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Wenn der billige Onlinekauf teuer wird

Bestellungen aus dem Ausland sind bei Reklamationen und Co. oft problematisch. Unsere Expertin erklärt die Fallstricke.
Von Nicole Bräu

Wer im Ausland ein iPhone bestellt, das sich als gefälschtes Produkt herausstellt, hat doppeltes Pech: Der Zoll darf das Plagiat vernichten.  Foto: dpa
Wer im Ausland ein iPhone bestellt, das sich als gefälschtes Produkt herausstellt, hat doppeltes Pech: Der Zoll darf das Plagiat vernichten. Foto: dpa

Cham.Zahlreiche Konsumgüter werden in China produziert: Ohne Zwischenhändler gibt es Kleidung, Schmuck und Elektronik im Netz vermeintlich zum Schnäppchenpreis. Was für uns Amazon ist, ist in Asien die Verkaufsplattform AliExpress. Hier präsentieren und verkaufen Privatpersonen und Unternehmen ihre Produkte. Ein Widerrufsrecht, wie wir es in Europa kennen, besteht nicht. Auch der Bezahlvorgang verhält sich anders als bei Ebay oder Amazon, denn AliExpress behält den Betrag so lange ein, bis der Käufer den Empfang der Ware bestätigt. Erst dann erhält der Verkäufer sein Geld.

Expertin Nicole Bräu Foto: Foto Koch
Expertin Nicole Bräu Foto: Foto Koch

Die Shopping App „Wish“ mit Unternehmenssitz in Kalifornien tritt als Vermittler auf. Die Verkäufer selbst sitzen meistens in China, der Kunde erfährt häufig gar nicht, um wen es sich handelt. Die Kontaktaufnahme gestaltet sich oftmals schwierig bis unmöglich, das Gleiche gilt für eine Stornierung oder die Durchsetzung der Gewährleistungsansprüche. Oftmals erfolgt sogar unfreiwillig eine Kontosperrung seitens Wish, folglich können Käufer keine Rechte mehr in Anspruch nehmen.

Auf diese Zollgebüren und Co. gilt es zu achten

Kommt die Ware inklusive Versandkosten auf einen Betrag von über 22 Euro, fällt bei internationalen Bestellungen zusätzlich eine Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19 beziehungsweise sieben Prozent an sowie eine Verbrauchssteuer. Diese beträgt je nach Warenart bis zu 17 Prozent. Bei Warenwerten über 150 Euro inklusive Versandgebühren kommen noch Zollgebühren dazu. Bei einem Fahrrad aus China kommen ab 150 Euro zu den 15 Prozent Verbrauchssteuern wegen der Antidumpingabgabe noch 48,5 Prozent des Warenwerts obendrauf.

Mit diesem Antidumpingzoll gleicht sich nach der EU-Verordnung der ungerechtfertigte Preisvorteil zu Waren des Marktes in der Union aus. Waren aus dem Ausland – auch als Geschenksendung ausgewiesen – unterliegen einer stichprobenartigen Kontrolle und können aus dem Verkehr gezogen werden. Für deklarierte Geschenksendungen sind ab einem Warenwert über 45 Euro Steuern zu entrichten.

Auch in Drittländern gibt es unseriöse Händler und gefälschte Waren. Verstößt eine Produktfälschung, etwa eine Markenuhr, gegen ein Markengesetz, darf der Zoll das Plagiat einbehalten und vernichten. Das Gleiche gilt für Produkte, die der CE-Kennzeichnungspflicht unterliegen und ohne CE-Kennzeichen in der EU in den Verkehr gebracht werden (gemäß §7 des Produktsicherheitsgesetzes).

Auf sichere Bezahlwege achten

Tipps für Verbraucher: Achten Sie bei Online-Einkäufen auf sichere Bezahlwege wie Rechnung, Lastschrift oder PayPal und Amazon Payments. Die beiden letztgenannten bieten Schutz, wenn der Artikel nicht versandt wird oder aber erheblich von der Beschreibung abweicht.

Unsere Expertin

  • Autor:

    Nicole Bräu ist Betriebswirtin und als Verbraucherberaterin beim VerbraucherService Bayern im KDFB in Cham tätig.

  • Kontakt:

    Beratungsstelle Cham, Obere Regenstraße 15, Tel. (0 99 71) 67 53, Fax (0 99 71)7 68 2047, E-Mail: n.braeu@verbraucherservice-bayern.de

  • Öffnungszeiten:

    Der Verbraucherservice ist am Montag von 13 bis 17 Uhr, am Dienstag von 9 bis 13 Uhr und am Freitag von 9 bis 13 Uhr geöffnet.

Als hoher Kostenfaktor erweisen sich bei Bestellungen aus dem Ausland häufig Reklamationen und Rücksendungen. Schicken Sie gekaufte Artikel zurück, sind Sie meist verpflichtet, Portokosten und Zollgebühren selbst zu tragen. Angefallene Steuern und Zollgebühren werden nicht mehr erstattet. Ein Paket bis fünf Kilogramm in die Volksrepublik China kostet derzeit beispielsweise über DHL 42,99 Euro Versand. Ein Blick in das Impressum hilft, herauszufinden, ob der Firmensitz in der EU liegt und die komfortable europäische Rechtslage gilt. Bei individuellen Fragen wenden Sie sich gerne an die 15 Beratungsstellen des VerbraucherService Bayern im KDFB.

Alle Teile unserer Serie finden Sie hier.

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