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Wertvolle Wilde: Die Wildbirne

Das Holz der Wildbirne gilt als teure Rarität – und das Hutzelbrot verdankt ihren Früchten seinen Namen.
Von Petra Schoplocher

Ein besonderes Exemplar, halb Wild-, halb Hausbirne und noch dazu mit dickem Stamm. Das Holz der Baumart ist besonders und , die Wildbirne aber auch als Baum am Waldrand durchaus interessant.  Foto Schoplocher
Ein besonderes Exemplar, halb Wild-, halb Hausbirne und noch dazu mit dickem Stamm. Das Holz der Baumart ist besonders und , die Wildbirne aber auch als Baum am Waldrand durchaus interessant. Foto Schoplocher

Cham.Das Gespräch mit Hans Geiger über die Wildbirne ist zunächst eines: Eine Geschichte, wie der Mensch in die Natur eingegriffen hat. Ein Wildbirnbaum kann 150 bis 200 Jahre alt werden, eine Hausbirne zwischen 70 und 80. Klarer Fall: Die Züchtung zur Optimierung von Süße und Größe der Früchte geht auf Kosten der Lebenszeit, ist also nichts als erkauft.

Weil aber Hans Geiger in erster Linie Förster ist – was diesem Exkurs nicht die Bedeutung nehmen soll – sieht er die (Wild)Birne natürlich auch mit anderen Augen. Im Wald werde man die Wildbirne eher selten finden, erklärt er, was ihrem Lichtbedürfnis geschuldet ist, vor allem auf ihre geringe Konkurrenzkraft zurückzuführen ist.

Aber am Waldrand, am südlichen Rand einer Forststraße, auf Wildäckern oder Streuobstwiesen ist der „Baum der Hecken“ sehr gut aufgehoben. Auch für die Erstaufforstung landwirtschaftlicher Flächen sollte man sie (öfter) im Auge haben.

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Klein, aber stabil

Charakteristisch für die in ganz Europa vorkommende Wildbirne ist ihre Wärmeliebe. Sommerwarme Lagen, bei uns bis etwa 850 Meter, sind ideal. Ist der Boden dann noch nährstoffreich oder gerne auch kalkhaltig und mäßig trocken, fühlt sie sich richtig wohl. Wenn sie auch in der Jugend langsam wächst und nur etwa 20 Meter hoch wird, kann sie Durchmesser von 80 Zentimetern schaffen. Dank ihrer Pfahlwurzel steht sie recht stabil, was den Fachmann zu dem Urteil „tolle Mischbaumart“ verleitet.

Bei der Standortwahl sollte man Spätfröste berücksichtigen, ansonsten gibt es ein paar Pilze, die ihr schaden können, wie der Birnengitterrost oder Feuerbrand, letzterer sah eine Zeit lang wie eine echte Bedrohung aus.

Birne ohne „Birnen“

Echte Wildbirnen von verwilderten Zuchtformen zu unterscheiden, ist durch die Durchmischung in den Jahrtausenden – schon die Griechen kannten sie als Gabe der Götter – schwierig geworden. Wichtigstes Kriterium sind die Zweige, die bei der Wildbirne schwachbedornt sind, und die Früchte: Die sind nur rund drei Zentimeter groß und rund – und damit nun so gar nicht birnenförmig.

Und auch nur in sehr reifem Zustand irgendwie zu genießen, das Fruchtfleisch ist „hart wie Holz“, erklärt Geiger, daher auch der Zweitname Holzbirne. Die gedörrten, „verhutzelten“ Früchte sind unverzichtbare Zutat des Hutzelbrots (Nomen est omen), unsere Vorfahren schätzten sie als Dörr- oder Backobst als nahrhafte Speise. „Schnaps geht immer“, sagt der Bad Kötztinger Förster augenzwinkernd zur weiteren Nutzung.

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Attraktives Farbkleid

Vor allem Marder, Igel und Siebenschläfer lieben die Früchte, Mäuse, Hasen und Schalenwild wiederum die Jungpflanze. „Ohne Schutz hat sie es schwer“, macht Geiger deutlich. Doch der lohnt sich: Für viele Insekten ist die Wildbirne von großer Bedeutung, der Holzpreis wiederum ist für den Waldbauern attraktiv. Und dann ist da nicht zuletzt der geradezu künstlerische Wert während der Blütezeit und noch mehr im Herbst. Das intensive Farbenspiel von gold bis violett sucht seinesgleichen und ist ein fantastischer Farbtupfer in der Landschaft.

Vor allem seit dem Verzicht auf Tropenholz ist die Nachfrage nach „Birne„ stark gestiegen. Gerade und astfreie Stämme brächten es im Schnitt auf mehrere hundert Euro, weiß der Fachmann. Das liegt an der rötlich-braunen Farbe und dem Nachdunkeln unter Lichteinfluss. Weil hart, aber dennoch gut bearbeitbar ist und zudem leichter als Buche oder Eiche, ist es bei Drechslern beliebt. Weil es nicht schwindet, wurde es seit Alters her für Messwerkzeuge, Zeichengeräte und Instrumentenherstellung geschätzt, Stichwort Kinderflöten.

Das mag bei dem ein oder anderen zwar zwiespältige Erinnerungen wecken, ist der Birne aber nicht anzulasten. Die ist einfach „ein toller Baum.

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