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Beobachtungen

Wenn das Handy wichtiger ist als Kinder

Lassen wir nicht zu, dass Medien uns von den Kindern entfremden und wir die schönste Zeit verpassen, meint unsere Autorin.
Von Birgit Zwicknagel, Verein „Die Computermäuse“

Nicht nur Jugendliche, auch immer mehr Eltern – diese Beobachtung macht Birgit Zwicknagel – vergessen durch ihr Handy ihre Umgebung völlig. Foto: Marcel Kusch/dpa
Nicht nur Jugendliche, auch immer mehr Eltern – diese Beobachtung macht Birgit Zwicknagel – vergessen durch ihr Handy ihre Umgebung völlig. Foto: Marcel Kusch/dpa

Cham.Die Sommerpause ist vorbei – und auch für die Computermäuse geht es wieder rund. Ein Thema ist mir in den Sommerferien besonders aufgefallen: eine Kinderdemo in Hamburg gegen den Handykonsum der ELTERN! Slogans wie „Spielt mit euren Kindern, nicht mit euren Handys“ waren da zu lesen. Immerhin haben rund 150 Kinder und Eltern an diesem polizeilich angemeldeten Demozug teilgenommen. Und unter den Jüngsten befanden sich bereits Sechsjährige.

Schwere Vorwürfe von Kindern an die Eltern – doch sind die wirklich aus der Luft geholt? Nicht wirklich. Umfragen laut dem neuen Freizeit-Monitor 2018 belegen, dass die Deutschen immer weniger Zeit für andere haben, stattdessen lieber mit dem Smartphone hantieren.

Sie blicken nicht auf

Birgit Zwicknagel hält in Schulen Vorträge über Gefahren im Internet. Einmal im Monat macht die Stamsriederin vom Verein „Computermäuse“ in Bayerwald-Echo und Kötztinger Umschau auf ein Problem im Netz aufmerksam und schildert, wie sich Jugendliche und Eltern vor unerwünschten Zu- oder Übergriffen schützen können. Foto: Martin Hladik
Birgit Zwicknagel hält in Schulen Vorträge über Gefahren im Internet. Einmal im Monat macht die Stamsriederin vom Verein „Computermäuse“ in Bayerwald-Echo und Kötztinger Umschau auf ein Problem im Netz aufmerksam und schildert, wie sich Jugendliche und Eltern vor unerwünschten Zu- oder Übergriffen schützen können. Foto: Martin Hladik

Und tatsächlich habe ich diesen Trend auch in den Sommerferien während meines Urlaubs festgestellt. So konnte ich zum Beispiel auf einem Kinderspielplatz beobachten, dass ein Großteil der Mamis dort das Handy in der Hand hatte, während die Kleinen sich auf dem Spielplatz vergnügten. Kurz die Nachrichten checken ist normal, aber viele haben für sehr lange Zeit überhaupt nicht aufgeblickt, haben die Lebensfreude ihrer Kinder nicht wahrgenommen.

Eine andere Situation ist mir beim Eis essen aufgefallen. Während ich auf einer Bank saß, beobachtete ich eine junge Familie mit einem vielleicht drei Jahre alten Kind. Das Kind lachte mich die ganze Zeit an und kam sogar her, um mir sein Schmusetier zu zeigen – während BEIDE Eltern völlig vertieft in ihr Handy tippten. Ich glaube, sie hätten nicht mal bemerkt, wenn ich den Kleinen mitgenommen hätte…

In einem Freizeitbad war ich dann wirklich sauer: in drei Liegestühlen saßen Mama, Papa und Junior (vielleicht sieben Jahre alt). Alle drei hatten Smartphone beziehungsweise Tablet in der Hand, und das fast zwei Stunden lang! Obwohl vor ihnen eine Bade- und Wasserspieloase lockte, war für alle drei das technische Gerät interessanter.

Eine Demo als Anstoß

Vielleicht sollten wir doch mehr über diese Kinderdemo nachdenken: Wie viel Zeit verbringe ich tatsächlich mit diesen Geräten? Stehlen mir die Geräte Zeit, die ich mehr in meine Kinder investieren sollte? Was lernen meine Kinder aus MEINEM Verhalten im Umgang mit diesen Medien?

Fühlen sich auch MEINE Kinder manchmal auf den zweiten Platz NACH den Medien verdrängt? Tatsache ist, dass Kinder gern Zeit aktiv mit den Eltern verbringen. Lassen wir nicht zu, dass die neuen Medien uns von unseren Kindern entfremden und wir die schönste Zeit – die Zeit des Heranwachsens – verpassen!

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