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Region Cham
Freitag, 17. August 2018 28° 2

Altlasten

Wo die Gefahr im Boden lauert

Zwei mit Gift verseuchte Flächen im Stadtgebiet Cham warten auf die Sanierung. Wie viele es noch gibt, ist unklar.
Von Christoph Klöckner

Die Frühlingstraße wartet seit Jahrzehnten auf eine Beseitigung des krebserregenden Gifts PER. Foto: ck
Die Frühlingstraße wartet seit Jahrzehnten auf eine Beseitigung des krebserregenden Gifts PER. Foto: ck

Cham.Immobilienkäufer und Erben müssen genau aufpassen, auf welchen Boden sie setzen. Denn nicht immer ist das, was günstig oder praktisch geschenkt daherkommt, wirklich eine lohnenswerte Angelegenheit. Da setzt sich mancher unbewusst auf finanzielle und giftige Pulverfässern, wo er lieber zurückgesteckt hätte.

Frühere wie aktuelle Besitzer der ehemaligen Christl-Fläche an der Frühlingstraße haben diese Erfahrung schon hinter sich. Denn kaum hatte der Grund, auf dem jahrzehntelang eine Reinigung zu Hause war, zuletzt den Besitzer gewechselt, flatterte eine Sanierungsaufforderung vom Landkreis ins Haus. Bis es nun, nach langem Zögern und Abwarten, selbst die Initiative ergriffen hat und die Sanierung startet. Wobei es darauf hinweist, dass der Besitzer deshalb nicht aus der Verantwortung der Sanierung ist – die Rechnung für die Reinigung soll ihm am Ende jedenfalls präsentiert werden.

Firma ist jetzt beauftragt worden

Wie das Landratsamt auf Nachfrage mitteilt, ist die Ausschreibung zur „Sanierungsuntersuchung Teil B“ für die Frühlingstraße soeben abgeschlossen worden. Der Auftrag sei an die Firma Tauw aus München vergeben worden. Die Vorbereitungen der beauftragten Firma seien angelaufen. „Das Landratsamt wird zusammen mit der beteiligten Firma und weiteren Stellen bei einem Vor-Ort-Termin Mitte Juni die konkreten Schritte und Abläufe festlegen“, so Landratsamtssprecher Friedrich Schuhbauer. Über den Beginn der tatsächlichen Arbeiten werde die Öffentlichkeit informiert.

Die erste Kostenschätzung für das mit krebserregendem PER verseuchte, etwa 2500 Quadratmeter große Gelände liegt bisher bei einer Millionen Euro, wobei die Summe schon aufgrund der Sanierungsmethodik variieren kann. Da ein Austausch des Bodens zu teuer wird, soll – wie bereits früher geschehen – mit der Absaugung und Reinigung von Bodenluft und Wasser das Gift beseitigt werden. Das bedeutet vermutlich jahrelange Arbeiten vor Ort. Eine detaillierte Schätzung der endgültigen Kosten könne erst nach dem Ergebnis der nun anstehenden Sanierungsuntersuchung erfolgen, betont das Landratsamt wohl auch aus diesem Grund.

Seit kurzem ist eine zweite, mit Altlasten Fläche – die ehemalige Reinigung Penzl auf dem Spitalplatz 5. Auf dieser Fläche, die sich gleich neben dem Spitalgarten befindet und auf der die Betriebsgebäude noch zu sehen sind, wurde noch länger gearbeitet, als an der Frühlingstraße. Ob die Belastung mit Schadstoffen deshalb höher ist oder Hochwässer das Gift in der Umgebung verstreut haben, ist noch nicht bekannt – eine Untersuchung fehlt dazu.

Das Landratsamt als Staatsbehörde habe mit dem Eigentümer des Grundstücks die weitere Vorgehensweise intensiv erörtert und werde auch die nötigen Schritte zur „Bereinigung der Angelegenheit“ veranlassen. Allerdings sind hier laut Landratsamt noch immer Planungen für eine neue bauliche Nutzung im Gange, die im Bauantragsverfahren und damit noch in der Schwebe sind. Falls es zu einer neuen baulichen Nutzung komme, müsse der Bauherr die Altlastenproblematik selbst regeln, so Martin Ritt, der persönliche Referent von Landrat Franz Löffler.

„Verpflichtende Aufforderung“

Sollte hier keiner in naher Zukunft bauen – der Stadtrat Chams hatte hier zuletzt Pläne für ein großes Wohn- und Geschäftshaus abgelehnt, auch weil die Lage direkt im Stadtgraben dafür ungeeignet erschien – wird „anderenfalls wird das Landratsamt zeitnah tätig werden und zunächst eine Detailuntersuchung einfordern“, so Ritt. Wobei es in einer ersten Stellungnahme im Februar zum Bauantrag hieß, dass das Landratsamt eine Detailerkundung gefordert habe, die „derzeit gerade durchgeführt wird.“ Dem ist also noch nicht so.

Eine Detailuntersuchung gehe in ihrer fachlichen Fundiertheit über ein Gutachten hinaus und beleuchte die Situation bis ins Einzelne, erläuterte Ritt nun aktuell. Die Konsequenz für die Besitzer der Fläche ist für ihn ebenfalls absehbar: „Eine verpflichtende Aufforderung gegenüber dem Grundstückseigentümer wird von Seiten des Landratsamtes ergehen, sobald die tatsächlichen und rechtlichen Voraussetzungen dafür vorliegen. Der Eindruck, es würde doch erst einmal nichts passieren, täuscht.“ Mit dem Grundstückseigentümer sei die Angelegenheit intensiv besprochen worden; die Zuständigkeiten und die Handlungsabläufe seien den Beteiligten bekannt, so das Landratsamt.

Wo sind die Altlasten?

  • „Bei ehemaligen

    Standorten Chemischer Reinigungen liegen Belastungen des Bodens mit PER (Perchlorethylen) nahe“, heißt es von Seiten des Landratsamtes. Reinigungen gab es vielerorts.

  • Dennoch

    sind laut Behörden im Altlastenkataster des Freistaates Bayern – neuester Stand – nur die beiden genannten ehemaligen Reinigungen erfasst. Es gibt außerdem keinen Fall im Landkreis, wo bereits eine solche Fläche gereinigt wurde.

  • Das Altlastenkataster

    des Freistaats führe alle Verdachtsflächen auf. Das Kataster sei in drei Priorisierungs-Kategorien – nach lang-, mittel- und kurzfristigem Sanierungsbedarf – eingeteilt. In der höchsten Stufe gebe keine Fläche für den Landkreis.

Die Fläche „Spitalplatz 5“ ist seit 2012 im Altlastenkataster aufgeführt. Schon vor sechs Jahren sollte dort gebaut werden. Bei Sondierungsuntersuchungen des Bodens war die Belastung ans Licht gekommen, die eine weitere Prüfung der Behörden veranlasste. Ob auf der Fläche tatsächlich eine erhebliche Verunreinigung besteht, wird derzeit in einer Detailuntersuchung geprüft. Das entsprechende Gutachten liegt dem Landratsamt noch nicht vor.

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