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Wenn aus Spiel bitterer Ernst wird

Der Arbeitskreis „Sucht“ beschäftigte sich mit diversen Formen der Onlinesucht.
Gregor Raab

Siegfried Urbas, Prof. Dr. med. Reinhart Schüppel und Wolfgang Rießelmann (v. l.)  Foto: Gregor Raab
Siegfried Urbas, Prof. Dr. med. Reinhart Schüppel und Wolfgang Rießelmann (v. l.) Foto: Gregor Raab

Cham.Onlineglücksspiele und das Surfen im Internet sind für viele ein harmloser Zeitvertreib. Daraus kann aber schnell eine gefährliche Sucht werden. Die Abhängigen verlieren dann die Kontrolle über sich selbst und die Höhe der Einsätze komplett. Aber wie entsteht eigentlich eine Onlinesucht? Und wie kann man solchen Menschen helfen?

Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigte sich der Arbeitskreis „Sucht“ der psychosozialen Arbeitsgemeinschaft. Als fachkundigen Referenten zu dieser nicht zu verharmlosenden Thematik begrüßten Geschäftsführer Wolfgang Rießelmann und Arbeitskreisleiter Siegfried Urbas Prof. Dr. med. Reinhart Schüppel von der Fachklinik Furth im Wald. Dieser konfrontierte das Gremium mit erschreckenden Zahlen: So habe sich der weltweite Daten-Smartphone-Traffic innerhalb von fünf Jahren mehr als verzehnfacht, und die Einsätze auf dem deutschen Sportwettenmarkt beliefen sich im Jahr 2018 auf 8,8 Milliarden Euro. Etwa 90 Prozent dieser Summe flossen an private Anbieter, die meist online agieren. Bei allen Glücksspielen gelte folgender Grundsatz: „Je schneller ein neues Spiel begonnen werden kann, desto größer ist das Suchtpotenzial.“

Daher berge das Glücksspiel im Internet auch eine besonders große Gefahr in sich. Durch die schnelle Verfügbarkeit sei ein Spielen rund um die Uhr und innerhalb der eigenen vier Wände möglich. Deswegen führe das „Online Gambling“ meist zwangsläufig zu einen schnellen Kontrollverlust. Jugendlichen seien zudem auch ohne Glücksspiel besonders für Entstehung einer Internetabhängigkeit gefährdet.

Die Gruppe der 14- bis 29-Jährigen verbringe in Deutschland täglich durchschnittlich 344 Minuten im Netz. Während Jungen vorwiegend Online-Spiele zocken, bevorzugen Mädchen das Chatten. Viele Smartphone-Benutzer können aus Angst, etwas zu versäumen, ihr Gerät nicht mehr aus der Hand geben. „FOMO – Fear of missing out“ heiße im Fachjargon die Besorgnis, den Anschluss zu seinem sozialen Umfeld zu verlieren. Die schnelllebige Welt der Multiplayer-Games und sozialen Medien verstärke den Drang, dauernd online aktiv sein zu müssen, um keine sozialen Interaktionen zu versäumen.

Aber was wären vernünftige Gegenstrategien für besorgte Eltern? Schüppel meinte, für Smartphone würde sich unter anderem die Festlegung einer „Smartphone-Diät“ anbieten. Außerdem sei es wichtig, sich bewusst weg vom Computer, der Konsole und dem Smartphone „analog“ zu bewegen – beispielsweise durch Unternehmungen, bei denen auf die Nutzung von Internet oder Games verzichtet wird. Dadurch könnten Betroffene wieder Zeit und die Kontrolle über sich selbst zurückgewinnen. (cga)

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