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Wenn die Hollerstaud’n blüht

Früher gehörte der Holunder zu jedem Bauernhof. Auch heute ist die gesundheitliche Wirkung von Blüten und Früchten geschätzt.
Hermann Schropp

Die Hollerstaud’n ist beinahe überall anzutreffen.  Foto: Hermann Schropp
Die Hollerstaud’n ist beinahe überall anzutreffen. Foto: Hermann Schropp Foto: Hermann Schropp

Chamerau.Der Holunder gilt als „Allheilmittel“. Jeder Hof hatte früher einen Hollerstrauch als Hofapotheke angepflanzt. Holunder stärkt das Immunsystem, wirkt husten- und schleimlösend. Die Beeren enthalten viele Vitamine, müssen aber vor dem Verzehr gekocht werden.

Sie blühen wieder, die Hollerstaud’n, die früher bei keinem Bauernhaus fehlen durften und deren Wirkstoffen in Blüten, Blättern und Wurzeln besondere Heilkraft zugeschrieben wird. Mit Hollerkejchln ergänzte die Bäuerin mehr als einmal den Speisezettel. Holunder war auch so etwas wie ein Naturobst-Lieferant für Mus, Marmelade, Saft und Wein.

Die in Wasser geschwemmten Blüten werden in weichen Backteig getaucht, in kochendem Schmalz gebacken und als eine Art Krapfen oder „Kejchl“ auf den Tisch gebracht. Sie schmecken nicht nur gut, sie weisen auch Heilerfolge aufgrund verschiedene Wirkstoffe auf.

Letztere befinden sich in dem Baum- oder strauchartigen Geißblattgewächs mit grauer, rissiger Rinde, holzigen Zweigen und mit schwammartigem Mark, das im Mai oder Juni blüht und den astronomischen Sommer eröffnet. Die Blüten und auch die Blätter und Wurzeln, später auch die Frucht, enthalten ätherische Öle, Pektin, Cholin, Harz, Zucker, Pflanzenschleime und Gerbstoffe. Die Beeren sind außerdem reich an Vitamin C.

Die Blüten wirken, als Aufguss zubereitet, schweißtreibend und krampflösend. Der Aufguss wird aus getrockneten Dolden hergestellt und bei Erkältungskrankheiten gereicht, wobei zwei Teelöffel zerkleinerte Blüten auf eine Tasse kommen und 15 Minuten ziehen sollen. Die harntreibende Kraft des Holunders kann durch Zugabe abgekochter, zerkleinerter Wurzelstöcke (ein Teelöffel auf eine Tasse), verstärkt werden. Diese Mischung regt nicht nur die Nierentätigkeit an, sie gilt auch als hervorragendes Mittel gegen Rheuma und Gicht. Stärker abführend und harntreibend wirkt abgekochte grüne Holunderrinde, jene Schicht, die unter der grauen Oberschicht des Stamms und der Zweige liegt; ein Teelöffel auf eine Tasse. Für Schlankheitskuren schwört man auch auf frische Holunderbeeren.

Sind die Beeren reif genug, stellt man Mus oder Marmelade her; beides lässt sich gut auch mit Birnen oder Pflaumen mischen. Außerdem kann aus frischen Beeren Holunderwein zureitet werden.

Blüten und Blätter werden zur Blütezeit, die Beeren im Hochsommer, die Wurzeln im Herbst gesammelt. Beinahe überall ist der Holunder anzutreffen: an Waldrändern, auf Steinmauern, in Schluchten und an Scheunenwänden. Er gehört zu den anspruchslosen Pflanzen, die selbst in der freien Natur eine Zierde, sowohl während der Blütezeit als auch in jenen Wochen sind, wenn die Sträucher, voll behängt, die schwarzen Beerentrauben tragen. Die Hollerstaud’n war früher etwas wie ein Teil des Bauernhaus-Inventars. In zahlreichen Volks- und Kunstliedern spielt sie eine Rolle. (che)

Hintergrund

  • Inhaltsstoffe:

    Die Blüten und die Blätter und Wurzeln, später auch die Früchte, enthalten ätherische Öle, Pektin, Cholin, Harz, Zucker, Pflanzenschleime und Gerbstoffe. Die Beeren sind außerdem reich an Vitamin C; vor dem Verzehr müssen die Früchte aber gekocht werden.

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