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Medizin

Wissenschaftliche Hilfe aus China

Gemeinsam gegen den Zeitgeist in Kötzting: Das Deutsch-Chinesisches Forum baut im Kampf gegen Kankheiten auf China.
Von Maria Frisch

Schwerpunkte des Forums bildeten wissenschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zwischen China und der Region. Fotos: Maria Frisch
Schwerpunkte des Forums bildeten wissenschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zwischen China und der Region. Fotos: Maria Frisch

Bad Kötzting.Aus einer Veröffentlichung der WHO geht hervor, dass sich seit 1975 die Zahl der Übergewichtigen weltweit verdreifacht hat. Heute sterben mehr Menschen an Über- als an Untergewicht. „Wir sprechen hier von knapp zwei Milliarden Erwachsenen, die Übergewicht haben, davon sind 600 Millionen adipös, also leiden an Fettsucht“, so Prof. Dr. med. Dieter Melchart beim Deutsch-Chinesischem TCM-Forum am Samstagvormittag im Sinocur. Das Vermeiden von Übergewicht über Lebenstilveränderung zu lernen sei unverzichtbar.

Es war das zweite Forum dieser Art in Bad Kötzting, dass durch Grußworte von Bürgermeister Markus Hofmann sowie Landrat Franz Löffler eröffnet wurde und in dem TCM-Klinik von Anton Staudinger eine Reihe von Experten beider länder zu Wort kam.

Warum TCM zur Prävention?

Prof. Melchart: Lebenstilveränderung zu lernen ist unverzichtbar.
Prof. Melchart: Lebenstilveränderung zu lernen ist unverzichtbar.

Darunter Professor Dr. med. Dieter Melchart, Leiter eines Kompetenzzentrums für Komplementärmedizin und Naturheilkunde an der Technischen Hochschule Deggendorf. Der Pionier in Sachen Prävention sah dabei die chinesische Medizin als wissenschaftlicher und medizinischer Helfer an. Es sei natürlich allen klar, dass die Gesellschaft, nicht nur in Deutschland, sondern mittlerweile auch im pazifischen Raum eine Übergewichtssituation habe, die nicht ohne weiteres von der üblichen Medizin behandelbar sei. „Das sind große Herausforderungen, vor denen wir generell in der Medizin stehen. Hier benötigen wir einfach Unterstützung“, so Prof. Melchart.

Besagte Untersuchungen sind in 195 Ländern über die letzten 25 Jahre gemacht worden. Bei Adipösen fallen Herz- und Kreislauferkrankungen, Arthrose, Diabetes und Krebs am höchsten aus.

Auch eine Kostenfrage

„Es ist ein Treiber für unsere Zivilisationskrankheiten und der damit in Verbindung stehenden Kosten“, so der Gast. Die Faktenlage sei erschreckend überzeugend. Aber es besteht eine erhebliche Ladehemmung, diesem Zustand entgegen zu treten. „Wir wollen die Lebensstilmedizin aufbauen und insbesondere für die Kurorte als Lernort attraktiv machen“, definierte Professor Melchart ein Ziel. Der größte Feind sei der Mensch selbst, der sich schwer ändern lässt. Man spricht in der Medizin von Adhärenz, wenn der einzelne nach Gewichtsverlust sehr schnell wieder zunimmt. Übergewicht sei eine Aufgabe für das gesamte restliche Leben. Bisher fehlen Studien, was chinesische Medizin und Akupunktur zusätzlich bewirken könne. Dieser Erweiterungsschritt von der schulmedizinischen Indikation zur Medikation über Kräuter müsse dringend aufgearbeitet werden.

Präventiv-Vorbild

  • Historie:

    Die Traditionelle Chinesische Medizin war die Erste, die präventiv handelte. Gesunde Lebensführung wird als wichtiger angesehen als die Therapie.

  • Überlieferung:

    Früher wurde chinesischen Ärzten das Honorar gekürzt, wenn zu viele unter ihrer Verantwortung krank wurden.

  • Chin. Weisheit

    : „Ein guter TCM-Arzt/Therapeut erkennt die Krankheit bevor sie erscheint und verhindert ihre Entstehung.“

Die europäischen akademischen Institutionen, die vor wenigen Jahren noch die Homöopathie aus dem Kanon der Medizin werfen wollten, sagen jetzt, die TCM wäre nicht evident. Prof. Dr. med. Melchart widerlegte dies mit entsprechenden Studien. Zum Thema Adipositas verfüge man über einen Evidenzgrad von 1 a (an der Spitze belegter, kontrollierter Studien). Es bestehe die Möglichkeit , mit gemeinsamen Publikationen einen Schritt voranzukommen. Melchart hoffte, dass man es im nächsten halben Jahr schaffe, ein weiteres Fünf-Jahres-Projekt mit der Universität in China zu unterzeichnen.

Kultur ins Paket nehmen

Professor Wang Xian referierte über Kooperationen in Sachen chinesische Medizin anhand des Beispiels der Pekinger Universität.
Professor Wang Xian referierte über Kooperationen in Sachen chinesische Medizin anhand des Beispiels der Pekinger Universität.

Als letzter Redner spannte Thomas E. Bauer einen Bogen zur Kultur als Bindeglied zwischen China und Bayern. Er ist selber mit einer Chinesin verheiratet und beruflich sehr viel in China unterwegs. „Es gibt eigentlich aus dem Landkreis Cham heraus die ziemlich exklusivsten Beziehungen nach China, die man sich vorstellen kann“, beschrieb der Familienvater die Kontakte zu Nobelpreisträgern, Oscarpreisträgern usw.

Sehr zugute kommt Thomas E. Bauer, dass seine Frau hervorragend deutsch spricht. Er wollte beim Forum auch den chinesischen Gästen zeigen, wo in der Region Potenziale im Bereich der Kultur liegen und wo die Zusammenarbeit möglich ist. „Unser Plan ist, hier mehr prominente chinesische Künstler vorzustellen“, gab Thomas E. Bauer Auskunft.

Damit meinte er nicht nur Volkskunst und Folklore, sondern Innovatives – Persönlichkeiten, die international unterwegs und anerkannt sind. „Ich finde, wenn man zur universitären Zusammenarbeit im Bereich der TCM den Baustein Kultur dazu nimmt, gibt dies ein spannendes Gesamtpaket“, betonte der weltweit konzertierende Sänger. Die meisten Europäer kennen nur kleinste Ausschnitte von China. Da Bauer zeitweise dort lebt, bemerkte er, dass die Bevölkerung dort großen Respekt vor der deutschen Kultur habe.

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