MyMz
Anzeige

Geschichte

Wie das Silber nach Lam kam

Das Lamer Bergwerk war das älteste und reinste Silberbergwerk des Bayerwaldes. Alois Frisch erinnert an seine Geschichte.
Von Maria Frisch

Mit einem Versuch demonstrierte Alois Frisch, wie schwer der Stein von der Schmelz ist und wie viel Rauminhalt er hat, um das spezifische Gewicht zu errechnen. Foto: Maria Frisch
Mit einem Versuch demonstrierte Alois Frisch, wie schwer der Stein von der Schmelz ist und wie viel Rauminhalt er hat, um das spezifische Gewicht zu errechnen. Foto: Maria Frisch

Lam.„Im Lamer Bergwerk, dem lange Zeit nachgesagt wurde, dass es unrentabel war, wurden tonnenweise Silber abgebaut, sodass Generationen von Familien ihren Lebensunterhalt mit der Arbeit unter Tage bestreiten konnten“, schildert Alois Frisch, der bei der Waldvereinssektion Lam am Samstag im Saal des Gasthofes Stöberl über dieses Thema referierte. Den pensionierten Lehrer faszinierten die Bergbauära und die Leistung der Bergleute.

Als Zehnjähriger war Frisch oft beim Schwammerl-Suchen im Bucheter Wald. „Dort führte ein Stollen hinein, aus dem ich manchmal Geräusche vernahm“, war er damals hin und her gerissen von Neugierde und Angst. Im Gedächtnis sind ihm die großen Lastwagen geblieben, die vor der Rampe des Bergwerks mit dem Geröll aus der Tiefe beladen wurden und dieses zum Bahnhof verfrachteten. Immer wieder kam es zu schweren Verletzungen der Bergleute. Ein grauer VW-Bus des Roten Kreuzes musste sie holen.

Kleidung: Die Kleidung ließ keinen Zweifel über die schwere Arbeit aufkommen. Die Leute trugen nur einen Lederhelm. Der Verdienst war um einiges besser als in der Landwirtschaft, allerdings war die Arbeit auch um ein Vielfaches gefährlicher.  Fotos/Repro: Alois Frisch
Kleidung: Die Kleidung ließ keinen Zweifel über die schwere Arbeit aufkommen. Die Leute trugen nur einen Lederhelm. Der Verdienst war um einiges besser als in der Landwirtschaft, allerdings war die Arbeit auch um ein Vielfaches gefährlicher. Fotos/Repro: Alois Frisch

Frisch hat schon immer über das Bergwerk gelesen, was ihm in die Finger kam. Die Öffnung in den Berg war nach der Schließung der Zeche zugesprengt und somit viele Jahre verrammelt. „Gott sei Dank sind die Stollen mittlerweile wieder zugänglich“, freut sich der Thürnsteiner. Bei seinen Recherchen stützte er sich auf die vorhandene Literatur von Otto Neidhardt, Johannes M. Wiegel, Ulrich Winkler sowie Dr. Schrötter. Ein Werk, das sich einzig und allein mit dem Bergbau befasst, ist das Buch „Das Silber unterm Osser“ von Thomas Obermüller. „Darin sind 550 Jahre Erz- und Heimatkunde aufgearbeitet“, lobt Alois Frisch.

Von jedem Ort – natürlich auch von Lam – gebe es mehrere Deutungen des Ortsnamens. Da „Lom“ im Slawischen Steinbruch heißt, könnte der Name auch von diesem Völkerstamm herrühren. Thomas Obermüller hat außerdem auf einen keltischen Einfluss verwiesen, da „Llamos“ in dieser Sprache hoch aufsteigend bedeutet. Sicher sei, dass die Kelten ausgezeichnete Bergleute und Erzverarbeiter waren, auch wenn keine schriftlichen Dokumente vorhanden sind, dass sie sich jemals hier aufhielten. Die Karlsburg bei Berg Reichenstein im Böhmerwald wurde um 1300 von Karl IV. gebaut, um dort sein Gold aufzubewahren. Das gleiche haben die Kelten schon 2000 Jahre zuvor an selber Stelle gemacht. Der Grundriss der verfallenen Keltenburg im Böhmerwald ist noch vorhanden. Die Kelten haben ebenfalls die Goldvorräte gehortet. „Also wäre es nicht so unwahrscheinlich, dass sie auch im Lamer Winkel waren“, schlussfolgert Alois Frisch. Mit welchen Methoden sie die Erze aufgespürt und abgebaut haben, sei ein Rätsel.

Ein Kilo Stein, drei Gramm Silber

Erinnerung: Eine ältere Ansicht des Berges. Am linken Rand ist noch die Schotterhalde des Johannesstollens zu erkennen.  Fotos/Repro: Alois Frisch
Erinnerung: Eine ältere Ansicht des Berges. Am linken Rand ist noch die Schotterhalde des Johannesstollens zu erkennen. Fotos/Repro: Alois Frisch

1279 wurde in Lam ein großes Siedlungswerk begonnen, das aufblühte. Die Roder drangen bis an den Fuß des Arbers vor. Zunächst wurden die Dörfer auf der Südseite, Thürnstein, Silbersbach, Eggersberg und Lohberg gegründet. Um 1420 war fast der gesamte Lamer Winkel ausgerottet, weil die Hussiten die Höfe überfallen und die Tiere geraubt hatten, um ein Heer zu versorgen. Der Bergbau begann in der Oswald-Fundgrube, der heutigen Fürstenzeche. Die Herzoge Johann und Sigesmund von Bayern erteilten einem unbedeutenden Dorf wie Lam per Urkunde die Erlaubnis, in Schmelz und in Buchet im Boden zu graben. „Das war die erste Bergfreiheit“, weiß Frisch über dieses wichtige Dokument. Die Bergleute kamen aus Böhmen und dem Alpenraum. Sie durften unbehelligt reisen und das Holz auf dem Gebiet der Grube nutzen. Damit wollte der Herzog von Bayern den Bergleuten Sicherheit geben und den Bergbau fördern, der sich 550 Jahre hielt.

Geschürft wurde vor allem nach Silber. Alles andere waren Nebenprodukte. „Man schätzt, dass auch heute noch tonnenweise Zink, Bleierze und auch Silber im Boden lagern“, so Frisch über die Ergiebigkeit der Bodenschätze. Ein Kilogramm Gestein enthielt drei Gramm Silber. „Das ist viel.“ Außerdem fanden sie Quarz mit Eisen, Flussspat und Pyrit (sogenanntes Katzengold). Es habe fünf Stollen gegeben.

„Die Folgen mussten immer die kleinen Leute ausbaden.“

Alois Frisch, der Referent über die Kriege

Die Beleuchtung stammte von Lampen, in denen Rinderfett verbrannt wurde. 1521 gab es eine neue Bestätigung des Landesfürsten: die Bergwerksordnung, die sich mit dem inneren Ablauf im Bergwerk befasste. Der wichtigste Mann war der Steiger. Der unterste Arbeiter musste den Hunt schieben, das war ein Rollwagen. Es gab einen täglichen Markt, mit dem die Bergleute versorgt wurden. In Lam haben zu dieser Zeit ungefähr 600 Leute gelebt. Ein Drittel davon waren Bergleute und ihre Familien. Sie hatten viele Kinder. Da auf dem täglichen Weg ins Bergwerk viel Zeit verlorenging, errichteten sie in der Nähe einen Bauernhof. „Das war der Bucheter, der frühere Moserhof. Dort wurden die wichtigsten Leute untergebracht“, sagt Frisch.

Die Betreiber wechselten vom Landesherrn über eine Gesellschaft bis zu zwei Geistlichen, die aus Meran stammten. Das waren die Brüder Pfister. Sie haben einen Fachmann aus Bozen beauftragt, für sie die Geschäfte zu führen. Etliche Kriege begleiteten die Bergwerksgeschichte. „Die Folgen mussten immer die kleinen Leute ausbaden“, so Frisch.

Acht Zentimeter täglich schürfen

Heute: Das Foto zeigt den Glockenbau mit der jetzigen Betreiberin Kerstin Schöddert. Die Erschließung als Besucherbergwerk war eine Meisterleistung. Beeindruckend ist, wie Frisch erläutert, dass die Luft durch die Feuchtigkeit 200 bis 400 Mal reiner als außen ist.  Fotos/Repro: Alois Frisch
Heute: Das Foto zeigt den Glockenbau mit der jetzigen Betreiberin Kerstin Schöddert. Die Erschließung als Besucherbergwerk war eine Meisterleistung. Beeindruckend ist, wie Frisch erläutert, dass die Luft durch die Feuchtigkeit 200 bis 400 Mal reiner als außen ist. Fotos/Repro: Alois Frisch

Der Bremsschacht, der ins Bergwerk führt, war eine Meisterleistung der damaligen Zeit. Es gab eine Scheidkammer, wo das erzhaltige Gestein auf Glaubtischen getrennt wurde. Auf Walnussgröße wurde es zerkleinert und dann verhüttet. Alois Frisch zeigt ein äußerst primitiv wirkendes Bergeisen aus der Gründerzeit, mit dem der Felsen abgetragen wurde. Die Bergleute schafften acht Zentimeter am Tag. Mit Sprengungen in der Neuzeit waren es dann zwei Meter. Eine Methode aus dieser Zeit war das „Feuersetzen“, bei dem der Stein erhitzt und dann mit kaltem Wasser abgeschüttet wurde. „Dabei zersprengt es ihn. Das war in Buchet nicht möglich, weil schon schlechte Luft vorherrschte. Da das Feuer Sauerstoff verbraucht, wären die Arbeiter erstickt“, schildert der Thürnsteiner. In der Schmelz ließen die Verantwortlichen Luftschächte graben , die zum Teil heute noch sichtbar sind.

Geschichte

Als der „Dampf“ das Getreide drosch

Über viele Jahrzehnte zog der Treml Hans mit seiner Dampfmaschine von Bauer zu Bauer. Trotz Technik war das Knochenarbeit.

Kein Vorteil war für Lam die Vereinigung mit Bodenmais, das sich die lästige Konkurrenz vom Leibe halten wollte. „Obwohl sie immer behaupteten, dass die Grube in Lam unrentabel sei, kauften sie sie für 100 000 Goldmark.“ Ein Widerspruch, meint Frisch. Der Silbergehalt des Erzes in Bodenmais war nicht gut und nur mit Verlust zu schmelzen. Deshalb sollte es mit dem Lamer Silber verarbeitet werden. „In Bodenmais wurde aus dem Gestein, das Schwefel und Eisen enthielt, Vitriol hergestellt, das man zur Haltbarmachung von gegerbten Fellen brauchte“, erläutert der pensionierte Lehrer. Mit dem Vitriolverkauf erzielten die Bodenmaiser Gewinn.

Die Bergleute arbeiteten täglich zehn Stunden. Der Wochenlohn betrug für einen Hauer, die abgesehen vom Steiger am meisten verdienten, einen Gulden. Die Bergleute haben in zwei Schichten gearbeitet. Der Mesner in Lam läutete den Beginn mit den Kirchenglocken ein und wurde dafür vom Bergwerk bezahlt. Innerhalb von 20 Jahren wurden 1,5 Tonnen Silber abgebaut. „Das war keineswegs unbedeutend“, so Frisch. (kli)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht