mz_logo

Region Cham
Samstag, 18. August 2018 29° 3

Justiz

Wilde Wochen enden vor Gericht

Alkohol und seine Folgen: Ein 19-Jähriger aus Falkenstein stand wegen einer ganzen Reihe von Straftaten vor dem Richter.

Der 19-jährige Angeklagte aus Falkenstein bekannte sich zu einer ganzen Reihe von Straftaten. Foto: Malte Christians/dpa
Der 19-jährige Angeklagte aus Falkenstein bekannte sich zu einer ganzen Reihe von Straftaten. Foto: Malte Christians/dpa

Falkenstein.Fünf Tatvorwürfe bekam ein 19-Jähriger aus Falkenstein in der Anklageschrift mitgeteilt. Zunächst soll er mit einer anderen Person am 3. Juni gegen 19.15 Uhr auf der B85 in Richtung Roding ein gefährliches Fahrmanöver vollzogen haben. Dabei habe er zunächst auf die Linksabbiegerspur ausgeschert, um dann kurzerhand wieder nach rechts herüberzuziehen. In diesem Zuge wurde ein Reisebus touchiert. Der Angeklagte habe dies bemerkt, sei aber weitergefahren.

Am 2. Juli soll der Azubi zwei Schaufensterscheiben eingeworfen haben. Sachschaden: 4100 Euro. Noch in der gleichen Nacht wurde er von der Polizei kontrolliert. Dabei habe er ein verbotenes Springmesser dabei. Knapp zwei Wochen später soll er in einer Chamer Disco einen Feuerlöscher entwendet haben. Schaden: 81 Euro.

Zum Schluss ging es um einen Fahrraddiebstahl in Roding. Etwa 100 Euro sei das entwendete Rad wert gewesen. Der Verteidiger verlas eine Erklärung, nach der sich sein Mandant zu den Anklagepunkten eins, drei, vier und fünf für schuldig bekannte. Lediglich die Sachbeschädigung an den Schaufenstern habe er nicht begangen.

In Bezug auf das gefährliche Fahrmanöver habe der Angeklagte das Auto eines Freundes gefahren. Als noch unerfahrener Autofahrer habe ihm dies Probleme bereitet. Das Auto sei zudem voll mit betrunkenen Personen gewesen, die ihm nach der Berührung mit dem Bus empfohlen hätten, weiterzufahren. Dies sei keine Entschuldigung für das verantwortungslose Handeln, zumindest aber sei er beeinflusst worden. Später habe er an das Reisebüro gewandt, um den Schaden zu regulieren. Antwort habe er nie erhalten.

Zeugen belasten Angeklagten

Die Scheiben in Roding habe er nicht eingeschlagen, lediglich an den Gittern eines Schaufensters „herumgezupft“. Auch die Sache mit dem Feuerlöscher habe er begangen. Hier sei es dem Angeklagten besonders peinlich. Im Vorfeld habe er Bier, Wodka und Wein konsumiert. Beim Fahrraddiebstahl habe ebenfalls Alkohol eine Rolle gespielt. Unterwegs zu Fuß wollte er nicht den weiten Weg zu einem Einzelhandel gehen, um dort weiteren Alkohol zu kaufen. So habe er kurzerhand des Rades genommen. Abschließend ergänzte der Verteidiger, dass die beiden letzteren Schäden in der Zwischenzeit beglichen seien. Der Sommer 2017 sei für den Angeklagten nicht einfach gewesen. Er sei arbeitslos gewesen und habe verstärkt zum Alkohol gegriffen. Im September konnte er eine Ausbildung beginnen. Hatte der junge Mann früher auch zu Drogen Kontakt, habe er im Tatzeitraum Alkohol bevorzugt und im weiteren Zeitverlauf den Konsum fast komplett eingestellt. Sogar Suchtberatungsgespräche habe er mittlerweile absolviert.

Danach beschrieb ein Polizist die Ermittlungen im Feuerlöscherdiebstahl. Die Tat sei nicht zu sehen gewesen, jedoch zeige ein Video, dass der Angeklagte mit einer Sporttasche die Örtlichkeiten betrat und im Anschluss mit ausgebeulter Tasche wieder verließ. Eine Alkoholisierung sei erkennbar gewesen. Ein Rodinger Polizeibeamter war am 2. Juli auf einen Pkw ohne Licht aufmerksam geworden. Der Angeklagte stieg aus, sofort sei eine frische Verletzung am Finger auffällig gewesen. Die verwendeten Steine zum Einwerfen der Fenster wurden unmittelbar davor aufgefunden, entsprechende Fotos dem Gericht vorgelegt.

Zwei Anwohner beschrieben einen lauten Knall in der Nacht. Eine der Zeugen sah den Angeklagten alleine auf der Straße. Der Verteidiger hinterfragte jedoch etwa die Lichtverhältnisse. Obwohl die Zeugin sich sogar an die Farbe der Kleidung erinnern konnte, reichte die Beobachtung der Anwesenheit alleine nicht aus. Der Tatnachweis war schwierig zu führen, dies sah auch die Staatsanwaltschaft und beantragte Einstellung des Anklagepunktes.

Gericht würdigt Geständnis

Nach dem positiven Bericht und günstiger Empfehlung durch die Jugendgerichtshilfe hielt die Staatsanwaltschaft das Plädoyer. Trotz Einträgen im Register sei die Verhängung einer Jugendstrafe nicht zwingend. Die Staatsanwaltschaft erläuterte, dass entscheidend die Frage sei, ob schädliche Neigungen beim Heranwachsenden vorliegen oder nicht: Dies sei nicht der Fall. Auch die positive Lebensentwicklung sowie das Geständnis müssten berücksichtigt werden. Ein Jahr Drogenabstinenz und Alkoholkonsum bis zu höchstens 0,5 Promille seien anzuordnen. Auf eine Geldauflage von 400 Euro könne nicht verzichtet werden. Das Urteil entsprach dem Beantragten ebenso wie die achtmonatige Sperrfrist für den Führerschein. (cya)

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht