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Wer lebt, riskiert den Tod

Ein Kommentar von Johannes Schiedermeier

Das allgemeine Lebensrisiko beinhaltet auch den Tod. Gut, dieses juristische Grundprinzip funktioniert auch eine Nummer kleiner: Wer die Katze seines Freundes betreut, riskiert es, deren Flöhe mit heimzubringen. Kein Grund zur Klage, sagt der Richter.

Jetzt haben wir Corona. Da ist vieles anders. Da entscheidet plötzlich der Staat, dass das Risiko für einen Menschen im Seniorenheim zu hoch ist – und isoliert ihn. Zum eigenen Schutz.

Wenn es länger dauert, geht das zu weit. Genauer gesagt: Das muss jetzt ein Ende haben. Der Staat hat seinen Bürgern seit kurzem das Recht eingeräumt, zu entscheiden, ob sie ihrem Leben ein Ende setzen wollen, weil sie es in dieser Form nicht mehr leben wollen. Deswegen handelt er jetzt unlogisch, wenn er ihnen das Recht nimmt, selbst zu entscheiden, ob es schlimmer für sie ist, sich mit Corona zu infizieren, als isoliert zu leben.

Natürlich darf man nicht aus den Augen verlieren, dass es auch um den Schutz der anderen ging. Darum, keine Hotspots zu schaffen und viele Tote zu riskieren. Aber nun muss die Risikoabwägung wieder in die Hände derer gegeben werden, deren Leben auf dem Spiel steht.

Bei einer selbst gewählten Isolation liegt die Sache anders. Die darf man ja auch selbst wieder aufgeben. Es geht um die Menschen, die sich nicht wehren können. Die Behinderten, die Alten in den Heimen und die Kranken in den Kliniken. Deren Leben muss wieder leichter und lebenswerter werden. Wer lebt, riskiert den Tod. Die Abwägung, wann ein Leben lebenswert ist und welches Risiko man dafür eingehen möchte, muss ein Grundrecht derer bleiben, die es leben, oder deshalb sterben werden.

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