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Geschichte

Wo lag „Vurte“ im Jahr 1086?

Werner Perlinger stellte bei seinem Vortrag im Rathaus-Sitzungssaal fast 1000 Jahre alte Keramik aus dem Stadtbereich vor.

Werner Perlinger verortet „Vurte“ bei dieser Skizze an der Stelle der heutigen Hofer-Brücke.  Fotos: Riedl
Werner Perlinger verortet „Vurte“ bei dieser Skizze an der Stelle der heutigen Hofer-Brücke. Fotos: Riedl

Furth im Wald.„Wo lag die Siedlung „Vurte“ vom Jahr 1086?“, lautete im Zuge des Vhs-Programms ein Vortrag im Großen Sitzungssaal des Rathauses. Referent Werner Perlinger erläuterte einen archäologisch interessanten keramischen Zufallsfund und dazu in Verbindung verschiedene Quellen zur frühesten Geschichte unserer Stadt.

So fand Mitte der 80er-Jahre der Bürger Alfons Maier im hinteren Bereich des Anwesens Schießstättenweg 14 bei Erdarbeiten unter dem Wurzelstock einer Fichte in etwa 50 Zentimetern Tiefe konzentriert beieinanderliegend eine kleine Menge an zerscherbter Keramik. Mit einer Ausnahme besteht diese Keramik aus dem 15. Jahrhundert, wie wir sie vom Schlossbereich kennen. Eine Ausnahme ist das Randstück eines Topfes von ganz anderer Art, die dieses Exemplar präzise in den Zeitraum um 1150 datiert. Das vorgestellte Exemplar ist laut Perlinger derzeit das bisher älteste gefundene Keramikfragment aus dem Stadtbereich. Das Anwesen, aus dem dieser Topf einst stammte, wäre in der Talbodensiedlung des alten „Vurte“ zu suchen.

Viele Zuhörer lauschten dem 45 Minuten dauernden Vortrag des Stadtarchivars.  Fotos: Riedl
Viele Zuhörer lauschten dem 45 Minuten dauernden Vortrag des Stadtarchivars. Fotos: Riedl

Der erste exakte historische Nachweis von Furth schreibt sich aus dem 11. Jahrhundert. „Vurte“, gelegen wohl im Bereich der Furt bzw. des Übergangs der alten von Cham kommenden Reichsstraße über die Kalte Pastritz unmittelbar westlich der Pfarrkirche, war damals eine reine Talbodensiedlung. Sie ging in der in Jahrhunderten am darüber liegenden Berg zur heutigen Stadt gewachsenen Siedlung >Furth im Wald< auf. Der Ortsname ist abgeleitet vom althochdeutschen „furt“, mittelhochdeutschen „vurt“ und bedeutet eine für einen Weg oder eine Straße seichte Übergangsstelle an einem Bach oder einem Fluss. Die Bezeichnung >villa< steht für Weiler, kleines Dorf.

Über alle Epochen hinweg prägend für die Entwicklung des Weilers „Vurte“ war der Verlauf alter Fernwege zwischen Bayern und Böhmen. So führt von den böhmischen Zentren Prag, Pilsen und Taus eine alte Straße – tituliert als „Baierweg“ – über den Pass von Ceska Kubice/Schafberg in die Stadt, um dann nach Kötzting über St. Englmar die alte Grafschaft Bogen, das spätere Herzogtum Straubing zu erreichen. Im Gegensatz zu den bisherigen Vorstellungen, welche „Vurte“ mehr im Bereich des Bayplatzes und dessen Umfeld ansiedelten, schlug der Referent vor, den Standort der ursprünglichen Talsiedlung „Vurte“ unmittelbar im Umfeld des genannten Zusammentreffens der beiden genannten Fernwege zu suchen. Als mögliches Terrain dafür dürfte der Beckplatz infrage kommen, der erst nach Abbruch des Bäckhauses, Anwesen 200/Von-Müller-Straße 1, in seiner heutigen Ausdehnung entstanden ist. Zu diesem frühen Siedlungsbereich dürfte gegenüber auch das Gelände der Anwesen Michael Mühlbauer, Waldherr/Brown und Lemberger (Proßl) gehört haben, ebenso die Siedlungsflächen von Gasthof Himmelreich und Anton Mühlbauer.

Vurte – die Anfänge

  • Nachweis

    Der erste exakte historische Nachweis von Furth schreibt sich aus dem 11. Jahrhundert.

  • Urkunde

    In einer Urkunde von 1086 verleiht Kaiser Heinrich IV. die „villas Grawat & Vurte“, Grabitz und Furth, mit fünf anderen benachbarten Orten, an den Domvogt Friedrich II. von Regensburg.

Es sei zu vermuten, dass für den Einzug des „conductus“, den Zoll, den vor den Wittelsbachern bereits die Landesherren (Agilolfinger, Karolinger, Ottonen, Salier) bzw. die damit betrauten Grafen für die Sicherheit auf den Straßen den Handelskarawanen und Reisenden abverlangten, vielleicht schon im 10./11. Jahrhundert bei uns eine Zollstelle vorhanden war, die am Schnittpunkt der alten Fernwege direkt im Bereich der heutigen Krypta der Pfarrkirche anzusiedeln wäre.

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