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Montag, 24. September 2018 23° 6

Kirche

Wenn die Ratschen die Glocken ersetzen

Ostern als Höhepunkt des christlichen Kirchenjahres sorgte in Schorndorf gleich mehrmals für ein volles Gotteshaus.

  • Statt des Glockengeläuts ließen die Ministranten die Ratschen rattern. Foto: cls
  • Das vor der Pfarrkirche entzündete Osterfeuer wurde mit der Osterkerze zur Osternachtfeier feierlich in das Gotteshaus überführt. Foto: cls

Schorndorf. Ostern als Höhepunkt des christlichen Kirchenjahres sorgte auch in Schorndorf gleich mehrmals für ein volles Gotteshaus. Die Kirchengemeinde der Pfarrei „Maria Immaculata“ beging die Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrn recht zahlreich und feierlich. Die Todesstille am Karfreitag wurde durchbrochen von der Freude und Hoffnung in der Osternacht und am Ostermorgen.

Den Auftakt der Heiligen Tage bildete am Gründonnerstag der Abendmahlsgottesdienst, zur Eröffnung wurde das Eingangslied „Also sprach beim Abendmahle Jesus als sein Testament: Seid geeint und liebt euch alle, dass mich diese Welt erkennt!“ angestimmt. Ruhestandspfarrer Hans Gschlößl freute und bedankte sich gleich zu Beginn, „dass Sie sich trotz eines langen Arbeitstages und trotz der Ostervorbereitungen schon heute Abend Zeit nehmen für Gott.“ In der Predigt stellte Gschlößl das überraschende Handeln Jesu gegenüber seinem Verräter Judas heraus: „Er wusch auch ihm die Füße, verwehrte auch ihm nicht den Zugang zum Tisch und reichte auch ihm das Brot“. Die Liebe Gottes bestehe eben darin, sich den Menschen zuzuwenden, obgleich sie sich von ihm abwenden. Auch uns allen werde diese Zuneigung geschenkt. „Nehmen wir sie an, es lohnt sich, sie hat heilende Kräfte“, so Gschlößl abschließend.

Erstkommunionkindern dabei

Beim Abendmahlsgottesdienst verstummten Orgel und Glocken und wurden abgelöst vom Rattern der Ratschen. Abgeschlossen wurde der Gründonnerstag mit einer Ölberg-Andacht, in Text- und Gebetsform und in Stille konnten sich die Gläubigen noch stärker in die Atmosphäre jenes besonderen Abends hineinnehmen lassen und sich in dieser Nacht mit den vielen Wachenden und Betenden auf der ganzen Welt verbinden.

Am Karfreitagsnachmittag wurde in der Pfarrkirche zur Todesstunde Jesu die Liturgie begangen, um des Leidens und Sterbens Jesu zu gedenken.

Osterfeier

  • Tradition:

    Es hat in der Pfarrei inzwischen Tradition, dass am Morgen des Karfreitags der Kreuzweg hinauf zur Kapelle am Kalvarienberg bei Neuthierling gebetet wird.

  • Musik:

    Karfreitag wie die Osternachtfeier wurde vom Schorndorfer Kirchenchor musikalisch und gesanglich begleitet.

Das Gotteshaus präsentierte sich dazu betont recht karg. Dem Tod Jesu, der nach sechs qualvollen Stunden um die neunte Stunde gestorben ist, wurde zunächst mit einer stillen Minute gedacht. Anschließend führte die Liturgie in mehreren Schritten in das Geheimnis des Karfreitags ein: Im Wortgottesdienst mit den Lesungen, mit der Leidensgeschichte nach Markus, den großen Fürbitten sowie in der feierlichen Kreuzverehrung. In der Predigt stellte der Pfarrer das Geschehen am Kreuz in den Mittelpunkt: „Wer an Christus glaubt, kommt vom Kreuz nicht los“, diese Verbindung halte für Zeit und Ewigkeit. Der Herr, der am Kreuz hängt, lasse uns nicht los. Nicht um Sünden zu sühnen, „nein, Jesus hat sich für uns zu Tode geliebt“. Deshalb seien wir eingeladen, Christus zu ehren. Beispielgebend zogen Pfarrer Gschlößl und die Erstkommunionkinder durch das Gotteshaus und legten zu den Füßen des Gekreuzigten je eine rote Rose nieder.

Die Osterkerze als Sinnbild

Der Tag der Grabesruhe endete am Samstagabend mit der Auferstehungsfeier. Pfarrer Gschlößl segnete zunächst am Eingang zur Pfarrkirche das brennende Osterfeuer und zog dann mit der erstmals entzündeten Osterkerze in Begleitung der Ministranten in die dunkle Pfarrkirche ein. Nach und nach sorgten mehr und mehr Osterlichter, die auch der Frauenbund zum Kauf angeboten hatte, wieder für Aufhellung und Licht.

„Vom Tode heut erstanden ist der heilge Herre Jesus Christ, der aller Welt ein Tröster ist“, sang die Gemeinde am Sonntag im Ostergottesdienstes. Ostern und Auferstehung, so Ruhestandspfarrer Gschlößl eingangs sei für die einen ein Grund zur tiefen Freude und für die anderen ein Ereignis, dem sie mit Zweifel und Skepsis begegnen. „Wo stehen wir“, so die Frage des Seelsorgers. In der Predigt verwies Gschlößl zunächst auf die neue Osterkerze als Sinnbild für den Auferstandenen, gleich daneben zeige sich das geschmückte Kreuz, Zeichen für Leid und Tod: „Beides gehört zusammen“, so Gschlößl weiter, „man kann den Tod nicht von der Auferstehung trennen“. Der Tod sei nicht Ende, sondern Wende zu einem völlig anderen Leben. (cls)

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