MyMz
Anzeige

Debatte

Wenn der Patient „zur Nebensache“ wird

Der Chamer Rettungsdienstleiter Mich Daiminger kritisiert die neuen Überlegungen zur Schließung kleiner Häuser scharf.

Schon jetzt hat es der Chamer Rettungsdienst schwer, Verletzte auf schnellstem Wege in den richtigen Kliniken unterzubringen. Das würde mit den neuen Überlegungen noch schwieriger. Foto: Daiminger
Schon jetzt hat es der Chamer Rettungsdienst schwer, Verletzte auf schnellstem Wege in den richtigen Kliniken unterzubringen. Das würde mit den neuen Überlegungen noch schwieriger. Foto: Daiminger

Cham.„Wie schön ist es doch immer wieder, Statistiken und Gutachten zu lesen die uns sagen, wie alles besser wird. Hilfreich sind diese Feststellungen vor allem dort, wo eine weitere Gewinnmaximierung für möglich gehalten wird. Besonders im Gesundheitswesen wird dieses betriebswirtschaftliche Bestreben immer wieder unter dem Deckmantel einer optimierten Patientenversorgung versteckt.“

Der Chamer Rettungsdienstleiter Mich Daiminger ärgert sich über die neuesten Überlegungen, kleine Kliniken zugunsten größerer zuschließen. Seine Stellungnahme fällt dementsprechend aus: „Wer dies bestreitet, sollte erklären, warum es in einer Zeit, in der so viel Geld wie noch nie für das Gesundheitswesen ausgegeben wird, und es so viele Ärzte wie noch nie gibt, keine adäquate Struktur zu finden ist, die allen Patienten dient. Um es gleich vorweg zu sagen – ja, es kann und muss schnellstmöglich einiges im Gesundheitswesen optimiert werden. Im Ergebnis muss dies aber einzig und allein zu einer Verbesserung für die Patienten führen, nicht aber zum „Geldbeutelfüllen“ einiger Systembeteiligten.

Bürokratie bestimmt Geschäft

Heute, wo alleine DRGs, Fallzahlen und Bürokratie das „Geschäft“ bestimmen, wird der Patient zur Nebensache, ja zum Produkt in einer wirtschaftlichen Betrachtung. Seit der Privatisierung im Gesundheitswesen wird eine Gewinnmaximierung angestrebt und die dadurch entstehenden Probleme „versozialisiert“. Selbst wenn noch so viele Fachkräfte aus dem Ausland importiert werden (die dort fehlen), ist so keine nachhaltige Lösung zu sichern.

Gesundheit

Gibt es die Chamer Klinik der Zukunft?

Wie sieht die Klinik der Zukunft im Landkreis aus? Müssen die Kleinen weg zugunsten der Großen, wie es eine Studie fordert?

Es ist richtig, dass planbare, elitäre Eingriffe einer großen Erfahrung bedürfen. Diese Erfahrung haben aber auch Fachärzte, die von einer solch großen Klinik in den ländlichen Raum gekommen sind. Selbst wenn jede Klinik die höchste Versorgungsstufe nachweisen könnte, würde durch die überwiegende Zahl der „Normalkranken“, nicht nur deren Aufnahmekapazitäten überschritten, sondern es würde zu einer wesentlichen Verteuerung führen.

„Zeit ist Herz“

Noch eklatanter sind die Auswirkungen speziell für den Rettungsdienst. „Zeit ist Hirn“ oder „Zeit ist Herz“, so lauten die allgegenwärtigen Forderungen, die richtigerweise ein besseres Überleben sichern. Diese zeitliche Notwendigkeit lässt sich nur durch eine flächendeckende Versorgung auch in kleineren Kliniken gewährleisten.

Noch viel dramatischer würde sich die Situation z. B. für Unfallverletzte darstellen. Jetzt schon ist es schwierig genug, zu bestimmten Zeiten und mit bestimmten Verletzungsmustern, Patienten zeitgerecht in die richtige Klinik zu bringen. Wer Kliniken schließen möchte, soll jetzt schon mal erleben wie „einfach“ es ist, z.B. fünf Patienten eines Verkehrsunfalles in eine einzige Schwerpunkt-Klinik zu bringen. Selbst im Zeitalter der Rettungshubschrauber, deren Anzahl man verdoppeln müsste, bliebe z. B. an Nebeltagen oder in der Nacht die Grundversorgung zur Überlebenssicherung, wieder in den kleinen Kliniken.

Gerade im ländlichen Raum können nur Rettungsdienst und Klinik gemeinsam eine 24 Stunden-Versorgung gewährleisten. Alle anderen, wirtschaftlich orientierten Versorgungssysteme bleiben zeitlich beschränkte Notlösungen. Der gewollte Wettbewerb im Gesundheitswesen sparte bisher keine Kosten. Im Gegenteil, es wurde immer teurer, die Versorgung nicht wesentlich besser. Aber die Grund- und Regelversorgung rückt weiter von den Menschen weg, die das System finanzieren.

Mehr Nachrichten rund um den Landkreis Cham lesen Sie hier.

Die wichtigsten Informationen des Tages direkt auf das Mobilgerät: Mit MZ und WhatsApp bleiben Sie stets auf dem Laufenden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht