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Helmut A. Binser

Wenn Binser zum Hammer greift

Helmut A. Binser, Kabarettist aus dem Landkreis Cham, blickt auf ein Jahr mit teuren Badewannen, Hochwasser und Nothilfe in der Waschstraße zurück.
Von Helmut A. Binser

Helmut A. Binser mit seiner zertrümmeten AutoscheibeFoto: Nadine Lorenz

Cham.Nur noch ein paar Tage, dann ham wir es wieder geschafft. Weihnachten ist überstanden, die Waage im Bad scheint einen Vogel zu haben, und die Kracherverkäufer hinter der Grenze brennen wie jedes Jahr ein Feuerwerk ab, dass es nur so schnalzt. Aber bevor das neue Jahr anbricht, halten wir inne und schauen zurück. Was war denn alles los 2013?

Der Robben und das Rhaner

Sportlich war es ein tolles Jahr. Was ham wir gejubelt, als der Robben in Wembley kurz vor Schluss doch noch den Ball über die Linie gedrückt hat: Tooooor!! Ich bin so im Wohnzimmer rumgehupft, dass das Rahnerbier nur so aus dem Flaschl rausgespritzt ist, und sogar die Katzen entsetzt den Kopf geschüttelt haben. Ganz schön nervenaufreibend war das.

Die Sechziger-Fans haben ja das Glück, dass sie schon seit fast 50 Jahren keine Meisterschaft mehr gewonnen haben und somit nicht immer mittwochs mit ihrer Mannschaft mitfiebern müssen. „Selten a Schadn wo nicht auch a Nutzen dabei is“, hat die Oma immer gsagt.

Es war auch ein religiös aufregendes Jahr. Denn wir ham jetzt zwei Päpste, ich glaub das gab’s noch nie! Wahrscheinlich sind dadurch die Personalkosten dermaßen in die Höhe geschnellt, dass sie sich den Tebartz nimmer ham leisten können. Und jeder Bauherr, der eine Badmöbelausstellung besucht, fragt jetzt den Verkäufer: „Was hams na in Limburg für a Wanna eibaut?“

Einer hat sich gscheid feiern lassen: der Seehofer. Was hat er sich gefreut am Abend der Landtagswahl in Bayern. Endlich darf er wieder alleine regieren: Mia san Mia und schreim uns uns. Wie eine 200-Watt-Birne hat er gestrahlt, sein Widersacher dagegen eher wie eine Energiesparlampe. Gegen knapp drei Zentner Ministerpräsident hat der eher asketische Ude aus der Landeshauptstadt nicht anstinken können.

Das Ei im Ministernest

Und die FDP sowieso nicht. Ned a bisserl. Die Alleinherrschaft ist natürlich ganz nach Seehofers Geschmack. Wie hat einst Franz-Josef Strauss, ausgestattet mit derselben Macht, verkündet: „Wir brauchen keine Opposition. Wir sind schon Demokraten.“ Mit der neuen Rückendeckung vom Volk hat er dann gleich vehement die Ausländermaut gefordert. Da der Ramsauer nicht so recht wollte, hat er ihn einfach ausgetauscht und flux dem Dobrindt das Ei ins frisch gemachte Ministernest gelegt und ihm viel Spaß beim Ausbrüten gewünscht.

A paar richtig tolle Menschen ham leider Servus gsagt. Der Lou Reed spielt jetzt seine Lieder im Himmel. Im Publikum drin sitzen Dieter Hildebrandt und Nelson Mandela. Da ist es um jeden von den Dreien schade.

Helmut Schmidt hingegen hält tapfer durch. Denn er hat noch einen riesigen Zigarettenvorrat, und der Schnupftabak geht ihm hoffentlich auch nicht aus.

Ich mag das Wasser ned

Medial gab’s auch wieder frischen Wind in die Segel der gepflegten Freitag-Nacht Unterhaltung. Mit der Heute-Show gibt’s jetzt endlich wieder eine Fernsehsendung, die man sich anschauen kann, und die noch dazu richtig lustig ist. Wahrscheinlich ist sie nicht ganz unschuldig am Niedergang der FDP. Die waren aber auch putzig. Der Rösler und der Brüderle. Schade, naja, jetzt sind sie halt Geschichte. Achja, einen Außenminister hatten sie auch, nur mitbekommen hat’s halt leider keiner. Hans-Dietrich Genscher hat’s am Ende des Jahres nochmal gezeigt wie es geht.

Es gab auch traurig-schöne Momente. Gerade als die Menschen einander geholfen gaben, als die Flut gekommen ist. Ich glaube jeder hat noch die Bilder im Kopf, als man in Deggendorf nur noch die Dächer gesehen hat. Ich mag das Wasser ja allgemein ned. Egal ob Mineralwasser oder Hochwasser. Des brauchts ned!

Meinen persönlichen Tiefpunkt hatte ich auch. Als ich mit meinem alten roten Daimler in die Waschstraße gefahren bin, weil er gscheit dreckig war. Da steht a Schild bei der Einfahrt, dass man vor dem wirbelnden Nass auf jeden Fall die Antenne einfahren muss. Also steig ich aus, lauf zur Beifahrerseite, drück die Antenne rein und sehe wie die Beifahrertür ned gscheit zu ist. Ich zieh am Türgriff und – wahrscheinlich weil der liebe Gott a bissel was zu lachen haben wollte – schnappt die alte Zentralverriegelung zu.

Sapradi! Schlüssel steckt, Motor läuft, Handbremse drin. Ersatzschlüssel im Handschuhfach - da, wo er hingehört. Mei war das peinlich... Hinter mir hams scho gewartet. Aber was machst in so einer Situation? Schnell aufm Wischhandy bei Ebay die billigste Ersatzscheibe ersurft, dann rein in die Werkstatt und nach einem Hammer gefragt. Mit den Worten „Viel Spass dabei“ hat mir der Meister das Werkzeug grinsend in die Hand gedrückt.

Mehr Aktion als im Autokino

Es ist schon ein ganz besonderes Gefühl, wenn man mit voller Wucht vor Publikum auf sein eigenes Auto einhämmert. Aber wenigstens haben die hinter mir in der Schlange eine kurzweilige Wartezeit ghabt. Mehr Aktion gibt’s im Autokino a ned!

2013 durfte ich viele tolle Menschen kennenlernen, mit meinem alten Benz 60000 km kreuz und quer durch Bayern tuckern, Musik spielen und die Leute zum Lachen bringen. Ich bin sehr froh, dass ich das machen darf und danke allen, die mich dabei unterstützen. Unterwegs habe ich folgende drei Dinge gelernt.

Erstens: Du findst in Minga ums verrecka keinen Parkplatz! Zweitens: In Mittelfranken gibt’s die besten Bratwürscht! Drittens: So schön wie bei uns daheim ist es sonst nirgends auf der Welt!

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