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Ausstellung

Wenn aus Plastik Kunst wird

Tanja Martina Federl zeigt in der Gibacht-Galerie auftrüttelnde Bilder und Skulpturen. Ralph Wenzel teilt ihre Botschaft.
Von Petra Schoplocher

Ralph Wenzel ist begeistert von der Ausstellung von Tanja Martina Federl. Sie „sollte bei jedem Fragen aufwerfen“, findet der Glaskünstler, Gastwirt und Galerist. Foto: Schoplocher
Ralph Wenzel ist begeistert von der Ausstellung von Tanja Martina Federl. Sie „sollte bei jedem Fragen aufwerfen“, findet der Glaskünstler, Gastwirt und Galerist. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Die Galerie von Ralph Wenzel hat schon zahlreiche Ausstellungen gesehen. Deshalb sind die hohen Töne umso bemerkenswerter, in denen er von dem schwärmt, was Besucher derzeit in seinen Räumlichkeiten erwartet: Kunst aus, mit und gegen Plastik von der Wahl-Furtherin Tanja Martina Federl. „Ich bin total fasziniert“, bringt es der Glaskünstler und Gastwirt auf den Punkt.

Fasziniert in mehrfacher Hinsicht: Die Skulpturen und Fotocollagen sind nicht nur handwerklich hervorragend, der Betrachter kann sich gar nicht entziehen. „Da müssen sich bei jedem Fragen aufwerfen“, sagt Ralph Wenzel, der sich freut, wieder eine Ausstellung zeigen zu können, die „nicht nur präsentiert, sondern auch eine Botschaft hat“.

Mit Kunst gegen Plastikmüll: Die Wahl-Furtherin Tanja Martina Federl stellt derzeit in der Galerie am Gibacht aus. Foto: Schoplocher
Mit Kunst gegen Plastikmüll: Die Wahl-Furtherin Tanja Martina Federl stellt derzeit in der Galerie am Gibacht aus. Foto: Schoplocher

Deswegen hat er noch an Ort und Stelle bei einem Besuch von Tanja Martina Federls Schau in Furth im Sommer die Fühler ausgestreckt, ob die studierte Informatikerin nicht auch die Gibacht-Galerie bestücken möchte. Sie wollte, „wir waren uns gleich einig“, sagt Federl schmunzelnd.

Sie ist sehr zufrieden mit der Anordnung ihrer Werke, die sie – gelernt ist gelernt – mittels Computeranimation optimiert hat. Überhaupt, Computer: Für einzelne ihrer digitalen Collagen hat sie hunderte (eigene) Einzelfotos zusammengesetzt, meist Plastiktüten und niemals zweimal die gleiche.

Künstlerin und Galerie

  • Wahlheimat:

    Seit 2016 lebt Tanja Martina Federl in Furth im Wald, wo ihre Wurzeln väterlicherseits liegen. In ihrer Kindheit und Jugend hat die Familie aber nicht nur die Großeltern besucht, sondern in Oberrappendorf auch Urlaub gemacht.

  • Wurzeln:

    Aufgewachsen ist Tanja Martina Federl in München. Ihr Vater war Vergolder und Kirchenmaler, seine Kunst am heimatlichen Wohnzimmertisch hat die studierte Informatikerin früh in ihren Bann gezogen.

  • Werdegang:

    20 Jahre war die Wahl-Furtherin als Projektmanagerin in einer Bank tätig, seit 2008 widmet sie sich der Kunst. Ausstellungen bestreitet sie seit 2014, im vergangenen Sommer war sie im Alten Rathaus in Furth im Wald zu Gast.

  • Wirkung:

    Für Aufsehen sorgten im März 2018 die fliegenden Plastikfische am Further Stadtplatz, die als Mahnung vor den Unmengen Plastikmüll dienen sollten. Sehr positiv ist auch die Resonanz auf die Ausstellung am Gibacht, die noch bis einschließlich 23. Februar zu sehen ist und mit einer Finissage endet.

  • Weiter:

    Das Musikkabarett Ungschminggd ist am 25. Mai zu Gast, auch die Freak Brothers aus Rötz wollen die Atmosphäre für ein Konzert nutzen, voraussichtlich im Juli.

Ein persönlicher Schockmoment an einem Strand in der Dominikanischen Republik wurde zum künstlerischen Schlüsselerlebnis für die Wahl-Furtherin. An einem Tag wie aus dem Urlaubsbilderbuch machte sie sich auf zu einem entlegenen Strand. Statt der erhofften Muscheln fand sie: Plastikmüll in Mengen.

Dies und das Wissen um den sogenannten Plastikmüllstrudel im Pazifik –

gpgp (Abkürzung von „great pacific garbage patch“ und zugleich Titel ihrer Ausstellung) – waren die Punkte, die Tanja Martina Federl zur „Plastikkünstlerin“ werden ließen.

Charakterköpfe aus Styropor: eine Technik, die die Wahl-Furtherin weiter ausbauen möchte. Foto: Schoplocher
Charakterköpfe aus Styropor: eine Technik, die die Wahl-Furtherin weiter ausbauen möchte. Foto: Schoplocher

Im Lauf der Zeit hat sie sich nicht nur Wissen über verschiedene Plastik- und Kunststoffe angelesen, sie hat auch ausprobiert und kreiert. Und sie hat erkannt, dass es um mehr als Müllvermeidung geht. „Kunststoff ist ein wertvoller, endlicher Rohstoff, mit dem wir viel zu fahrlässig umgehen“, unterstreicht sie. Man müsse sich schon wundern, dass „es noch Erdöl gibt, so, wie wir mit Kunststoffen umgehen“.

Weil manche Kunststoffsorten zwar schmelzen, aber nicht verkleben, muss Tanja Martina Federl genau aufs Material schauen. PET-Flaschen verarbeitet sie beispielsweise nur im ursprünglichen Zustand. Für Plastikfische hat sie sich eigens eine Form gebaut, um sie zu modellieren. Relativ neu sind die Charakterköpfe aus Styropor, die sie Polygeister nennt und die poliert glänzen wie Marmor.

Eindrucksvoll sind auch die Bilder: Digitale Fotocollagen wie links oder 3D-Mischtechnik. Foto: Schoplocher
Eindrucksvoll sind auch die Bilder: Digitale Fotocollagen wie links oder 3D-Mischtechnik. Foto: Schoplocher

Wie schon bei einer Ausstellung vor Jahren in München hat sie auch im Obergeschoss des Berghofs die Bilder und Skulpturen mit Müll angereichert. Eine Plastiktüte an der Wand wie ein Gemälde, eine leere Chipstüte oder Karottenfolie am Boden. Federl ist von den Räumlichkeiten begeistert: Das Ursprüngliche, der Berghüttencharakter, und ihre Objekte würden in einen spannungsgeladenen Zwiespalt treten. Der wiederum charakterisiere sehr gut unsere Zeit. „Einerseits wollen wir die Annehmlichkeiten des modernen Lebens und billigen Konsum, andererseits sind wir auf der Suche nach Wurzeln und Heimat“, sagt sie nachdenklich.

Den Wurzeln gefolgt

Die Künstlerin selbst ist ihren Wurzeln gefolgt. Weil sie Platz wollte für ihr kreatives Schaffen und in die Nähe ihrer Eltern, die ihren Ruhestand in der Nähe von Viechtach verbringen, hat sie von München aus ein Auge auf die Region geworfen. Dass es schließlich ein Haus in Furth wurde, „war Zufall“.

Mit diesem von Plastik gezeichneten Saxophon möchte Tanja Martina Federl auf den „Fast food-Trend“ der Musikindustrie hinweisen. Foto: Schoplocher
Mit diesem von Plastik gezeichneten Saxophon möchte Tanja Martina Federl auf den „Fast food-Trend“ der Musikindustrie hinweisen. Foto: Schoplocher

Nachdem bei digitaler Fotokunst die Frage nach Originalen nicht ganz so einfach ist, hat sich Tanja Martina Federl für einen Weg entschieden, den viele Künstlerkollegen gehen. Es gibt eine Original- und zugleich Maximalgröße (2,40 mal 1,80 Meter), dazu zwei kleinere Ausfertigungen mit jeweils drei Exemplaren, die dann nummeriert und handsigniert (verkauft) werden.

Sind denn die Motive nicht zu frustrierend, um sie sich ins Wohnzimmer zu hängen? Federl schüttelt den Kopf. Sie kennt genug Menschen, die die Bilder als Mahnung oder ein „Vor-Augen-Führen“ der Problematik mögen. „Natürlich ist das nicht für jeden etwas“, sagt sie. Ralph Wenzel hat die Künstlerin aber genau wegen der Thematik, „die jeden interessieren sollte“ und der aufrüttelnden Art, in der Tanja Martina Federl sie betont, ausgewählt.

Zwei Brunnenprojekte

Auch der Gibacht-Chef ist derzeit wieder kreativ-gestaltend tätig, arbeitet – wie Federl auch – an einem Brunnenprojekt. Bei Ralph Wenzel gehen Glas und Aluminium zusammen, wäre denn eine Symbiose aus Glas und Plastik denkbar? Geplant ist nichts, sagen die beiden Künstler lächelnd. „Aber wer weiß?“, ergänzt Wenzel. So lange gilt: Bis 23. Februar ist Tanja Martina Federls Schau zu sehen. Nur Plastik, aber auch nur gut.

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