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Wirtschaft

Winter lässt Arbeitslosen-Zahlen steigen

Die wachsenden Zahlen im Bereich der Agentur für Arbeit Cham seien Saison-typisch. Und eine Trendwende steht schon bevor.

Wintertypisch steigen die Arbeitslosenzahlen im Dezember. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
Wintertypisch steigen die Arbeitslosenzahlen im Dezember. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Cham.Im Bezirk der Agentur für Arbeit Cham hat die Arbeitslosigkeit von November auf Dezember – wie in dieser Jahreszeit üblich – zugenommen. „Der regionale Arbeitsmarkt war zum Jahresende von Beständigkeit und guter Verfassung geprägt. Er profitiert weiter von der starken Auftragslage und Auslastung in den meisten Betrieben im verarbeitenden Gewerbe und bei den Dienstleistungsunternehmen“, sagt Geschäftsstellenleiter Hans-Peter Hausladen.

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes sei auch von der relativ milden Witterung begünstigt worden. Zwar sei die Zahl der Arbeitslosen angestiegen, dies sei jedoch nicht ungewöhnlich im Dezember. Im Metall- und Elektrogewerbe haben Fachkräfte sehr gute Integrationsmöglichkeiten. Im Bauhauptgewerbe galt es, Baustellen abzuschließen, viele Stellenangebote sind der Agentur für die kommende Saison 2020 gemeldet, eine gute Auftragslage wird erwartet. Dies gilt auch für das Baunebengewerbe, auch hier wird eine sehr gute Auftragslage prognostiziert.

Pflegekräfte sind gefragt

Personalbedarf besteht in allen Sparten des Gesundheits- und Pflegebereichs. Bewerber stehen faktisch nicht zur Verfügung. Arbeitgeber sind voll ausgelastet und mussten teilweise sogar Patienten mangels Personal abweisen. Der Einzelhandel ist mit dem Weihnachtsgeschäft zufrieden. Wie schon in den Vorjahren erfolgten auch heuer nur vereinzelt zusätzliche Einstellungen. Nicht nur bei den Personaldienstleistern, sondern allgemein erfolgte zum Jahresende hin ein erwarteter Stellenrückgang. Die seit Jahresmitte abnehmende konjunkturelle Entwicklung hat sich laut Hausladen wieder entspannt. Dies gilt generell für die Beschäftigung im Landkreis Cham – auch bei den Zeitarbeitsfirmen. Hausladen rät Jugendlichen und jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss zu einer Ausbildung oder Umschulung. Die Fördermöglichkeiten seitens der Agentur sind hervorragend. „Leider wird dies von den jungen Menschen derzeit kaum in Anspruch genommen“, bedauert er.

Statistik

Fachkräfte sind weiter gefragt

Im Bezirk Cham ist die Arbeitslosigkeit im November geringfügig, im Bezirk Bad Kötzting merklich angestiegen.

Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis Cham unterschreitet in einem Dezembermonat zum 4. Mal die 2000er-Marke – zum 3. Mal mehr als deutlich – die Aussichten nach der kommenden Winterarbeitslosigkeit sind nicht schlecht“,, berichtet Hausladen. Der Arbeitsmarktexperte weist darauf hin, dass Arbeitgeber und ihre Mitarbeiter die Zeiten des Saisonkurzarbeitergeldbezuges für Qualifizierungsmaßnahmen nutzen können.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat sich abgeschwächt. Im Lauf des Jahres 2019 meldeten die Betriebe dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur und des Jobcenters Cham knapp 3420 offene Arbeitsstellen, knapp 150 Angebote bzw. 4,1 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Zahlen und Fakten

  • Bezirk Cham:

    Mitte Dezember waren rund 1350 Arbeitnehmer arbeitslos gemeldet, zirka 180 Personen bzw. 15,7 Prozent mehr als im Vormonat. Gegenüber Dezember 2018 erhöhte sich die Zahl der arbeitslos Gemeldeten um rund 100 bzw. 8,2 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt mit 2,4 Prozent 0,3 Prozentpunkte über der November-Quote. (Vorjahr 2,2 Prozent).

  • Bezirk Bad Kötzting:

    Binnen Monatsfrist erhöhte sich die Arbeitslosigkeit um rund 100 Personen bzw. 34,2 Prozent. Mitte Dezember waren knapp 410 Arbeitnehmer arbeitslos gemeldet, knapp 50 Personen bzw. 13,3 Prozent mehr als im Dezember 2018. Die Arbeitslosenquote kletterte von 1,9 Prozent im November auf aktuell 2,5 Prozent. Im Dezember des Vorjahres lag die Quote bei 2,2 Prozent.

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Bad Kötzting stieg die Arbeitslosigkeit vor allem aus jahreszeitbedingten Gründen an. Betroffen waren insbesondere Arbeitnehmer in Außenberufen und vereinzelt aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe. „Aufgrund des Saisonendes in der Baubranche und der relativ milden Witterung fiel der Zugang von Arbeitslosen heuer ähnlich moderat aus wie in den letzten beiden Jahren“, erläutert Hausladen. „Bei den meisten Baustellen wurde bis kurz vor Weihnachten gearbeitet, und aufgrund der geringen Ausgangs-Arbeitslosenzahl vom November gibt es erneut eine niedrige Quote.“ Den Grund sieht Hausladen in der guten Auftragslage in fast allen Wirtschaftszweigen. Auch wirken sich die zahlreichen bisherigen Arbeitslosmeldungen zum größten Teil erst nach Abbau von Urlaub und Überstunden im Januar aus. Es wurden zudem rund 200 Kündigungen nach hinten verschoben und zum Teil sogar ganz zurückgenommen.

Chancen auch in Gastronomie

Ein weiterer Grund für den moderat ausfallenden Zugang an Arbeitslosen ist die Inanspruchnahme des Saison-Kurzarbeitergeldes, das es seit zwölf Jahren gibt und das jeweils für die Zeit vom 1. Dezember bis 31. März beantragt werden kann. Im Hotel- und Gaststättengewerbe wurde der Großteil der Saisonkräfte vor Weihnachten wiedereingestellt, es besteht nach wie vor Arbeitskräftemangel. Motivierte und engagierte ungelernte Bewerber werden angelernt und eingearbeitet. Im Einzelhandel lief das Weihnachtsgeschäft gut, und die Umsätze entwickelten sich ab Anfang Dezember positiv.

Die heimischen Industriebetriebe verfügen über gute Auftragslagen, vor allem die Elektronikindustrie sucht Fachkräfte und Produktionshelfer. Bei den meisten anderen Betrieben sind die Beschäftigten gut ausgelastet, ohne dass zusätzlicher Kräftebedarf in größerem Umfang besteht. Im Gesundheitswesen werden Fach- und Hilfskräfte in Seniorenwohnheimen und ambulanten Pflegediensten gesucht, ebenso haben Physiotherapeuten gute Einstellungschancen.

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