.

20. Mai 1920: Herrliche Maitage, so schön wie schon seit Jahren nicht mehr. Mühlenbesitzer Paul Dattler hat die Mühleneinrichtung entfernt und wird nur noch das Sägewerk betreiben. Die Mühle war das älteste Handwerk als Gewerbe in Miltach. Schon im Jahr 1100 wird die Mühle erwähnt. Bauer Josef Heigl hat sein hölzernes Austragshaus, das die Einfahrt behinderte, weggerissen. Es war sehr klein und hatte kleine Fenster.

Beichtzettelsammlung: Das Ergebnis der diesjährigen Beichtzettelsammlung betrug 784 Eier, Stück 60 Pfennig = 470,40 Mark, und 90 Mark Beichtzettelgeld. An Ausgaben fielen an 20 Mark für Träger Nagl und zechfrei halten. Von Grobheiten blieb ich heuer verschont. Zwölf Personen konnten keinen Beichtzettel vorlegen. Auswärtige Beichtzettel stammten aus Blaibach 27, Cham 35, Kötzting 5 und Straubing 2.

3. Juni 1920: Am 1. Juni wurde mein Brennholz aus dem Pfarrwald gefahren: 16 und einen halben Ster. Die Fuhrleute wurden abends beim Christlwirt von mir verköstigt. Die Fronleichnamsprozession verlief harmonisch und schön. Die Feuerwehr beteiligte sich heuer auch wieder und stellte Ordner ab.

Die Wahlen: Wahlberechtigte Personen für die Gemeinden Miltach, Oberndorf und Eismannsberg: 487, gewählt haben 289. Eine große Wahlfaulheit, unter welcher hauptsächlich der Bauernbund und die Sozialdemokraten zu leiden hatten. Die Volkspartei blieb fast gleich. Von der Gemeinde Eismannsberg blieb die Hälfte der Wähler aus. Die Unabhängigen rekrutierten sich hauptsächlich aus den Quarzitwerksarbeitern.

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