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Region Cham
Samstag, 18. August 2018 29° 3

Menschen

Wo es lebt und ein bisserl todelt

Die Geschichte von einem Freitagnachmittag auf dem Chamer Marktplatz und vielen gut gelaunten Menschen.
Von Johannes Schiedermeier

Ein Bild von einem Marktplatz: Vorne sprudelt das Leben, hinten todelt es ein bisserl. Das Chamer Wohnzimmer und seine Kontraste. Fotos: Schiedermeier
Ein Bild von einem Marktplatz: Vorne sprudelt das Leben, hinten todelt es ein bisserl. Das Chamer Wohnzimmer und seine Kontraste. Fotos: Schiedermeier

Cham.Das Chamer Wohnzimmer präsentiert an diesem Freitagnachmittag seine Möglichkeiten. Sonnenschein – neben dem Bronzebrunnen fängt ein kleines Mädchen vergnügt den Wasserstrahl des Grafen Luckner mit der Hand ein. Tapetenwechsel – Windstoß. Vor der Kaffeeküche klappt das Schild mit den besonderen Angeboten zusammen und macht sich ein paar Schritte weit selbstständig. Dazwischen treffen wir viele gut gelaunte Menschen.

Auf einer Bank sitzt Eva (25) mit dem Töchterchen Anna (3). Die beiden wohnen am Platz. Eva findet gut, was sich in den letzten Jahren hier getan hat: den Brunnen mit den Steinen, auf denen man klettern und Eis essen kann, dazu die windgeschützten Lounge-Ecken und der Bücherschrank. „Der Marktplatz war nicht immer der Hit“, erinnert sich Eva an schlechtere Zeiten, aber besonders an den Wochenenden seien jetzt mehr Leute hier.

„Der Brunnen: einmalig“

Barbara und Arnold sind zwei Rentner aus dem Schwarzwald, die aus Neukirchen b. Hl. Blut mit dem Auto nach Cham gekommen sind. Sie sitzen windgeschützt in der Lounge-Ecke und finden den Marktplatz prima. „Der Brunnen ist einmalig“, lobt Barbara. Das gelte auch für den Bayerwald. Hier könne man richtig toll und preiswert Urlaub machen. „Für das Geld kommst Du im Schwarzwald gerade mal einen Tag unter. Wir sind eine Woche hier“, erzählt Arnold.

Auf ein Eis aus dem Schwarzwald gekommen sind Barbara und Arnold. Die Sitzgelegenheiten mit Windschutz finden sie super. Fotos: Schiedermeier
Auf ein Eis aus dem Schwarzwald gekommen sind Barbara und Arnold. Die Sitzgelegenheiten mit Windschutz finden sie super. Fotos: Schiedermeier

Seit Jahren verbringen die beiden ihren Urlaub im Bayerwald, oft auch mit den Enkeln. Nach dem Eis wird die Kirche besichtigt. „Wir kommen wieder“, sagen beide. „Solche habt ihr hier auch“, stellt Arnold fest und deutet auf drei Menschen mit Bierflaschen auf einer Nachbarbank. – Ja, haben wir auch.

Schlag 15 Uhr kommt ein Mitarbeiter des Stadtbauhofes vorbei und kontrolliert die Sitzecken auf Sauberkeit. Zwei Mal pro Tag kommt er her, berichtet der Mann in leuchtorangen Arbeitshosen. Heute ist es sauber. Oft liegt aber in den Ecken und hinter den Sitzen ziemlich viel Müll rum. Sachbeschädigungen gebe es aber kaum.

Gestalten gibt es auf dem Marktplatz ... Die Auflösung: Es ist ein Kämpfer der Jedy-Academy, der zu Filmaufnahmen hier ist. Fotos: Schiedermeier
Gestalten gibt es auf dem Marktplatz ... Die Auflösung: Es ist ein Kämpfer der Jedy-Academy, der zu Filmaufnahmen hier ist. Fotos: Schiedermeier

Dann hängen plötzlich seltsame Gestalten rum. Sie posen und fechten. Es sind Kämpfer der Jedy-Academy, die einen Hauch von Starwars ins Wohnzimmer bringen und dabei vom Fernsehen gefilmt werden. Mit dabei sind Heidi und Günther Engl. Der Günther trifft wie gewohnt einen offenen Ton: „Wir haben den Marktplatz extra gewählt, weil wir wussten, dass hier nix los ist!“ Allerdings relativieren beide diese Einsicht durch ein dickes Lob: „Wenn man an früher denkt, dann ist das hier echt gut geworden.“ Die Parkplätze seien auch alle belegt. „Es ist viel mehr los als früher, aber es todelt halt immer noch ein bisserl“, sagt Günther und bilanziert 20 bis 40 Menschen. Dann haben wir noch zwei getroffen, die es wissen müssen. Alexander von der Food-Fabric zum Beispiel. Bei ihm ist mittags immer viel los. Aber um 15 Uhr fährt er Dienstag bis Freitag meistens heim. Da läuft kaum noch was. Aber auch Alexander bilanziert ein deutliches Plus an Besuchern in den letzten drei Jahren. Vor allem im Sommer sei die Zahl der Touristen deutlich gestiegen. Letztes Jahr waren es Belgier und Holländer, gestern viele Franzosen. Dazu gebe es immer mehr Norddeutsche.

„Die haben draußen alles ...“

Jirta ist seit zehn Jahren den Chamern ein Begriff in ihrer Dönerbude. Sie findet auch, dass der Marktplatz viel besser und freundlicher geworden ist. „Es wirkt nicht mehr so nackt und die Parkplätze haben tatsächlich etwas belebt“, sagt sie. Im Sommer seien mehr Menschen auf dem Platz, ansonsten gebe es viel Stammkundschaft. „Vielen ist das Reinkommen in die Innenstadt zu stressig. Aber die haben ja draußen alles“, sagt sie und deutet Richtung Janahof.

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