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Kontroverse

Wohin führt der Weg der Rodinger Klinik?

Der Verein Pro Gesundheit sieht den Krankenhausstandort in einer Abwärtsspirale und fordert ein Zukunftskonzept von Sana.
Von Bastian Schreiner und Thomas Mühlbauer

Der Verein pro Gesundheit sorgt sich zum die Zukunft des Rodinger Krankenhauses und fordert ein neues Konzept der Sana Kliniken. Foto: Schreiner
Der Verein pro Gesundheit sorgt sich zum die Zukunft des Rodinger Krankenhauses und fordert ein neues Konzept der Sana Kliniken. Foto: Schreiner

Roding.Der Verein Pro Gesundheit wirft den Sana Kliniken vor, dass vertragliche Zusagen am Rodinger Standort nicht umgesetzt worden seien. Die Hinhaltetaktik des Konzerns werde man nicht mehr länger hinnehmen, sagte Vorsitzender Dr. Michael Jobst bei der Jahresversammlung. In dieser haben die Mitglieder einstimmig beschlossen, dass Sana aufgefordert werden soll, schnellstmöglich ein zukunftsfähiges Konzept für die stationäre Krankenhausversorgung in Roding vorzulegen. Jobst machte bei der Diskussion um die Krankenhaus-Zukunft klar, dass man das Rodinger Haus nicht schlecht reden wolle. Allerdings sei es die Aufgabe des Vereins, Entwicklungen, die in eine falsche Richtung laufen, anzusprechen.

Versprechen nicht umgesetzt

Bei der Erläuterung der Kritik von Pro Gesundheit – das Haus befindet sich aus seiner Sicht in Abwärtsspirale – bezog sich der Vorsitzende in der Versammlung auf das mit dem Landkreis Cham 2012 vereinbarte Konzept von Sana. Dort heißt es, dass die drei Krankenhaus-Standorte in vollem Umfang langfristig erhalten, modernisiert und ausgebaut werden sollen. Der Standort Roding solle zu einer Fachklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie ausgebaut werden. Als Ergänzung werde in Roding der Bereich der Neurochirurgie weiterentwickelt.

Die gewählte Vorstandschaft des Vereins Pro Gesundheit. Foto: Mühlbauer
Die gewählte Vorstandschaft des Vereins Pro Gesundheit. Foto: Mühlbauer

Der Ist-Zustand stelle sich laut Jobst ganz anders dar: „Eine Modernisierung oder ein Ausbau des Krankenhausstandortes Roding haben nicht stattgefunden. Der Ausbau orthopädischer, unfallchirurgischer und neurochirurgischer Fachbereiche wurde von Sana nicht ansatzweise angepackt.“ Mit diesen Vorwürfen haben wir die Sana Kliniken des Landkreises Cham konfrontiert. In seiner Stellungnahme hält der Konzern entgegen, dass man – wie vereinbart – im Krankenhaus in Roding alle orthopädischen Leistungen, die an den drei Standorten erbracht werden, gebündelt habe. Mehr als die Hälfte der in Roding angebotenen medizinischen Leistungen seien orthopädisch. Zudem gebe es eine enge Kooperation mit dem Orthopädisch-Chirurgischen Zentrum. Die Nachfolge von Dr. Pamler sei mit Dr. Ernst gewährleistet worden. Damit seien Orthopädie und Unfallchirurgie medizinisch bestmöglich versorgt.

Lesen Sie hier: Verein „Pro Gesundheit“ sieht viel Luft nach oben für Verbesserungen beim Rodinger Krankenhaus und vermisst Investitionen.

Wie Sana-Pressesprecherin Sandra Seidl weiter mitteilt, habe Sana Wort gehalten und nach acht Jahren Vakanz mit Dr. Ernst einen D-Arzt installiert. Die Neurochirurgie werde in Roding durch Belegärzte abgedeckt.

Die Patientenabwanderung – besonders drastisch im westlichen Landkreis – in Kliniken außerhalb des Kreisgebietes, so kritisiert Jobst, werde von Sana hingenommen. Trotz der Weiterentwicklung des Standorts verzeichne das Rodinger Krankenhaus einen Patientenrückgang, bestätigt die Sana-Pressesprecherin. In Summe sei die Zahl der Patienten bei den Sana Kliniken des Landkreises Cham in den vergangenen Jahren aber gestiegen. In Roding liege die Auslastung bei 54 Prozent (bayernweit 80 Prozent). Um auf eine durchschnittliche Auslastung zu kommen, wären fast 13 000 Fälle mehr notwendig, informiert Seidl.

Aufzug, Bad und Schreibdienst

Jobst sprach bei der Versammlung auch Missstände beim Bauunterhalt an und nannte als Beispiel, dass einer der Aufzüge seit Monaten außer Betrieb ist. Immer noch nicht instand gesetzt sei das Bewegungsbecken im Reha-Bereich, was die Therapiemöglichkeiten schmälern würde.

Dass der Schreibdienst aus Roding abgezogen worden sei, betrachtet der Vereinsvorsitzende als weiteren „Nadelstich gegen das Rodinger Haus“, wie er sagte. Und weiter: „Ein Krankenhaus, in das nicht investiert wird, wird mittel- bis langfristig keine Zukunft haben.“ Sana erklärte auf Nachfrage unseres Medienhauses, dass drei Aufzüge ausreichen würden, da sich die 110 Planbetten im Krankenhaus Roding überwiegend im Erdgeschoss befinden. Die Kosten für die Nutzung des Bewegungsbades werden von den Krankenkassen nicht mehr vergütet. Andere Rehamaßnahmen würden den Effekt des Bades mittlerweile auffangen. Die drei Mitarbeiter, die in Roding im Schreibdienst tätig waren, hätten zugestimmt, in Cham mit ihren Kollegen zusammen zu arbeiten. Dadurch ergeben sich eine höhere Flexibilität und ein schnellerer Austausch untereinander. Der Betriebsrat habe der Zusammenlegung zugestimmt. In Roding gebe Sana jährlich mehrere 100 000 Euro für die Instandhaltung aus, so Seidl.

Debatte um das Personal

Jobst ging auch auf Sanas „Sparpolitik, die auf dem Rücken des Personals und der Patienten betrieben wird“ ein. Der Personalabbau gehe so weit, dass Patienten nicht aufgenommen und Operationen nicht durchgeführt werden können. Es fehle an Personal, um weitere Stationen zu öffnen. Respekt zollte er dem Personal, das die Veränderungen mittrage und erhebliche Mehrbelastungen in Kauf nehme. Von der Sana Klinik heißt es, dass mehr OP-Kapazitäten bereitgehalten als gebraucht werden. Lediglich Notfall-Operationen oder Operationen, für die ein spezielles Team aus Fachärzten benötigt werde, werden in Cham durchgeführt.

Aus der Jahresversammlung

  • Neuwahlen

    Vorsitzender: Dr. Michael Jobst, Stellvertreter: Alfred Wittmann, Schriftführer: Andrea Trinkerl, Kassier: Alfred Reger, Kassenprüfer: Hans Winklmann, Jupp Brantl

  • Anzahl der Mitglieder

    65

  • Aktivitäten

    Vortrag von Dr. Bernd Hardmann über Herzgesundheit, Pressegespräch zu „Fünf Jahre Sana“, Teilnahme am Patrozinium in der Krankenhauskapelle und Besuch des neuen Chefarztes Dr. Dirk Ernst. (rtn)

Bürgermeister Franz Reichold ergänzte in der Versammlung: „Der Bund sagt, man müsse Betten abbauen, um Einsparungen im Gesundheitswesen zu tätigen. Doch das ist der falsche Weg.“ In Roding, das einst mit fast 300 Betten das größte und leistungsfähigste Haus hatte, befinde man sich in einem Teufelskreis. Denn in den letzten Jahren seien immer mehr Säulen weggebrochen. „Wollen wir das Krankenhaus erhalten, müssen wir die Bevölkerung ins Boot holen“, sagte Reichold. „Wenn Sana kein neues Konzept vorlegt, werden wir die Öffentlichkeit mit einer Kampagne mobilisieren“, lässt Dr. Jobst auf Nachfrage wissen, wie es weitergehen soll.

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.

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